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Cannabis - Heilpflanze mit schlechtem Image. afp
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Cannabis - Heilpflanze mit schlechtem Image. afp

Cannabis

„Die Hemmschwelle ist groß“

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Jungunternehmer Linus Weber über den Handel mit medizinischem Cannabis, die Zurückhaltung von Ärztinnen und Ärzten sowie zweifelhafte Lifestyle-Produkte.

Mit seiner Firma Nimbus Health aus Frankfurt will Linus Weber den deutschen Cannabis-Markt für Medizin-Produkte voranbringen und eine Plattform für Ärzte und Apotheker sein. Sein Unternehmen besitzt eine Großhandelslizenz für Cannabis und vertreibt die Produkte aus dem Ausland an Ärzte und Apotheken in ganz Deutschland. Weber sieht viel medizinisches Potenzial in der Hanfpflanze und findet es gibt noch zu viele Hürden und Vorurteile, gerne würde er Cannabis vom negativen Image der Rauschdroge befreien.

Herr Weber, seit drei Jahren dürfen Ärzte und Ärztinnen hierzulande Cannabis auf Rezept verordnen, doch die Verschreibung läuft zögerlich. Sind die Mediziner:innen noch skeptisch?

Das ist sehr unterschiedlich. Eine große Zahl an Ärzten und Ärztinnen hat Interesse, aber weiß nicht genau, wie sie die Produkte verschreiben soll. Und die Hemmschwelle ist groß. Diese wollen wir gemeinsam mit Händlern runterfahren. Es gibt bereits Expertenteams bei Apotheken, die sich damit gut auskennen. Ich denke, die Akzeptanz wird immer größer. Ein Arzt hat mir etwa erzählt, dass er am Anfang gar nichts davon gehalten hat und mittlerweile überzeugter ist.

Was sind die Hürden in Deutschland?

Zunächst müssen die Patienten einen Arzt finden, der Cannabis verschreibt, das sind bislang gerade mal knapp 250 regelmäßige Verschreiber würde ich schätzen. Den Ärzten fehlt der Zugang zu Informationen und Erfahrungswerten. Für die Therapieform gibt es noch kaum Studien in Deutschland. Im Moment ist zudem der Aufwand, den ein Arzt betreiben muss, unverhältnismäßig groß im Vergleich zu anderen Behandlungen. Viele Anträge werden auch wegen Formfehlern bei den Kassen abgelehnt. Das Modell muss hier vereinfacht werden.

Was können Sie mit Ihrer Firma beitragen um zu überzeugen?

Unsere Partner, von denen wir unsere Produkte beziehen, etwa aus Australien oder Israel, sind schon lange im Geschäft. Sie können mit Studien, Patientenbeispielen und Erfahrungswerten aufwarten. Man müsste tiefer reingehen in die Auswertung der Daten, zusammen mit der Bundesregierung. Dafür haben wir staatliche Förderung beantragt.

Hat medizinisches Cannabis es auch schwer, weil viele das Image einer illegalen Rauschdroge vor Augen haben?

Ich denke schon, dass es diese Stigmatisierung noch gibt. Manche haben die Vorstellung vieler Nebenwirkungen oder dass man abrutscht. Dabei haben mehr als 60 Prozent der Patienten in Deutschland laut Studien keine Nebenwirkungen. Einige berichten von Müdigkeit, Mundtrockenheit oder Schwindel.

Kann jeder Patient Cannabis bekommen?

Theoretisch ja, in der Praxis ist es noch nicht so einfach. Damit die Kosten übernommen werden, muss der Patient einen Antrag bei seiner Krankenkasse stellen. Ob dieser angenommen wird, schwankt von Kasse zu Kasse, manche lehnen 30 Prozent der Anträge ab, andere aber auch bis zu 50 Prozent. Meist wird nur bei schweren Krankheiten zugestimmt, bei denen vorher schon andere Therapien ausprobiert worden sind. Bislang vor allem bei chronischen Schmerzen, neurologischen Erkrankungen, Multipler Sklerose und bei Depressionen.

Momentan scheinen an jeder Ecke Läden aus dem Boden zu sprießen, die Öle, Cremes und Sprays mit Cannabidiol (CBD) verkaufen, hilft Ihnen das?

Dieser Hype ist für uns eher hinderlich. CBD ist ein interessanter Stoff, er ist ja auch in unseren Arzneien. Frei verkäuflich sollte er jedoch nicht sein. Er muss kontrolliert angebaut werden, und gewisse Qualitätsstandards erfüllen. Viele Produkte sind nicht getestet und die Kontrolle schwierig. Das ist der falsche Weg. Cannabis ist ein pharmazeutisches Mittel und kein Lifestyle-Produkt oder Nahrungsergänzungsmittel. Denn es wirkt im zentralen Nervensystem. Die Ausgabe darf nur staatlich und von einer gewissen Zunft, also von Apotheken erfolgen.

Interview: Judith Köneke

Linus Weber , Gründer von Nimbus Health,

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