Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kind holt eine Packung Süßigkeiten aus dem Schrank.
+
Kinder und Jugenliche essen laut Foodwatch etwa doppelt so viele Süßwaren, wie empfohlen.

Gesundheit

Zuckersteuer oder Nutri-Score: Die Lebensmittelindustrie ist bei gesunder Ernährung keine Hilfe

Wenn es um den Kampf gegen Diabetes und Adipositas geht, ist die Lebensmittelindustrie keine verlässliche Partnerin findet Oliver Huizinga von Foodwatch.

Die Relevanz des Problems ungesunder Ernährung wird massiv unterschätzt. Kinder und Jugendliche essen etwa doppelt so viele Süßwaren, aber nur halb so viel Obst und Gemüse wie empfohlen. Nur etwa ein Prozent der Erwachsenen isst so, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Mehr als jede:r Zweite ist übergewichtig, geschätzt zehn Millionen Menschen sind an Diabetes erkrankt. Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind 19 Prozent aller Todesfälle in Deutschland auf ungesunde Ernährung zurückzuführen – mehr als auf Tabakkonsum, dort sind es 15 Prozent. Zwar wird mittlerweile mehr darüber gesprochen. Aber die Politik lässt sich sehr stark von der Ernährungsindustrie instrumentalisieren. Die Bundesregierung setzt voll und ganz auf die unzureichende Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung: Sie holt die Unternehmen an den Tisch, um zusammen Antworten auf die Adipositas-Epidemie zu finden. Das ist der falsche Weg. Tabak-Präventionsprogramme entwickelt man auch nicht gemeinsam mit Philip Morris.

Der Autor

Oliver Huizinga leitet die Abteilung Recherche und Kampagnen bei der Verbraucher-Organisation Foodwatch.

Die künftige Bundesregierung muss sich aus unserer Sicht lösen von dem Dogma, bloß keine verpflichtenden Vorgaben für die Wirtschaft zu machen. Stattdessen muss sie verbindliche Maßnahmen gegen die Adipositas-Epidemie treffen, so wie es in anderen Ländern längst gemacht wird. Erstens muss es eine gesetzliche Beschränkung der an Kinder gerichtete Werbung geben, so wie in Chile; nur noch ausgewogene Produkte dürfen mit Comicfiguren, Spielzeug oder Idolen von Kindern beworben werden. Das empfiehlt auch die Weltgesundheitsorganisation schon seit vielen Jahren. Denn das Marketing für Kinder prägt nachweislich ihre Vorlieben, ihr Einkaufsverhalten mit dem Taschengeld und ihr Essverhalten. Zweitens muss die Regierung eine Zuckersteuer auf Getränke einführen, so wie in Großbritannien. Dort ist der Effekt sehr gut zu sehen: Die Hersteller reduzieren den Zuckergehalt, damit sie die Steuer nicht zahlen müssen; Getränke, deren Rezepturen nicht geändert werden, werden teurer und werden seltener konsumiert. Drittens muss sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel, der Nutri-Score, EU-weit verbindlich wird.

Im Idealfall sieht die Politik die Ernährungsindustrie nicht mehr als Partnerin im Kampf gegen die Adipositas-Epidemie, nicht mehr als Teil der Lösung – sondern sie erkennt sie als Kern des Problems. Dann sind im Supermarkt gesunde und ungesunde Produkte auf einen Blick erkennbar. Die Verfügbarkeit von ausgewogenen Produkten ist immer und überall zu günstigen Preisen sichergestellt. So stellen wir uns eine Zukunft vor, in der es leicht ist, sich gesund zu ernähren. Natürlich möchte niemand Süßigkeiten verbieten, jede:r darf und soll frei entscheiden können, sie zu essen. Im Moment ist das allerdings oft keine freie Entscheidung – weil der Einfluss von Werbung, die Verschleierung der Inhaltsstoffe und die allgemeine Süßprägung das unmöglich machen.

Aufgezeichnet von Ruth Herberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare