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China baut seit Mai einen Reaktor russischen Typs.
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China baut seit Mai einen Reaktor russischen Typs.

Atomkraft

Die Atom-Zukunft entscheidet sich im Osten

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Während Deutschland den Atomausstieg vollzieht, werden weltweit Hunderte Kraftwerke gebaut oder geplant – vor allem China, Indien und Russland investieren in großem Stil.

Weltweit werden derzeit in 31 Ländern Atomreaktoren betrieben. Die insgesamt 443 Anlagen erzeugen laut der Internationalen Energieagentur (IEA) etwa zehn Prozent der weltweiten Stromproduktion, gemessen am Gesamtenergieverbrauch sind es rund zwei Prozent. Die meisten Reaktoren stehen in den USA (94), Frankreich (56), China (49), Russland (38), Japan (33), Südkorea (24), Indien (23) und Kanada (19).

Die Hochzeit der Atomkraft lag in den 1970er- und 1980er-Jahren. Damals wurden viele neue Reaktoren gebaut, vor allem in Europa, den USA, der damaligen Sowjetunion und Japan. Auch in Deutschland entstanden damals die großen Stromzentralen wie Biblis, Neckarwestheim oder Lingen, als letztes AKW ging hier Brokdorf 1986 ans Netz. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im selben Jahr beendete den Höhenflug der Technologie. Zumindest in den westlichen Industrieländern wurden danach zwei Jahrzehnte lang keine neuen AKW mehr gebaut.

Atomkraft: Manche Länder verlängern die Laufzeiten

Seit 2000 hat sich die Zahl der Atomkraftwerke weltweit nur wenig verändert. Es gingen zwar neue Reaktoren ans Netz, doch zunehmend wurden auch Anlagen stillgelegt. In Europa und den USA sind über 80 Prozent der AKW über 30 Jahre alt, damit kommt das Ende ihrer ursprünglich auf 40 Jahre ausgelegten Nutzungsdauer in Sicht. Für die EU, die USA und andere Industrieländer erwartet die IEA einen Rückgang der Atomstromproduktion um zwei Drittel bis 2030 respektive 2040, falls keine AKW-Neubauten in großem Stil beschlossen werden.

Der Neubau von AKW lohnt sich hier ohne milliardenschwere Subventionen nicht. In Großbritannien zum Beispiel fiel die Investitionsentscheidung für neue Reaktoren am Standort Hinkley Point erst, als die Regierung in London dem Betreiber einen hohen Abnahmepreis für 35 Jahre garantierte. Allerdings verlängern manche Länder die Laufzeiten der Altmeiler, so wie Frankreich auf 50 Jahre. Kritiker warnen, dass das die Sicherheit der Anlagen verringere.

Atomkraft: Auch Länder wie die Türkei und Bangladesch steigen ein

Im Bau sind derzeit 53 AKW, so der „World Nuclear Industry Status Report“ – zumeist in Asien. Rund 300 weitere Anlagen befinden sich in der Planungsphase, wobei die Umsetzungschancen allerdings umstritten sind. Die Bilanz zeigt: Die Zukunft der Kernkraft wird vor allem von China, Indien und Russland bestimmt werden, die weiterhin in großem Stil in diese Technologie investieren. Das Atom-Trio steht für die Hälfte der im Bau befindlichen und zwei Drittel der geplanten Anlagen.

Allerdings steigen auch Länder wie die Türkei und Bangladesch in die Atomenergie ein, dort sind Anlagen in Bau. Im Jahr 2020 wurde zudem der erste Leistungsreaktor in der arabischen Welt in Betrieb genommen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beobachter:innen haben die Sorge, dass es dabei nicht nur um die Stromerzeugung gehe, sondern auch darum, sich die Option auf den Bau von Atomwaffen offenzuhalten.

Atomkraft: Neue Reaktortechnologien

Zunehmend in der Debatte sind auch neue Reaktortechnologien, die unter dem Stichwort SMR (Small Modular Reactors) zusammengefasst werden. Hier geht es um kleinere, in Serie herstellbare AKW, die viel wirtschaftlicher sein sollen als die bisherigen Großreaktoren, zudem besonders sicher. Teils soll es damit auch möglich sein, den Atommüll herkömmlicher Reaktoren zu nutzen und damit zu „entschärfen“. Die meisten SMR-Konzepte von Unternehmen unter anderem in den USA, China, Kanada und Großbritannien gehen auf Entwicklungen der 1950er-Jahre zurück, vor allem auf den Versuch, Atomkraft als Antrieb für militärische U-Boote nutzbar zu machen. Die überwiegende Mehrzahl davon befindet sich aber erst auf der Ebene von Konzeptstudien.

Das Öko-Institut, das im März eine Analyse von 31 SMR-Konzepten für das deutsche Bundesamt für die Sicherheit der Nuklearen Entsorgung (BASE) vorlegte, zog ein kritisches Fazit. Um global den Klimaschutz voranzubringen, brauche es viele Tausende dieser Kraftwerke. Das erhöhe das Sicherheitsrisiko, da man radioaktive Verseuchungen nicht ausschließen könne. Zudem seien die Kosten zumindest in der Anlaufphase sehr hoch und das Atommüllproblem bleibe ungelöst.

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