+
Diakoniepräsident Ulrich Lilie stellt die Werbe-Aktion "Unerhört!" der Diakonie Deutschland vor. Mit der Kampagne will die Diakonie ungehörten und an den Rand gedrängten Menschen eine Stimme geben.

"Unerhört!"

Diakonie will Armen eine Stimme geben

  • schließen

Die Diakonie Deutschland startet eine Kampagne gegen Ausgrenzung.

Auf dem lilafarbenen Plakat prangt in weiß das Wort „Unerhört“. Darunter, etwas kleiner: „Diese Flüchtlinge“. Verwunderung angesichts dieser Botschaft wäre nicht überraschend. Mit der Doppeldeutigkeit des Wortes spielt die Diakonie in ihrer neuen Kampagne „Unerhört!“, die am Mittwoch vorgestellt wurde. „Der Begriff soll provozieren und den Blick auf Menschen am Rande der Gesellschaft lenken, die sich unerhört fühlen“, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Randgruppen wie Obdachlosen, Flüchtlingen, Homosexuellen, Hartz-IV-Empfängern, Alten und anderen will die Diakonie eine Stimme geben.

Die 350.000 Euro teure Aktion ist auf drei Jahre angelegt. Mit der Kampagne will die Diakonie eine Plattform für die öffentliche Debatte gegen Ausgrenzung und für mehr gesellschaftliche Teilhabe schaffen. Das sei nötig, weil immer mehr Menschen in Blasen kommunizieren, sagte Lilie. Sie beschränkten sich auf einen engen Kreis von Freunden und Bekannten, wodurch kein weiterer Gedankenaustausch entstehe.

Die Botschaft soll zuerst über Plakate verbreitet werden; dann folgen Veranstaltungen, auf denen Menschen ihre Geschichten erzählen. Diese und weitere Biografien werden auch auf der Internetseite der Kampagne zu finden sein. Geplant sind außerdem Aufklärungsaktionen, sowie die Verbreitung im Internet und über soziale Medien. Auch eine Sommerreise des Diakonie-Präsidenten, auf der er „Unerhörte“ treffen will, ist geplant.

Die ersten Plakate tragen die Schriftzüge „Unerhört! Diese Flüchtlinge“ und „Unerhört! Diese Obdachlosen“. Auf diese Gruppen lege man zunächst den Fokus, sagte Lilie. Geplant sei auch „Unerhört! Diese AfD-Wähler“. Lilie sieht einen gesellschaftlichen Bedarf, einander stärker zuzuhören. Das bedeute auch strittigen Diskurs. Mit den AfD-Plakaten will die Diakonie für Irritationen sorgen und sich bewusst politisch einmischen. „Wir werden fremdenfeindlichen Äußerungen natürlich kein Forum bieten“, so Lilie. Es gehe etwa darum, AfD-Wähler zu hören, die in ländlichen Gebieten leben und unter schlechter Infrastruktur leiden – eben jene Menschen, die sich in der politischen Debatte nicht gehört fühlen und die Partei aus Protest wählen. 

Auch die Landesverbände der Diakonie werden nach und nach mit eigenen Beiträgen an der Kampagne teilnehmen, so der Leiter der Kommunikationsabteilung, Thomas Schiller. Man wisse noch nicht genau, in welche Richtung diese sich bewege und wie die Diskussion fortschreite. „Wir wollen immer wieder neu bewerten und weiter entwickeln“, sagte Schiller. 

Die Diakonie ist der Wohlfahrtsverband der evangelischen Landes- und Freikirchen sowie von Fachverbänden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare