Der neue und der alte: Euclid Tsakalotos (re.) hat in Oxford studiert und in Kent gelehrt. Er ersetzt Yanis Varoufakis (li.) in der Eurogruppe.
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Der neue und der alte: Euclid Tsakalotos (re.) hat in Oxford studiert und in Kent gelehrt. Er ersetzt Yanis Varoufakis (li.) in der Eurogruppe.

Griechenland

Dieser Mann löst Varoufakis ab

  • vonGerd Höhler
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Der griechische Finanzminister Varoufakis hat sich viele Feinde gemacht bei den Verhandlungen mit den Gläubigern Griechenlands. Jetzt soll es ein Anderer besser machen.

„Spieler, Amateur, Zeitverschwender“ – der griechische Premier Alexis Tsipras wird diese aus der Eurogruppe überlieferten Urteile über seinen Kassenwart Yanis Varoufakis sicher nicht teilen. Aber auch Tsipras ist nicht entgangen, dass Varoufakis bei seinen Kollegen zu viel Porzellan zerschlagen hat und es kaum schaffen kann, die Verhandlungen mit den Gläubigern zu einem guten Abschluss zu bringen.

Seit Montag koordiniert deshalb Euclid Tsakalotos, der Vizeaußenminister für internationale Wirtschaftsbeziehungen, die Gespräche mit den „Vertretern der Institutionen“, wie die verhasste Troika jetzt auf Athens Wunsch hin genannt wird. Varoufakis behält zwar pro forma die Oberaufsicht und genießt weiter das Vertrauen des Premiers, so wird versichert. Er tritt aber ins zweite Glied zurück.

Im Gegensatz zu dem als selbstgerecht und streitsüchtig geltenden Varoufakis wird von Tsakalotos ein verbindlicheres Auftreten erwartet. Der in Rotterdam geborene Ökonom, der in Oxford studiert und an der Universität von Kent gelehrt hat, gibt sich trotz seiner 54 Jahre betont jugendlich. Anders als Varoufakis tritt er jedoch zurückhaltend auf.

Als Ökonom mit internationaler Erfahrung ist Tsakalotos für die neue Rolle qualifiziert. Seit 1994 forschte er an der Athener Wirtschaftshochschule, 2010 wurde er von der Universität Athen zum Wirtschaftsprofessor berufen. Anders als der Außenseiter Varoufakis ist Tsakalotos fest in der Regierungspartei verwurzelt: Er gehört dem Zentralkomitee des Linksbündnisses Syriza an und bezeichnet sich selbst als Marxist, gilt aber zugleich in ökonomischen Fragen als Realist und als Befürworter des Euro.

Kein echter Kurswechsel

Wenn auch die Verhandlungen künftig wohl in freundlicherem Ton geführt werden, so ist doch kein grundsätzlicher Kurswechsel zu erwarten. Entscheidend wird sein, dass beide Seiten, die bisher meist aneinander vorbeiredeten, endlich zueinander finden. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Für die Renten und Gehälter im öffentlichen Dienst, die in dieser und in der nächsten Woche fällig werden, dürften die Mittel zwar noch reichen. Aber wo Varoufakis im Mai die knapp 1,1 Milliarden Euro für Zinsen und die Tilgung fälliger Kredite hernehmen soll, ist unklar. Nur wenn die Verhandlungen mit den „Institutionen“ endlich vorankommen, kann Griechenland mit weiteren Hilfen rechnen.

Da mutet es wie Verzweiflung an, dass Varoufakis nun griechische Steuersünder amnestieren, so ihr Schwarzgeld durch eine einmalige Abgabe legalisieren will. Experten schätzen auf Konten in der Schweiz rund 80 Milliarden griechischer Euro, zwei Drittel unversteuert.

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