+
Es herrscht Unsicherheit, wie es mit und nach Corona weitergeht.

KOMMENTAR

Deutschlands Stärken

  • schließen

Die oft verspottete deutsche Konsensgesellschaft ist in der Corona-Krise deutlich im Vorteil. Doch es gibt für die Arbeitsmarktpolitik auch jetzt schon einige Lehren zu ziehen.

Das Nervenaufreibendste ist Unsicherheit. In der Corona-Krise geht es Deutschland wie einem Patienten, der vom Arzt die Diagnose erhält: „Es sieht bedrohlich aus. Aber wie schlimm es noch kommt, kann ich Ihnen leider auch nicht sagen.“ Das gilt für den weiteren Verlauf der Pandemie, aber auch für die Folgen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaftsweisen haben eine erste Prognose vorgelegt. Sie fürchten einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 5,4 Prozent. Auch bei einem milderen Verlauf der Pandemie und einer kürzeren Dauer der Einschränkungen wäre demnach immer noch eine Rezession zu erwarten – mit einem Jahresminus von 2,8 Prozent.

Gesundheit geht vor. Die Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung können nur in dem Maß gelockert werden, in dem der Preis nicht der Kollaps unseres Gesundheitssystems ist. Gleichzeitig muss die Politik fortwährend prüfen, ab wann Erleichterungen möglich sind. Auch soziale Probleme und Einsamkeit machen krank.

Existenzängste, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit: Das bedeutet diese Krise für viele Menschen in Deutschland – und für ihre Familien gleich mit. Im internationalen Vergleich ist Deutschland besser aufgestellt als andere, um diese Probleme einigermaßen abzufedern. Wir können Milliarden investieren, um die Wirtschaft zu stützen und Kurzarbeit zu ermöglichen.

Bei Hilfen für Soloselbstständige und Unternehmen müssen wir immer wieder prüfen: Kommt die Unterstützung wirklich da an, wo sie gebraucht wird? Und: Wird sie unbürokratisch und schnell genug gewährt? Beim Arbeitsmarkt ist es gut, dass es mit dem Kurzarbeitergeld eine Brücke gibt, die sich bereits in der Finanzkrise bewährt hat. Unternehmen können so gutes Personal für die Zeit nach der Krise halten.

Eine große Stärke Deutschlands ist die im internationalen Vergleich intakte Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Die Hoffnung ist berechtigt, dass Arbeitgeber, Gewerkschaften und Arbeitnehmer in der Krise gemeinsam nach Lösungen suchen. Die oft verspottete deutsche Konsensgesellschaft ist eindeutig im Vorteil.

Bereits jetzt gibt es für die Arbeitsmarktpolitik einige Lehren zu ziehen. Beim Homeoffice hat sich gezeigt, dass viel mehr möglich ist, als Unternehmen sich selbst zugetraut haben. Das Gesetz, das – da, wo es geht – ein begrenztes Recht auf Homeoffice schaffen soll, sollte nach der Krise endlich kommen. Dabei muss geklärt sein, wie Arbeitnehmer vor zu großer Belastung in diesem Modell geschützt werden können.

Und wir können übrigens als Gesellschaft nicht immer nur Sonntagsreden halten, wie wichtig Pfleger, Supermarktkassiererin und Busfahrer sind. Wertschätzung muss sich auszahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare