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Jenny Gruners Opa war ein Seemann.
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Jenny Gruners Opa war ein Seemann.

Hapag Lloyd

Die Frau für den Kurswechsel

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
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Jenny Gruner soll den Traditionsreeder Hapag Lloyd modernisieren. Mit digitalen Lösungen bringt die Marketingleiterin das Hamburger Unternehmen in Fahrt.

Supertanker sind schwer zu steuern. Bis der Kurswechsel durchschlägt, dauert es. Genau das ist die Aufgabe von Jenny Gruner. Die 42-Jährige arbeitet bei der Hamburger Reederei Hapag Lloyd, aber nicht auf der Kommandobrücke eines Containerschiffs. Gruner soll den Konzern verändern, moderner und digitaler machen. Kurswechsel eben.

Die 42-jährige ist ein Teil der Digital Business and Transformation Unit von Hapag Lloyd. „Das kann man sich vorstellen wie eine Keimzelle oder ein Start-up innerhalb des Unternehmens“, sagt Gruner, die dort das digitale Marketing leitet. Die Aufgabe der Unit: digitale Produkte zu bauen und der Kundschaft zu verkaufen. Seit drei Jahren läuft das Projekt.

Für Gruner ist es ein Traumjob. Anders als kleine Agenturen, wo Gruner vorher war, haben große Konzerne oft noch viel aufzuholen. Das Schöne für Gruner daran: Sie sieht die Früchte der eigenen Arbeit. „Man fängt auf einer grünen Wiese an und kann unglaublich viel gestalten.“

Ein Angebot in 30 Sekunden statt 48 Stunden

Ein Beispiel: Wer sich früher ein Angebot für einen Transport mit Hapag Llyod einholen wollte, brauchte Geduld. Man musste anrufen oder eine Mail schicken, vor allem aber warten – bis zu 48 Stunden. Gruner und ihre Kolleg:innen haben das Verfahren digitalisiert, mit einem Online-Tool dauert es nun nur noch rund 30 Sekunden.

Der Job beim Seefahrt-Giganten ist für Gruner aber auch auf einer anderen, persönlicheren Ebene erfüllend: Die 42-jährige wuchs in Rostock an der Ostseeküste auf. Ihr Großvater war ein Kapitän, auf einem kleineren Schiff zwar, aber Seemann bleibt Seemann.

War der Weg in die Schifffahrtsbranche vorherbestimmt? „Ein bisschen“, sagt Gruner und lacht. Zwar habe der Zufall die größere Rolle gespielt, aber natürlich habe ihr Großvater sie geprägt: „Insbesondere was das Mindset betrifft: neugierig zu sein, Dinge zu hinterfragen, die Welt kennenlernen zu wollen.“ Als Kind hört sie Seefahrer-Geschichten, sieht Kaffeesäcke, darf mit dem Opa aufs Schiff, wenn es im Hafen liegt. „Das war schon sehr, sehr spannend.“

Gruner aber ist an Land geblieben: Nach dem Abitur studiert sie Biologie, steht im Labor vor Petrischalen mit Mikrokulturen. Irgendwann wächst in ihr ein Gefühl: Das fühlt sich nicht richtig an. Also zieht Gruner einen Schlussstrich, bricht das Biologiestudium ab und wechselt zu BWL. Eine Befreiung. „Ich fühlte mich wie ein Fisch im Wasser“, sagt sie heute, „auch wenn es eine harte Schule war.“ Denn: Gruner finanziert sich das Zweitstudium selbst, arbeitet in mehreren Nebenjobs – zwei Sommer lang unter anderem in einem Getreidelager im Hafen.

Nach dem Studium arbeitet Gruner bei mehreren Unternehmen, wo sie erste Erfahrungen mit Google Adwords und anderen Marketing-Werkzeugen macht. „Und dann habe ich mich entschieden: Okay, was ich hier gelernt habe, müssen auch die etwas traditionelleren Unternehmen wissen.“ Also geht sie zu Hapag Llyod.

Es geht um neue Produkte und eine neue Arbeitsweise im Unternehmen

Gruner spricht leidenschaftlich über ihre Arbeit, oft mit einem Lächeln und vielen Anglizismen. Klar, einerseits Start-up-Kultur, andererseits ein internationaler Konzern mit 395 Büros in 131 Ländern. „Nach Außen stehen wir vor der Challenge, die Needs der Kunden zu bedienen. Nach Innen stehen wir vor der Challenge: Wie bringen wir agile Arbeitsmethoden in das Unternehmen?“

Denn Gruner und ihren Kolleg:innen geht es nicht nur um neue Produkte. Sie sollen auch die Arbeitsweise ändern: Kurze Zyklen von 90 Tagen statt Zweijahrespläne, Vertrauen in das Feedback der Daten und nicht nur auf das eigene Bauchgefühl. Eine kleine Revolution für einen Konzern mit eingefahrenen Mustern.

Stichwort eingefahrene Muster: Die klassische Rollenbilder sind inzwischen längst nicht mehr so dominant wie noch vor einigen Jahren. Aber: Schifffahrt und Digitalisierung sind männerdominierte Branchen – ein Problem für Gruner? Sie ist nachdenklich, zögert. „Ich war immer in Unternehmen, die von Männern geführt wurden. Also ist es für mich normal in männerdominierten Branchen zu sein. Das ist historisch gewachsen.“ Sie selbst habe aber nie das Gefühl gehabt, als Frau diskriminiert oder benachteiligt worden zu sein, sagt Gruner. „Ich bin immer gut mit Männern klar gekommen.“

Das klingt selbstbewusst. In der Kindheit war es nicht nur der seefahrende Opa, der Gruners Horizont erweiterte. Auch die Mutter war ein Vorbild: Eine Bauingenieurin, für die es wie viele Frauen in der ehemaligen DDR selbstverständlich war, zu arbeiten. „Meine Mama hat ihre Frau gestanden. Ich glaube, dass sowas sich unbewusst überträgt.“

Heute steht die Tochter ihre Frau. Und sie hat noch viel vor: „Wir haben noch einige Produkte in der Pipeline“, sagt Gruner. In den kommenden Monaten soll das digitale Marketing des Konzerns weiter lokalisiert werden, näher an die Kunden rücken. Auf der grünen Wiese von Hapag Lloyd ist noch viel Platz.

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