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Kein Casino mehr

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Von: Nina Luttmer

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Vorstellung der Jahresbilanz 2021 der Deutschen Bank: Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender, spricht zum Publikum. Die Deutsche Bank fuhr mit einem Milliardengewinn 2021 das beste Ergebnis seit zehn Jahren ein.
Vorstellung der Jahresbilanz 2021 der Deutschen Bank: Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender, spricht zum Publikum. Die Deutsche Bank fuhr mit einem Milliardengewinn 2021 das beste Ergebnis seit zehn Jahren ein. © Mario Andreya/dpa

Die Deutsche Bank wird immer vom Investmentbanking abhängig sein. Und das muss auch nicht schlimm sein. Ein Kommentar.

Die Idee ist bei der Deutschen Bank schon lange da: Die als stabil geltenden Geschäftsfelder wie das Privatkunden- und Unternehmenskundengeschäft sollen gestärkt und das schwankungs- und krisenanfällige Investmentbanking zurückgedrängt werden. Schon im Jahr 2011 sagte der damalige Bankchef Josef Ackermann, dass diese soliden Geschäftfelder binnen drei Jahren genau so viel zum Vorsteuerergebnis der Bank beitragen sollten wie die Investmentbank. Geworden ist daraus, wie wir wissen, nichts.

Auch der seit 2018 amtierende Institutschef Christian Sewing wollte die stabilen Geschäftsfelder pushen, wie er 2019 versprach. Doch die absolute Übermacht des Investmentbankings bleibt bis heute bestehen. Die Deutsche Bank wird auch in Zukunft in starkem Maße eine Investmentbank bleiben - und es ist offenkundig Zeit, dass die Öffentlichkeit, und auch die Bank selbst, ihren Frieden damit macht.

Das ist allerdings nicht so leicht. Die Finanzkrise ab 2007 hat die Menschen geprägt. Die Investmentbanker:innen haben mit Gier, Maßlosigkeit, üblen Tricks - und dazu noch einer horrenden Bezahlung - den Argwohn und die Wut der Menschen auf der ganzen Welt auf sich gezogen. Und die Deutsche Bank war immer mittendrin, sie ließ so ziemlich keinen Skandal aus und ruinierte damit ihre Reputation.

Für viele Menschen ist das Investmentbanking daher bis heute Teufelszeug, ein reines Casino – und die Deutsche Bank weiterhin ein fragwürdiges Institut. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis sich das ändert.

Dabei hat das Investmentbanking natürlich viele Facetten. Und Tatsache ist: Unternehmen benötigen Banken, die sie etwa bei Fusionen und Übernahmen begleiten, Absicherungsgeschäfte für sie tätigen und Anleihehandel betreiben. Außer der Deutschen Bank haben sie dafür in Deutschland nicht mehr viele Ansprechpartner unter den Finanzinstituten.

Die Deutsche Bank wird immer vom Investmentbanking abhängig sein, das ist inzwischen klar. Hält sie aber ihr Versprechen, dass die Zeiten des Casino-Bankings vorbei sind, dann ist das auch nicht problematisch.

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