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Die Heizung im Fokus

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Im Bad hat man es gerne schön warm – doch der Heizkörper muss nicht immer auf „4“ oder „5“ stehe
Ein Heizungstausch ist auch im Winter möglich. © PantherMedia / Péter Gudella

Bei dieser FR-Telefonaktion erklären Fachleute unseren Leserinnen und Lesern, wie sie energetische Sanierungen am besten angehen. Mit dabei sind Frank Preussner, Finanzierungsexperte vom Verband der Privaten Bausparkassen, Michael Mogilowski, Architekt der Architektenkammer Hessen und Markus Hohmann, Energieberater der Landes-Energie-Agentur Hessen.

Lohnt sich eine neue Haustechnik überhaupt?

Neue Haustechnik oder eine energetische Gebäudesanierung kosten selbstverständlich Geld. Wie hoch die Kosten sind, hängt vom jeweiligen Gebäude und den eingesetzten Techniken ab. Sanierungsmaßnahmen sollten sich grundsätzlich an den Lebenszyklen der Bauteile orientieren. Um Einspareffekte zu benennen und sinnvolle Sanierungsmaßnahmen zu entwickeln, sollte vor Beginn der Planungen eine Fachberatung in Anspruch genommen werden.

Ich möchte die Heizung in meinem Haus auf erneuerbare Energieträger umstellen. Gibt es dafür eine Förderung?

Wenn Sie eine neue, regenerative Heizung installieren, können Sie Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beantragen. Auch die KFW-Bank hält zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse bereit. Wenn Ihre energetische Sanierung umfassender ist, bietet sich auch bzw. zusätzlich ein Bausparvertrag an.

Gibt es auch staatliche Förderung für Smart Home?

Ein interaktives Haus wird von der KFW zum Beispiel im Rahmen des Einbruchsschutzes sowie als Assistenzsystem beim altersgerechten Umbau gefördert. Inwieweit „KFW-Fördertöpfe“ gekoppelt werden können, sagen Ihnen die Berater:innen Ihrer Hausbank oder Bausparkasse, über die auch die Anträge gestellt werden. Auskünfte zu einem Darlehen erhalten Sie ebenfalls dort, denn alleine der Einbruchschutz kostet durchaus sein Geld.

Unser Haus benötigt eine neue Heizung. Allerdings zögern wir noch, da man immer wieder hört, dass sich Sanierungen nicht rechnen. Was empfehlen Sie uns?

Der Austausch einer alten, ineffizienten Heizung kann nicht zuletzt durch die Bafa-Förderung von bis zu 45 Prozent durchaus lohnenswert sein. Wichtig: Achten Sie beim Einbau und Anschluss der Anlage auf die sorgfältige Planung und eine saubere Bauausführung, um zu vermeiden, dass die Anlage über- oder unterdimensioniert ist. Beziehen Sie die voraussichtliche Nutzungsdauer in Ihre Kalkulation mit ein.

Unsere alte Öl-Heizung ist fast 30 Jahre alt. Wir wollen sie austauschen und interessieren uns für eine Gasbrennwerttherme oder eine Wärmepumpe, in Kombination mit Solarthermie. Was kostet das?

Das lässt sich von hier aus leider nicht seriös beziffern. Wenn Ihre Heizung bereits rund 30 Jahre alt ist, dann wird Ihr Haus vermutlich ebenfalls älteren Datums sein. Der Einbau einer Wärmepumpe in ältere Häuser ist aus baulichen Gründen meist nicht ratsam. Eine Gasheizung aus aktuellen Gründen ebenfalls nicht. Gegebenenfalls bietet sich in Ihrem Fall die relativ preiswerte Optimierung der Ölheizung als Übergangslösung an. Nehmen Sie am besten mit einer Energieberatung Kontakt auf, die Ihnen auch bei der Dämmung Ihres Hauses weiterhelfen kann und die voraussichtliche Nutzungsdauer in ihre Berechnungen einbezieht.

Im Frühjahr haben wir unsere alten Holzfenster ausgetauscht. Nun ist unsere Heizung kaputt. Wie erhalten wir das hierfür notwendige Kapital?

Fragen Sie bei Ihrer Bausparkasse oder Hausbank zum Beispiel nach einem Sofortdarlehen, das Sie für den Austausch der Heizung einsetzen können.

Ist eine Modernisierung der Heizung auch im Winter möglich?

Man kann den Heizungswechsel auch während der Heizperiode durchführen, ohne dass Sie frieren müssen. Auch die Warmwasserversorgung wird nur für kurze Zeit unterbrochen.

Wir möchten auf erneuerbare Energien setzen. Wäre eine Wärmepumpe für uns geeignet und was kostet das?

Besonders gut geeignet sind Wärmepumpen für Gebäude mit einem Heizleistungsbedarf unter zehn Kilowatt. Diesen Bedarf haben beispielsweise Neubauten. Eine Luftwärmepumpe kostete bislang etwa 12 000 Euro, eine Erdwärmepumpe bisher bis zu 25 000 Euro. Die Preise tendieren seit geraumer Zeit allerdings stark nach oben. Erhebliche Wartezeiten bei Lieferung und Montage müssen inzwischen leider eingeplant werden.

Ich möchte mein Gebäude von Grund auf sanieren und weg von der alten Nachtstromspeicherheizung. Welche Alternativen gibt es?

Netzgebunden bietet sich etwa Fernwärme an. Liegt Gas in der Straße würde sich auch ein Brennwertgerät anbieten. Möchten Sie sich lieber netzunabhängig versorgen, eignet sich die regenerative Alternative eines Holz-Pelletkessels, Stückholzkessels oder eine Hackschnitzelanlage. Eine weitere fossile Variante der netz-unabhängigen Versorgung ist auch die Ölbrennwertanlage oder eine Flüssiggasbrennwertanlage. Unter bestimmten Voraussetzungen eignet sich auch eine Wärmepumpe. Zudem besteht die Kombinationsmöglichkeit mit einer solarthermischen Anlage, einem Blockheizkraftwerk (BHKW) oder einer Photovoltaik-Anlage.

Welche Vorteile bringt mir ein digitaler Stromzähler?

Mit einem digitalen Stromzähler können Sie online via Computer Ihren Stromverbrauch beobachten. Er hilft nicht nur die Kosten zu kontrollieren, Sie können damit auch Stromfresser in den eigenen vier Wänden ermitteln und Tipps zum Stromsparen abrufen.

Zählen Leitungen auch zur Haustechnik und müssen gegebenenfalls erneuert werden?

Auch Elektro-, Gas- und Wasserleitungen gehören zur Haustechnik. Nach den „Technischen Regeln für Gasinstallation“ wird für alle zwölf Jahre eine Dichtigkeitsprüfung der Gasleitung empfohlen. Wasserleitungen aus Blei dürfen laut Trinkwasserverordnung nicht mehr benutzt und müssen ausgetauscht werden. Zudem lauern bei älteren Rohren Keime und Ablagerungen. Für ältere Stromleitungen gilt Ähnliches: Sie sind nicht auf den heutigen Energiebedarf ausgelegt. So fehlt es oft an Steckdosen und vor allem aber an Schutzschaltern. Verdeckte Leitungsschäden unter Putz sind bei Altbauten zudem keine Seltenheit und gehören überprüft und eventuell erneuert.

Was gehört zu einem Smart Home?

Ein Smart Home ist noch nicht durch WLAN alleine erreicht, sondern erst durch die Vernetzung von Haushalts- und Sicherheitstechnik mittels Server. Am Ende steht meist die Fernbedienung per Handy oder Tablet durch eine entsprechende App, womit Sie Hausabläufe auch von unterwegs steuern und kontrollieren können.

Ist ein Smart Home teuer?

Die Einzelkomponenten für das Hausnetz, wie Sensoren oder Server, sind relativ preiswert. Eine zertifizierte Alarmanlage dagegen hat ihren Preis. Zudem benötigen Sie intelligente Endgeräte, die sich in das Hausnetz einbinden lassen.

Haushaltsstrom und Wärmepumpe ziehen bei uns seit einiger Zeit ungeahnte Unterhaltskosten nach sich. Können wir mit einer Photovoltaikanlage gegensteuern?

Grundsätzlich ist das möglich. Bedenken Sie aber, dass Sie in der Tat nur in bestimmtem Umfang gegensteuern können. Um Aufschluss über die realen Einspareffekte zu erzielen, sollten Sie von einer Energieberatung oder einem Fachunternehmen unbedingt die notwendige Größe der Anlage berechnen lassen. Hieraus können Sie auch ableiten, wann sich die Investition amortisiert haben wird. Voraussetzung ist, dass sich Ihr Standort, also zum Beispiel die Ausrichtung und Größe Ihres Daches, dafür überhaupt eignet. Längere Schattenperioden durch einen großen Baum oder das Nachbarhaus würden, selbst bei Südausrichtung, erheblichen Einfluss auf Ihren Stromertrag haben.

Benötigen wir einen Stromspeicher für eine Photovoltaikanlage?

Das ist durchaus empfehlenswert, und abhängig von den individuellen Nutzungszeiten der Stromverbraucher:innen im Haushalt. In Spitzenzeiten, also bei maximaler Sonneneinstrahlung, produziert eine PV-Anlage einen Überschuss an Strom, den Sie abends und nachts von einem richtig dimensionierten Akku abrufen können. Ansonsten würde circa 60 bis 70 Prozent Ihres Solarstroms nur ins Stromnetz weitergeleitet werden. Wichtig ist, dass der Stromspeicher richtig dimensioniert und regelmäßig genutzt wird, damit er eine möglichst lange Lebensdauer erreicht.

Was passiert mit dem Überschussstrom der Solaranlage?

Der zumeist im Sommer und über Mittag anfallende Überschussstrom wird normalerweise automatisch in das Netz des örtlichen Stromnetzbetreibers eingespeist. Die Menge wird am Zweirichtungszähler Ihrer Solaranlage erfasst. Der Netzbetreiber muss diesen Strom aufnehmen und Ihnen nach gesetzlichen Vorgaben vergüten.

Wir überlegen eine KWK-Anlage auf Holzbasis anzuschaffen. Da weitere Umbauten bei Kamin und Heizkörper damit einhergehen, benötigen wir ein Darlehen. Geht das?

Selbstverständlich. Ein Bauspardarlehen kann für alle wohnungswirtschaftliche Zwecke genutzt werden, sofern die betreffenden Dinge fest mit dem Haus verbunden sind. Da es sich vermutlich um mehrere Bauschritte handelt, sollten Sie am besten eine Energieberatung hinzuziehen, die einen Fahrplan mit Ihnen abstimmt und die Größe der Anlage berechnet. Auf dieser Kalkulationsbasis lassen sich sowohl die staatliche Förderung als auch das Darlehen gut definieren. Förderung und Darlehen müssen aber bitte unbedingt vor der Auftragsvergabe geklärt sein.

Wir interessieren uns für ein Elektroauto und möchten eine Wallbox installieren. Reicht unsere PV-Anlage für das Aufladen, wenn wir außerdem unsere Wärmepumpe betreiben wollen?

Vermutlich reicht der durch die PV-Anlage produzierte Strom derzeit nicht, um eine Wärmepumpe und auch ein E-Auto damit zu betreiben. Möglicherweise muss ein zusätzlicher Stromzähler installiert werden, um zum Beispiel „grünen“ Strom von außerhalb zu beziehen. Dies bedeutet vorab zusätzliche Leitungen und zusätzliche Absicherung im und am Haus. Vor allem aber bedeutet es, dass Sie die Leistungsfähigkeit Ihrer PV-Anlage und die eines Stromspeichers prüfen müssen, wenn Sie selbst produzierten Sonnenstrom so umfangreich nutzen möchten. Beziehen Sie unbedingt Solar-Expert:innen ein, die Ihnen den künftigen Strombedarf, aber auch die Kosten des Ausbaus ermitteln.

Wie groß muss eine PV-Anlage sein, um für unser Haus ausreichend Strom zu erzeugen?

Als Faustformel in Deutschland gilt: rund 200 Kilowattstunden (kWh) jährlicher Stromertrag pro Solarmodul. Für einen Zwei-Personen-Haushalt wären dies bei rund 2500 kWh Jahresverbrauch also theoretisch acht Module. Sind noch ein E-Auto oder der Betrieb einer Wärmepumpe geplant, ist eine größere Anlage erforderlich. Sie sollten sich von einem Energieberater oder Fachunternehmen unbedingt die notwendige Größe der Anlage berechnen lassen.

Wir interessieren uns für eine PV-Anlage, haben aber nach Anschaffung einer Wärmepumpe dafür nicht mehr ausreichend Eigenmittel. Können wir ein Baudarlehen aufnehmen?

Ja. Sie können zum Beispiel bei Ihrer Hausbank oder Bausparkasse ein Sofortdarlehen beantragen. Schwebt Ihnen die Anschaffung zu einem späteren Zeitpunkt vor, wäre auch ein Bausparvertrag denkbar, mit dem Sie weiteres Eigenkapital ansparen und ihn später mit einem Darlehen kombinieren.

Wird eine PV-Anlage staatlich gefördert?

Die staatliche KFW-Bank fördert mit dem „Kredit Erneuerbare Energien – Standard“ Anlagen zur Erzeugung von Strom, Wärme, zudem Netze und Speicher. Voraussetzung ist, dass Sie einen Teil des selbst erzeugten Stroms einspeisen. Anträge sind über die landeseigenen Förderbanken, Ihrer Hausbank oder Bausparkasse zu stellen.

Wir können nicht so ohne Weiteres unsere Gasheizung „rauswerfen“. Wie können wir angesichts der zu erwartenden Kostenexplosion weniger Gas verbrauchen?

Man muss sich leider einschränken. Senken sie die Raumtemperatur individuell deutlich und verzichten auf Warmwasser, wo immer es geht. Programmieren Sie zudem die Anlage neu, um die Absenkungszeiten zu ändern. Lassen Sie aber keinen Raum komplett auskühlen, da sich sonst Schimmel bilden kann.

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