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Vreni Frost: „Die Finanzen im Blick zu haben, ist entspannend“

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Von: Boris Halva

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Beim Thema Versicherungen sollten Frauen sich weibliche Beratung suchen, meint Vreni Frost. privat
Beim Thema Versicherungen sollten Frauen sich weibliche Beratung suchen, meint Vreni Frost. © Privat

Die Influencerin Vreni Frost über ihre jahrelange Angst vor Geldfragen, bezahlte Sorgearbeit und Frauen, die sich zu sehr auf Männer verlassen.

Bevor sich Vreni Frost als Influencerin etablieren konnte, waren rote Zahlen ihre treuesten Begleiter. Für ihr Buch „Coin Stress“ hat sie sich ihren einstigen Angst-Gegnern Finanzen und Altersvorsorge gestellt. Ein Gespräch über Kleinvieh, das auch Mist macht, und wie sich Frauen auch beim Thema Geld emanzipieren können.

Frau Frost, Sie raten zu einem entspannten Umgang mit Geld. Das fällt vermutlich leichter, wenn man Geld hat, oder nicht?

Absolut. Mit dem entspannten Umgang meine ich aber vor allem, dass man sich nicht verrückt machen soll, wenn einem mit Zwanzig gesagt wird: „Wie, Du hast noch keine Altersvorsorge!?“ Ich plädiere also eher dafür, dass man in seinem eigenen Tempo und im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten anfängt, sich mit Altersvorsorge und Geldanlage zu befassen. Und dass man sich nicht unbedingt nach dem richtet, was gesellschaftlicher Konsens ist, was man machen sollte.

Wobei nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich bestimmte Konzepte bewährt haben…

Das stimmt. Ich glaube aber, wenn man ehrlich mit seinem Geld haushaltet, kann man einen entspannten Umgang damit haben, selbst wenn man noch dabei ist, aus dem Minus rauszukommen. Seine Finanzen im Blick zu haben, ist auch schon ziemlich entspannend. Uns machen ja vor allem die Dinge Angst, mit denen wir uns nicht auskennen, und dazu gehören auch diese ganzen Formalitäten wie Bausparverträge oder Rentenversicherungen. Aber wenn wir anfangen, uns damit zu befassen, dann erlangen wir neues Wissen und verlieren gleichzeitig die Angst vor dieser Sache. Das ist so ähnlich wie mit Nachrichten über Konflikte: Die lösen erstmal Sorge aus, aber wenn wir uns mit den Hintergründen befassen, kann es sein, dass wir erkennen, dass unsere Sorge unbegründet ist. So gehe ich inzwischen alle Themen in meinem Leben an: Wenn ich vor etwas Angst habe, dann befasse ich mich damit und versuche, etwas darüber zu lernen.

Ich zitiere nochmal aus Ihrem Buch: „Vorsorge ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn“, schreiben Sie da. Was hätten Sie geantwortet, wenn Ihnen das jemand vor 20 Jahren gesagt hätte?

Ich hätte gesagt: „Bitte? Was willst Du denn von mir?!“ Ich hab als Studentin zeitweise von Nudeln und Ketchup gelebt, mein Kontostand war immer zwischen Minus und Null, da gab es nix, was ich für später zur Seite hätte legen können. Ich hatte auch immer das Gefühl, wenig zur Seite legen bringt nix, da lasse ich es lieber gleich. Aber jetzt bin ich eben ein bisschen reifer und sehe, dass ich zu wenig über Finanzen wusste und mir auch nicht klar war, dass man auch mit kleinen Schritten was erreichen kann. Das war auch ein Antrieb für das Buch: Zu zeigen, wie wichtig es ist, sich früh damit auseinanderzusetzen, welche Möglichkeiten wir haben, uns für später zumindest ein bisschen abzusichern.

Ob es nun um Erspartes oder Rente geht – fehlende Absicherung ist ein Thema, das vor allem Frauen im Alter einholt. Ein Aspekt von Geld, mit dem Sie sich eingehend befassen, ist die Tatsache, dass die Finanzwelt nach wie vor sehr männlich geprägt ist: Männer jonglieren mit Geld, Männer beraten, was mit Geld zu tun ist. Ist das auch ein Grund, warum Frauen noch immer wenig Einfluss haben in der Finanzwelt – und daher in vielen Lebensbereichen auch benachteiligt sind im Umgang mit Geld?

Auf jeden Fall. Und das hat ja eine Vorgeschichte! Wir müssen uns das mal bewusst machen: Bis Ende der Siebzigerjahre durfte eine Frau nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten gehen. Er konnte auch ohne ihre Zustimmung dieses Arbeitsverhältnis wieder kündigen. Und nicht lange davor, erst in den Sechzigerjahren, wurden Frauen als geschäftsfähig anerkannt. Frauen mischen da nüchtern betrachtet noch nicht lange mit, weil ihnen eben über Jahrzehnte eingetrichtert wurde, ihr seid eh nicht schlau genug für Finanzen, lasst das mal die Männer machen. Und da ist bis heute bei einigen Frauen immer noch eine große Hemmschwelle, sich mit dem Thema zu befassen. Ich habe einige Freundinnen gefragt, ob sie denn ein eigenes Konto haben und auch für sich eigenständig abgesichert sind.

Und die meisten haben vermutlich gesagt, dass sie ein gemeinsames Konto mit ihrem Mann haben, richtig?

Genau, und wenn ich dann frage, wie das ist, wenn sie sich trennen, dann sagen sie: Na, das kriegen wir schon geregelt. Leider ist es in den meisten Fällen so, dass Paare genau das eben nicht geregelt kriegen. Und deshalb haben wir auch so einen hohen Anteil von weiblicher Altersarmut. Weil Frauen sehr viel unbezahlte Care-Arbeit leisten, und da ganz selten nur Vereinbarungen bestehen, diesen Einsatz auch irgendwie zu vergüten – und sei es im Nachhinein.

Was wäre zu tun?

Ich bin der Meinung, auch Paare sollten das so regeln, dass wenn eine Person zu Hause bleibt und sich um die Kinder oder die Eltern kümmert oder was auch immer, dass diese Person den Anspruch hat auf ein Gehalt. Dass diese Person einen Teil des Gehaltes, das der Partner oder die Partnerin erwirtschaftet, abbekommt. Oder wenigstens über eine private Altersvorsorge vom Partner abgesichert wird. Es wäre schön, wenn das die Normalität wäre.

Zur Person

Vreni Frost ist Podcasterin, Autorin und Moderatorin. Schon vor über zehn Jahren setzte sie sich auf ihrem Blog mit unterschiedlichen Themen wie Lifestyle, Reise, Mode oder Beauty auseinander und begeisterte ihre Leser:innen mit Tipps und Tricks für das Abenteuer Leben. Immer stärker in den Fokus ist dabei auch das Thema Finanzen getreten. In ihrem Podcast „Summa Summarum“ hat Vreni Frost Wissenswertes und Kurioses rund um die Finanzwelt aufgearbeitet. FR

Abgesehen davon, dass mit diesem Prinzip die Verantwortung des Staates an die Bürgerinnen und Bürger abgewälzt wird: So ein Modell können ja auch wiederum nur die umsetzen, die genug Geld verdienen.

Das ist richtig, aber grundsätzlich geht es doch darum, dass auch Männer erkennen, dass Gleichberechtigung nicht bloß ein größeres Stück vom Kuchen für die Frau bedeutet, sondern im Grunde ein Schlaraffenland für alle wäre. Mich wundert auch, dass sich so viele Männer bedroht fühlen dadurch, dass Frauen ihren Platz behaupten wollen, dass sie ihre Ansprüche formulieren und immer entschiedener dafür einstehen. Da geht es auch ums Thema Bildung: Wissen ist Macht, auch in Finanz- und Versicherungsdingen! Es ist ja bis heute so, dass Frauen eher überversichert sind – also zu viele Versicherungen abschließen, weil sie sich nicht auskennen. Das ist alles keine Raketenwissenschaft. Und deshalb appelliere ich an die Frauen: Besteht auf eine faire Bezahlung – egal, ob ihr angestellt seid oder ob ihr daheim Care-Arbeit leistet. Es herrscht in unseren Köpfen immer noch das Denken, dass es zu Hause vor allem gemütlich ist. Allein schon dieses Wort: Mutterschaftsurlaub! Mutter zu werden ist alles andere als Urlaub! Und das, was danach kommt, ist jahrelange, körperlich und mental sehr fordernde Arbeit. Und die sollte angemessen bezahlt werden.

Um nochmal aufs Thema Finanzen zurückzukommen: Was können Frauen mit Blick aufs Geld besser als Männer?

Ich finde so Pauschalisierungen eh doof, und auch beim Umgang mit Geld würde ich ungern irgendwelche Klischees bemühen… Ich würde daher sagen: Jeder Mensch sollte für sich schauen, welche Fähigkeiten er oder sie hat – und diese dann richtig einsetzen. Denn so kann man, nicht nur im Hinblick aufs Geld, eine ganze Menge erreichen.

Sollten sich Frauen in Finanzdingen lieber von Frauen beraten lassen?

Puh, das kommt drauf an, worum es geht. Bei Versicherungen ist es ganz bestimmt sinnvoll, sich als Frau eine Beraterin zu suchen. Was das Geld angeht, bin ich unsicher. Es gibt ja auch Finanzberaterinnen, die ihren Service für mein Empfinden nach ziemlich männlichen Prinzipien aufziehen. Es gibt eine Fachfrau, die nimmt richtig viel Geld für ihre Beratung und begründet das damit, dass die Frauen eben auch viel Geld sparen oder vielmehr aus ihrem Kapital machen, wenn sie sich von ihr beraten lassen. Das finde ich schon ziemlich abgezockt.

Vreni Frost: Coin Stress –
Vreni Frost: Coin Stress. © Komplett Media

Das Bankensystem funktioniert Ihrer Ansicht nach ja so ähnlich wie die Influencer-Bubble: Vielen Banken ist es wurscht, was mit ihrem Geld gemacht wird, so lange es mehr wird… Das sehen Sie kritisch. Andererseits: Es gibt grüne Fonds, es gibt Kredite für nachhaltiges Bauen, Stiftungsfonds… Banken machen mit Geld doch auch gute Sachen.

Natürlich muss man gute Tendenzen anerkennen und fördern. Aber ich finde das Thema Fonds und Nachhaltigkeit nach wie vor zwiespältig. Es gibt da vermeintlich grüne Fonds, in denen aber dann die Firma Nestlé mit drin ist. Ich persönlich finde Nestlé jetzt nicht besonders nachhaltig. Oder nehmen Sie irgendeinen Kosmetikkonzern, der lauter hochproblematische Chemikalien verarbeitet, aber jetzt eine grüne Linie rausbringt: Ist das nachhaltig? Oder ist das Greenwashing? Ich sage ja nicht, dass alle von heute auf morgen alles umstellen müssen, aber ich finde schon, dass viele Banken derzeit eher Greenwashing betreiben als wirklich nachhaltig zu arbeiten. Und da sind wir wieder bei der Frage, ob Geld den Charakter verdirbt: Wenn wir uns anschauen, wie viel Mist mit Geld unterstützt wird, dann könnte man vielleicht doch den Eindruck bekommen, dass – wenn Geld schon nicht den Charakter verdirbt – es doch zumindest blind macht für die Probleme, die mit diesem Geld noch verschärft werden. Und das nur, weil es um Rendite geht.

Was können wir als kleine Männer und Frauen mit unserem Geld dagegen tun?

Als erstes die Bank wechseln. Das ist das, was ich den Leuten zuerst rate: Schau Dir an, was Deine Bank macht – und wenn sie in Waffen oder Öl oder so was investiert, dann kündige so schnell wie möglich. Das ist der erste und effektivste Schritt, ohne dass wir einen Nachteil davon haben.

Interview: Boris Halva

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