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Die Kohle reicht

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Von: Joachim Wille

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In Luetzerath, einem Ortsteil der Stadt Erkelenz am Rand des Tagebaus, stehen nur noch wenige Gebäude.
In Luetzerath, einem Ortsteil der Stadt Erkelenz am Rand des Tagebaus, stehen nur noch wenige Gebäude. © epd

RWE kann trotz Gaskrise auf den Abbruch des Dorfes Lützerath verzichten. Das haben Fachleute errechnet.

Mehrere abgeschaltete Kohlekraftwerke sollen wegen der Gaskrise vorübergehend reaktiviert werden. Darunter sind auch Braunkohleblöcke, die aus dem Rheinland respektive Ostdeutschland beliefert werden. Umstritten ist vor allem der Abbau in der Garzweiler-II-Grube, dem unter anderem das Dorf Lützerath zum Opfer fallen würde. Eine neue Untersuchung hält das für unnötig. Der Energiekonzern RWE aber will an dem Plan festhalten.

Es gebe keine „energiewirtschaftliche Notwendigkeit für die Inanspruchnahme weiterer Dörfer und Höfe am Tagebau Garzweiler II“, urteilt die „Coal Exit Research Group“, der Fachleute des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der TU Berlin und der Europa-Universität Flensburg angehören. Ihre Studie kommt zu dem Ergebnis, dass im aktuellen Abbaubereich bereits deutlich höhere Kohlemengen genehmigt sind, als zur Sicherung der Energieversorgung bis 2030 benötigt werden. Daher gebe es auch keine energiewirtschaftliche Rechtfertigung zur Genehmigung neuer, über den Bereich des aktuellen Hauptbetriebsplans hinausgehender Abbauflächen.

Das Team geht in der Analyse von dem im Osterpaket der Bundesregierung beschlossene Ausbaupfad für erneuerbare Energien und dem im schwarz-grünen NRW-Koalitionsvertrag angekündigten Kohleausstieg bis 2030 aus. Außerdem wird eine hohe Auslastung der Kohlekraftwerke in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts angenommen.

Bagger laufen weiter

Laut Studie besteht bis zum Ende der Kohleverstromung in NRW ein maximaler Kohlebedarf von 271 Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Tagebaukomplex Hambach/Garzweiler II. In den genehmigten Bereichen seien aber noch 300 Millionen Tonnen förderbar, ohne dass Lützerath beseitigt werden müsse. Die Autor:innen weisen zudem darauf hin, dass sogar nur noch 40 Millionen Tonnen verbrannt werden dürften, wenn die Politik sich am 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimavertrages orientiert.

CDU und Grüne hatten sich in ihrem Vertrag auf ein vorgezogenes Aus für die Kohle bis 2030 geeinigt. Daran will die Koalition festhalten und eine neue „Leitentscheidung“ erarbeiten. In dem von Mona Neubaur (Grüne) geführten Wirtschaftsministerium heißt es, die RWE Power AG habe zwar das Recht, alle Flächen im derzeit genehmigten Bereich zu nutzen, doch solle der weitere Flächenbedarf auf ein Minimum begrenzt werden.

Der Konzern betonte, er verfüge über alle Genehmigungen zur planmäßigen Fortführung des Tagebaus Garzweiler. Erst Ende Juni hatte er erklärt, man werde auf den Abbau unter Lützerath nicht verzichten.

Die Organisationen BUND, Greenpeace, Klima-Allianz Deutschland und „Alle Dörfer bleiben“ forderten Neubaur auf, mit RWE den Erhalt von Lützerath zu vereinbaren und den bereits vom Konzern gestellten Antrag auf neue Abbauflächen abzulehnen.

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