+
„Onlinesprechstunden ermöglichen es, auch einen Arzt zu kontaktieren, der mir helfen kann, aber in einer ganz anderen Stadt sitzt“, sagt Spahn.

Gesundheitswesen

Die „digitale Arztpraxis“ kommt

  • schließen

Der Bundestag verabschiedet Gesetz von Gesundheitsminister Spahn.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verpasst dem deutschen Gesundheitssystem ein „Update“: Der Bundestag hat am Donnerstag den Weg für die „digitale Arztpraxis“ frei gemacht. Das bringt für Patienten Vorteile – birgt aber wohl auch einige Risiken.

Gesundheits-App:Künftig sollen die Krankenkassen die Kosten für bestimmte Gesundheits-Apps übernehmen. „Das ist eine Weltneuheit“, sagt Spahn nicht ohne Stolz. Ärzte können dann Rezepte für Smartphone-Programme ausstellen, die die Nutzer beispielsweise an die Einnahme von Medikamenten erinnern, oder Hilfen bei Schwangerschaften oder Bluthochdruck anbieten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft die Apps zuvor auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität.

Videosprechstunden:„Onlinesprechstunden ermöglichen es, auch einen Arzt zu kontaktieren, der mir helfen kann, aber in einer ganz anderen Stadt sitzt“, sagt Spahn. Zwar gibt es Online-Sprechstunden bereits. Künftig ist es Ärzten aber erlaubt, auf ihrer Internetseite über entsprechende Angebote zu informieren. Patienten sollen sich so leichter einen Überblick verschaffen können.

Elektronische Patientenakte:Patienten sollen künftig Handy-Zugriff auf ihre Patientenakten erhalten. Dort können sie dann Röntgenbilder oder Arztbriefe einsehen. Allerdings: Da medizinische Daten besonders sensibel sind, hat sich die GroKo darauf geeinigt „zeitnah“, ein eigenes Datenschutzgesetz dazu vorzulegen. Geplanter Start: 1. Januar 2021. Damit die E-Akte möglichst flächendeckend genutzt werden kann, werden Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken animiert, sich der entsprechenden Telematik-Infrastruktur anzuschließen.

Das E-Rezept:Papier soll im Gesundheitswesen ein Auslaufmodell werden. Künftig wird es ein elektronisches Rezept für Medikamente sowie eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung geben. Hinzu kommt die elektronische Heil- und Hilfsmittelverordnung (Sehhilfen, Rollstühle). Für weniger technikaffine Patienten gibt es übergangsweise ein Nebeneinander von Papierrezept und E-Rezept.

Gesundheitsdatenbank:Für Kritik sorgt Spahns Vorhaben, die Daten aller gesetzlich Versicherten in einer zentralen Datenbank für Forschungszwecke bereitzustellen. „So können wir herausfinden, welche Behandlungen bei Krebs oder Diabetes besonders gut funktionieren. Außerdem handelt es sich um pseudonymisierte und anonymisierte Abrechnungsdaten, nicht um Behandlungsdaten“, so Spahn. Datenschützer und Patientenvertreter kritisieren, auf diesem Weg gerieten sensible Daten in die Hand des Staates und einer langen Liste weiterer Nutzungsberechtigter. Eine Löschung oder ein Widerspruchsrecht ist nicht vorgesehen. Der Bundesrat hat bereits Bedenken angemeldet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare