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Klimademonstration

Aktivistin von „Fridays for Future“: „Die Streiks sind notwendig“

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die „Fridays for Future“-Bewegung wurde von der Pandemie ausgebremst – nun geht es weiter. Aktivistin Carla Reemtsma über die Klimaproteste heute und die Bundestagswahl.

  • Die „Fridays for Future“-Bewegung will im Super-Wahljahr 2021 besonders viel demonstrieren.
  • Zu einer Partei will sich die Aktivistin Carla Reemtsma nicht bekennen.
  • Keine Partei habe ein Wahlprogramm, das zu einem am Pariser Klimaabkommen orientierten Koalitionsvertrag führen könnte.

Die „Fridays for Future“-Bewegung meldet sich zurück - mit dem siebten internationalen Streiktag. Aktivistin Carla Reemtsma sagt: Die Politik verschleppt das Klima-Thema.

Frau Reemtsma, macht das Format Klimastreik in Corona-Zeiten überhaupt Sinn?

Natürlich. Die CO2-Emissionen liegen jetzt schon wieder höher als vor der Pandemie. Nötige klimapolitische Maßnahmen werden verschleppt. Es wurde ein Kohlegesetz verabschiedet, das den Ausstieg bis 2038 verzögert, die Konjunkturpakete lassen 27 Milliarden Euro in fossile Technologien fließen, und der Ausbau der erneuerbaren Energien dümpelt vor sich hin. Wir fordern stattdessen eine klimagerechte Krisenbewältigung.

Politische Wucht wie 2019 hat Ihre Bewegung nicht mehr …

Die Corona-Themen bestimmen derzeit die Politik und unseren Alltag. Trotzdem ist Klima auch nach einem Jahr Pandemie gesellschaftlich eine zentrale Herausforderung. Das hat man gerade bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gesehen. In den Nachwahl-Umfragen war Klima ganz vorne bei den wichtigen Themen dabei.

Klimastreik im September 2020 in Berlin.

„Fridays for Future“: Bewegung habe sich schon vor Corona verändert

Muss sich die Fridays-Bewegung nicht sowieso neu erfinden? Die Dauerstreiks hätten sich doch totgelaufen.

Wir haben uns ja längst weiterentwickelt, schon vor Corona. Unsere Aktionen sind vielfältiger geworden, und wir arbeiten eng mit Wissenschaftlern und Gewerkschaften zusammen, um klimagerechte Transformation überall sichtbar zu machen

Keine Sorge, dass sich Corona-Resignation breit macht?

Es ist für alle hart. Home-Schooling, Online-Studium, weggebrochene Nebenjobs, alles nervt. Aber bei FFF aktiv sein zu können, gibt ja auch eine Perspektive: Man muss nicht nur tatenlos zuschauen, man kann etwas tun.

Deutschland hat sein Klimaziel für 2020 nun doch geschafft. Selbst ohne die Folgen der Corona-Lockdowns hätte es fast dafür gereicht. Die Klimapolitik ist wohl doch nicht so schlecht wie Sie behaupten?

Die Bundesregierung feiert sich für etwas, bei dem es nichts zu feiern gibt. Wahr ist: Dank Corona hat sie ein Klimaziel erreicht, das zu schwach ist, um die Vorgaben des Pariser Klimavertrags zu erfüllen, den sie selbst unterschrieben hat.

Zur Person

Carla Reemtsma ist eine der Gründer:innen der „Fridays for Future“-Bewegung in Deutschland. Die 22-Jährige ist in Berlin aufgewachsen und studiert Politik und Wirtschaft, nach Münster nun in Berlin. Sie ist Jugendbotschafterin für die internationale Organisation ONE, die sich gegen extreme Armut in Afrika einsetzt. jw

Klimapolitik nach „Fridays for Future“: 1,5-Grad-Limit als Maßstadt

Welche Themen wollen Sie im Bundestagswahljahr spielen?

Wir brauchen parteiübergreifende Mehrheiten für eine Politik, die das 1,5-Grad-Limit zum Maßstab nimmt und uns in eine klimagerechte, krisenfeste Zukunft führt. Dazu gehören vor allem eine echte Verkehrswende statt nur der Förderung von E-Antrieben sowie ein massiver Ausbau der Ökoenergien statt des Umstiegs in die angebliche Brückentechnologie Erdgas.

Sprechen Sie sich für bestimmte Parteien aus? Die Grünen zum Beispiel?

Nein.

Die SPD hat gerade die Gespräche mit der Union über den Ökostrom-Ausbau gestoppt. Sie fordert Aufklärung über mögliche Lobbyverstrickungen der beteiligten CDU-/CSU-Abgeordneten. Ein richtiger Schritt?

Das aufzuklären, ist nun wirklich überfällig. Die NGO Lobbycontrol hat gerade auf die Verbindungen der Industrie zum einflussreichen CDU-Wirtschaftsrat hingewiesen, der Klimaschutz verhindert.

„Fridays for Future“: Keine Partei entspricht den eigenen Forderungen für Klimapolitik

Selbst die Grünen unterschreiben nicht alle Ihre Forderungen, so der Umstieg auf 100 Prozent Ökoenergie bis 2035 …

Unsere Forderungen stehen, sie sind aus der Klimaforschung abgeleitet und zeigen auf, was nötig wäre, um als Deutschland einen gerechten Beitrag zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze zu leisten.

Aktivistin Carla Reemtsma.

Sagen Sie: Welche Koalition wäre die beste?

Wir lassen uns nicht auf Farbspiele ein. Stand heute hat keine einzige Partei ein 1,5-Grad-konformes Wahlprogramm, so dass jede Grundlage für einen an Paris orientierten Koalitionsvertrag fehlt. Deswegen protestieren wir ja auch im Wahljahr besonders.

Interview: Joachim Wille

Rubriklistenbild: © dpa

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