Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kredite

Die Staaten gehen in die Vollen

  • VonStephan Kaufmann
    schließen

Mit Rekordschulden versuchen Regierungen, den Einbruch der Wirtschaftsleistung in Folge der Pandemie zu bremsen. Auch die Verbindlichkeiten von Unternehmen und privaten Haushalten steigen kräftig.

Eine erste Rechnung der Corona-Pandemie liegt vor: Um den Einbruch der privaten Wirtschaftstätigkeit zu verlangsamen, nahmen Staaten im vergangenen Jahr massiv neue Kredite auf, sie liehen sich zwölf Billionen Dollar. Auch die Schulden von Unternehmen und privaten Haushalten legten zu. Das Ergebnis: Die weltweiten Schulden stiegen 2020 auf 281 Billionen Dollar, errechnet das globale Bankeninstitut IIF. Dies entsprach einem Zuwachs von etwa 24 Billionen – oder mehr als einem Viertel des gesamten Zuwachses von 88 Billionen im vorangegangenen Jahrzehnt.

Beeindruckend ist der Anstieg nicht nur in Dollar, sondern auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Laut IIF lag die Gesamtverschuldung der Welt 1997 noch bei 256 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zehn Jahre später waren 359 Prozent erreicht. Das Pandemiejahr schließlich brachte einen Anstieg von 382 Prozent auf knapp 420 Prozent.

Damit war der Zuwachs deutlich größer als der im Zuge der globalen Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009, als die globale Schuldenquote nur um zehn und 15 Prozentpunkte stieg.

Die Schulden steigen langfristig, gleichzeitig lässt das Wirtschaftswachstum in der Tendenz nach. Das bedeutet: Die globale Wirtschaftsleistung und ihr Wachstum sind mit immer größeren Krediten „gehebelt“ oder anders: Um ein Prozentpunkt Wachstum zu erzielen, sind immer mehr Schulden nötig.

Die höchsten Außenstände unter den Regierungen haben jene der etablierten Industrienationen. Ihre Schulden stiegen im vergangenen Jahr von 110 auf 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Im Vorjahr der Finanzkrise 2007 stand die Staatsschuld der USA noch lediglich bei 62 Prozent des BIP, in Ländern wie Großbritannien und Frankreich waren die Werte mit 41 und 67 Prozent weit niedriger als heute. Ein Sonderfall ist China. Dort liegt die staatliche Schuldenquote mit 65 Prozent noch relativ niedrig. Dort jedoch schulterte der Unternehmenssektor die Schuldenlast, sie stieg 2020 von 149 auf 165 Prozent des BIP, ein international gesehen hoher Wert.

Angetrieben durch das weiter schwache Wachstum und die niedrigen Zinsen dürfte der Schuldenberg im laufenden Jahr weiter wachsen. Auf ihrem jüngsten Treffen haben die Regierungen der G7-Staaten zugesagt, ihre Ökonomien weiter zu stützen, „um Arbeitsplätze zu sichern und eine starke, nachhaltige und gleichgewichtige Erholung zu erzielen“. Die EU hat ihren milliardenschweren Wiederaufbaufonds aufgelegt, die USA planen ein 1,9-Billionen-Dollar schweres Konjunkturprogramm. In Deutschland dürften viele der 2020 in Aussicht gestellten Staatshilfen erst dieses Jahr ausgezahlt werden. Und die Regierung in Peking hat vorerst ihr Ziel aufgegeben, die hohe Verschuldung des Unternehmenssektors zurückzufahren.

Das IIF rechnet daher bei den globalen Staatsschulden mit einem weiteren Plus von zehn Billionen Dollar. Ein Ausstieg aus dieser Strategie staatlicher Wirtschaftsförderung dürfte laut IIF schwierig werden. Zum einen sei diese Strategie zwar erfolgreich gewesen: „Staatsgarantien und Schuldenerleichterungen haben Unternehmensinsolvenzen verhindert.“ Ein vorzeitiges Ende der Unterstützung könnte einen Anstieg der Pleiten nach sich ziehen und damit einen Zuwachs fauler Kredite in den Büchern der Banken. Auf der anderen Seite aber drohten bei fortwährender Unterstützung andere systemische Risiken, nämlich „mehr Schuldenakkumulation durch die schwächsten und am höchsten verschuldeten Unternehmen“ und damit der dauerhafte Erhalt unprofitabler Unternehmen – so genannter „Zombies“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare