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Dieter Zetsche, hier Anfang September, hört im kommenden Jahr auf.

Daimler-Chef

Dieter Zetsche hört im Mai 2019 auf

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Spekuliert wurde schon länger, nun schafft Daimler Fakten. Konzernchef Dieter Zetsche hört auf und wechselt in den Aufsichtsrat. Sein Nachfolger steht auch schon fest.

Der Mann mit dem Walrossschnauzer geht. Daimler-Chef Dieter Zetsche tritt nach der Hauptversammlung des Konzerns im Mai 2019 ab. Ola Källenius, derzeit Entwicklungschef, wird sein Nachfolger. Zetsche ist unter den wichtigen Autobossen derjenige mit der längsten Amtszeit und derjenige mit der mit Abstand längsten Erfolgssträhne. Doch zuletzt hatte er schwer zu kämpfen, mit schrumpfendem Absatz, mit geringeren Gewinnen und mit dem Abgasskandal.

Der Chef der Markenikone mit dem Stern ist selbst zur Marke und zum Star stilisiert worden. Bei öffentlichen Auftritten trägt er seit einiger Zeit konsequent Turnschuhe, gelegentlich mit Jeans dazu. Zetsche beweist bei seinen Auftritten Entertainerqualitäten. Er besitzt die Fähigkeit zu Ironie und Selbstironie. Auch das unterscheidet ihn merklich von seinen Kollegen von den anderen Autobauern. Und natürlich der Schnauzer. Im Interview mit dieser Zeitung verriet er einst, dass er morgens lediglich zehn Sekunden braucht, um ihn in Form zu bringen. „Einmal mit dem Kamm rechts, einmal mit dem Kamm links durchziehen. Fertig“ Abrasieren? „Nein. Ich stelle meinen Bart eigentlich nie in Frage.“

Dieter Zetsche machte in den USA als „Dr. Z“ Furore

Der gebürtige Frankfurter, dessen hessischer Akzent immer noch durchschlägt, hat mehr als sein halbes Leben in dem Stuttgarter Konzern in verschiedenen Positionen zugebracht. Seit 1976 ist er bei Daimler. War zwischenzeitlich Chef der früheren Tochter Chrysler. Der promovierte Ingenieur machte in den USA in Werbespots mit selbstparodistischem Einschlag als „Dr. Z“ Furore, der alles über Autos weiß. Aber nach seiner Ernennung zum Daimler-Chef im Jahr 2006 beendete er alsbald die unglückliche deutsch-amerikanische Autoehe.

Zetsches größtes Verdienst war wohl die konsequente Fokussierung von Mercedes als deutschen Autobauer der gehobenen Kategorie. 2011 gab er das Ziel vor, die Premium-Rivalen BMW und Audi nicht nur beim Absatz, sondern auch bei der Rentabilität bis 2020 zu überholen. Mercedes schaffte es schon 2016. Was ihn endgültig zum Superstar der Autobranche aufsteigen ließ. Das Geheimnis des Erfolges war die größte Modelloffensive in der Geschichte des Unternehmens, mit einem massiven Ausbau der SUV-Flotte, einem sportlicheren und aggressiveren Design und einem Marketing, das Jüngere beziehungsweise sich jung fühlende anspricht. Mercedes eilte von Rekord zu Rekord.

Bei Mercedes läuft es nicht mehr rund

Doch seit dem Frühjahr läuft es nicht mehr so rund. Im Juni ging erstmals seit sehr langer Zeit der Absatz bei Mercedes zurück. Im Juli und August verschärfte sich der Negativtrend. Eine Korrektur der Gewinnprognosen kam hinzu. Und Mercedes wurde zum Opfer des Handelsstreits zwischen den USA und China: Strafzölle der Volksrepublik treffen nun auch Mercedes-SUV, die in den USA gefertigt werden.

Dann noch die Demütigung durch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er bestellte Zetsche Ende Mai ins Verkehrsministerium ein. Der Daimler-Chef musste sich durch ein Blitzlichtgewitter kämpfen. Abends war das in der Tagesschau zu sehen, nebst der Meldung, dass die Experten des Kraftfahrtbundesamtes illegale Abschaltvorrichtungen bei Mercedes-Autos gefunden hätten. In Berlin erzählt man sich, dass diese Inszenierung auch eine Racheaktion gewesen sei, weil Zetsche sich zuvor mehrfach hochmütig gegenüber Spitzenpolitikern gezeigt habe.

Dieter Zetsche: Ruf ist angekratzt 

Der Ruf des Top-Managers ist seither angekratzt. Immerhin hatte er kurz nach Bekanntwerden des systematischen Abgasbetrugs bei VW erklärt: „Bei uns werden keine Abgaswerte manipuliert.“ Das ist auch nach wie vor die offizielle Sprachregelung. Allerdings musste das Unternehmen inzwischen einräumen, dass in unabhängigen Tests von Dieselautos auf der Straße Werte des giftigen Stickoxids gemessen wurden, die weit über den zulässigen Werten liegen. Der Konzern rechtfertigt dies damit, dass das zum Schutz des Motors notwendig sei.

Die Ungereimtheiten beim Abgasskandal sind auch der Grund dafür, dass intern heftig darüber diskutiert wurde, ob Zetsches Zukunft sich tatsächlich an der Spitze des Aufsichtsrats abspielen wird. Doch die Kritiker, die vor allem aus den Reihen der Arbeitnehmervertreter kommen sollen, zogen den Kürzeren. Geplant ist, dass der Manager nach einer zweijährigen „Cooling-off-Periode“ im Frühjahr 2021 in das Kontrollgremium einziehen und den Posten von Manfred Bischoff übernehmen wird.

Källenius soll wie sein Vorgänger ein Doppelchef werden. Als Boss der Marke Mercedes und als Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Der Schwede mit dem sympathisch nordischen Akzent galt schon länger als Kronprinz.

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