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Viele neue und sehr teure Wohnungen gibt es im Frankfurter Europaviertel.
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Viele neue und sehr teure Wohnungen gibt es im Frankfurter Europaviertel.

Steigende Immobilienpreise

Die Spekulationsökonomie

  • VonStephan Kaufmann
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Überall in der Welt steigen die Preise für Immobilien. Kaufen und Mieten wird für viele Menschen unerschwinglich. Der Druck auf die Politik wächst.

In Berlin wird um die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen gestritten. In China lässt die Quasi-Pleite eines Immobilienentwicklers Börsenkurse abstürzen. In den USA sind Häuser wieder deutlich teurer als am Vorabend der großen Finanzkrise. Die Spekulation mit Haus und Hof macht weltweit Wohnungen unerschwinglich, sie führt zu politischen Krisen – und bringt so eine Verteilungsfrage auf den Tisch.

Laut Industrieländerorganisation OECD geht es mit den Hauspreisen seit 2012 stetig bergauf, in einigen Regionen stärker, in anderen schwächer. Auch in der Pandemie sind Immobilien immer teurer geworden, die OECD diagnostiziert hier die „stärksten Jahreswachstumsraten seit zwei Jahrzehnten“. Und das, obwohl die Weltwirtschaft während Corona durch ihre schwerste Krise ging.

Der Auftrieb hat zwei wesentliche Treiber. Zum einen ist das Wohnungsangebot vielerorts knapp. Das verschärft die Konkurrenz der Käufer:innen und Mieter:innen und ermöglicht den Eigentümer:innen Preisaufschläge. Wichtiger aber ist das niedrige Zinsniveau: Wegen der Krise haben die Zentralbanken die Zinsen immer tiefer gedrückt, um die Konjunktur und Verschuldungsfähigkeit der Staaten zu schützen. Das nützt Kreditnehmer:innen, Kreditgeber dagegen machen mit dem Geldverleih kaum noch Rendite.

Große soziale Folgen

Nach den Gesetzen der Spekulation verlegen sich die Investoren daher auf andere Bereiche. Massen an Kapital fließen in Immobilien, aber auch in Aktien, Rohstoffe oder Kryptowährungen wie Bitcoin. „Die Welt ist eindeutig zu einer ‚Spekulationsökonomie‘ geworden“, kommentiert Patrick Artus von der französischen Bank Natixis. Gelder flössen in „sinnlose Verwendungen“, was dort zu starken Schwankungen führe.

Was Bitcoin und Aktien allerdings von Immobilien unterscheidet: Man braucht erstere nicht unbedingt. Während der Börsenboom die Anlegerinnen und Anleger erfreut oder besorgt, haben höhere Hauspreise soziale Folgen. Zum Beispiel in Europa. Mit einem Plus von rund sechs Prozent stieg dort der Hauspreisindex im ersten Quartal 2021 so stark wie zuletzt 2006, berichtet das Statistikamt Eurostat. Insbesondere Immobilien in einigen Kernländern wie Deutschland, Österreich und den Niederlanden seien „inzwischen sehr hoch bewertet“, so die Commerzbank.

Durch die Decke

Der Preisanstieg bei Wohnimmobilien in Deutschland hat sich beschleunigt. Nach vorläufigen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes lag der sogenannte Häuserpreisindex im zweiten Quartal um 10,9 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Es war der stärkste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000, wie die Wiesbadener Behörde am Freitag mitteilte.

Immobilienkäufer:innen mussten sowohl in den Städten als auch in ländlichen Regionen deutlich mehr zahlen als im zweiten Quartal 2020. Besonders stark verteuerten sich Wohnimmobilien erneut in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Ein- und Zweifamilienhäuser kosteten dort im Schnitt 14,7 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen um 12,9 Prozent. In den Werten sind die Nebenkosten eines Immobilienkaufs, zum Beispiel Maklerkosten, nicht abgebildet. dpa

Auch in den USA steige das Risiko einer neuen Preisblase. Der Hochpunkt im Zuge der Immobilienblase 2005/2006 ist bereits 2016 wieder überschritten worden. Im Juni verzeichnete der Case-Shiller-Hauspreisindex für 20 Metropolregionen ein Rekordwachstum von 19 Prozent. „Zuletzt lag der von der staatlichen Immobilienfinanzierungsagentur FHFA erhobene nationale Hauspreisindex um 49 Prozent über dem Durchschnitt von 2006“, so die Commerzbank.

Schwedische Regierung scheiterte an dem Thema

Dies habe „dazu geführt, dass für die Amerikaner aktuell eher ein schlechter Zeitpunkt für den Immobilienkauf ist“. Und das bedeutet: Der Erwerb von Wohnungen und Häusern wird zunehmend unerschwinglich, insbesondere für die jüngere Generation, und die Mieten steigen. Denn höhere Immobilienpreise bedeuten für die Käufer:innen einen höheren Kapitalvorschuss, der einen höheren Mietzins verlangt, damit die Rendite stimmt.

Das hat politische Auswirkungen, nicht nur in den USA: In Schweden brach im Juni die Regierung auseinander, nachdem sie angekündigt hatte, geltende Mietkontrollen außer Kraft zu setzen. In Südkorea erlitt die regierende Partei in Regionalwahlen deutliche Verluste – seit Regierungsantritt 2017 hatte sich der Durchschnittspreis für ein Appartement in der Hauptstadt Seoul fast verdoppelt. Anthony Breach von der britischen Denkfabrik CentreForCities sieht in der „Wohnungsarmut“ einen wesentlichen Grund, aus dem viele Britinnen und Briten für den Austritt aus der EU gestimmt haben.

Die Politik verfällt nun in hektische Betriebsamkeit. China hat die Spekulation im Immobiliensektor eingeschränkt. Kanadas Regierung hat eine Sperre für ausländische Investoren versprochen. Andernorts werden Mietobergrenzen eingezogen oder leerstehende Büros in Wohnungen umgewandelt. Und in Berlin wird Vergesellschaftung gefordert.

„Mehr Wohneigentum und Aktiensparen für alle!“

Zwar profitieren auch kleine Immobilieneigentümer:innen vom Preishoch. Zudem können sich Gutverdiener:innen weiter den Erwerb von Eigentum oder hohe Mieten leisten. Aber viele eben nicht. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut DIW muss rund die Hälfte aller 8,4 Millionen Haushalte, die in Deutschlands Großstädten zur Miete wohnen, mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben, um ihre Bruttowarmmiete zu bezahlen. Angesichts der hohen Preise für Grund und Boden und der Renditeerwartungen der Investoren ist es unwahrscheinlich, dass allein der Markt dieses Problem durch mehr Neubau lösen wird.

„Häuser und Aktien werden immer wertvoller“, schreibt FDP-Politiker Marco Buschmann auf Twitter und rät: „Daher mehr Wohneigentum und Aktiensparen für alle!“ Das sagt sich so leicht. Denn im Grunde ist die Wohnungsfrage bloß ein Teil einer umfassenden Verteilungsfrage. „Wer die Bindungskraft der Sozialen Marktwirtschaft ernsthaft wiederherstellen möchte, muss die Wirtschaft stärker an menschlichen Bedürfnissen ausrichten sowie den Fluss der Umverteilung von unten nach oben stoppen und umkehren, im Rentensystem, in der Lohnquote, im Steuersystem, in der Gewinnverteilung. Und eben auch im Mietensektor, indem Vergesellschaftungen die Profitorientierung ersetzen durch Orientierung am Gemeinwohl“, wirbt der Wirtschaftshistoriker Uwe Fuhrmann auf dem Internet-Portal Makronom für „Deutsche Wohnen & Co enteignen“.

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