Das ist noch was zu machen: Repair-Cafe in Offenach.	renate hoyer
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Das ist noch was zu machen: Repair-Cafe in Offenach.

Elektrogeräte

Wie lange soll das halten? Umweltexperten über massive Probleme mit Elektroschrott

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Erweiterte Garantiezeiten und Repair-Cafés: Das Umweltbundesamt zeigt auf, wie der Elektroschrott verringert werden könnte. Noch immer hinkt Deutschland beim Recycling hinterher.

  • Die Mengen an Elektro- und Elektronikschrott in Deutschland steigen weiter an
  • Umwelt- und Verbraucherschutzexperten diskutieren über mögliche Strategien zur Verringerung von Elektroschrott
  • Garantiezeiten müssen angepasst und das Recycling verbessert werden

Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten sollen die Mindestlebensdauer ihrer Produkte künftig beim Kauf angeben müssen. Das haben Umwelt- und Verbraucherschutzexperten als einen Weg vorgeschlagen, um die bisher oft zu kurzen Nutzungszeiten dieser Geräte zu erhöhen und die steigenden Mengen an Elektro- und Elektronikschrott zu verringern. Nur so könnten Verbraucher die Lebensdauer beim Kauf eines neuen Geräts überhaupt berücksichtigen, argumentieren sie.

„Verschleißt ein Gerät früher als angegeben, könnten Käuferinnen und Käufer ihre Gewährleistungsrechte geltend machen – ein echter Anreiz für die Hersteller, wirklich langlebige Produkte auf den Markt zu bringen“, sagt Professor Tobias Brönneke, Leiter des Zentrums für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum (VUNK) der Hochschule Pforzheim.

Elektroschrott in Deutschland: Experten fordern Anpassung der Garantie an Lebenszeit der Geräte

Es geht um ein Problem, das viele Konsumenten nervt: Geräte gehen oft schneller als erwartet kaputt, die Reparatur lohnt sich nicht, und so wird ein Neukauf nötig. Das kostet unnötig Geld, vergrößert das Müllproblem und erhöht den CO2-Ausstoß. Das Problem wird im Expertensprech „vorzeitige Obsoleszenz“ genannt. Die Pforzheimer Wissenschaftler und Kollegen vom Öko-Institut haben im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) nun Vorschläge entwickelt, wie es angegangen werden kann.

Für besonders schlagkräftig halten sie die Stärkung von Käuferrechten. „Wir benötigen eine breit angelegte Strategie gegen Obsoleszenz, die auch rechtliche Instrumente auf nationaler und europäischer Ebene umfasst“, sagt der Jurist Friedhelm Keimeyer, vom Öko-Institut. Die Vorschläge unterstützen die Ziele des Europäischen „Green Deal“ und des Aktionsplans der EU-Kommission zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft.

Die Experten schlagen weiter vor, die Garantiefristen nicht wie bisher üblich generell auf zwei Jahre zu begrenzen, sondern an die erwartbaren Lebensdauern der Geräte anzupassen. Sie verweisen auf andere europäische Staaten wie die Niederlande, Schweden, Finnland und Norwegen, die hier schon weiter seien. Zudem solle die „Beweislastumkehr“ nach einem Kauf verlängert werden. Bisher müssen die verkaufenden Unternehmen bis zu sechs Monate nach dem Erwerb nachweisen, dass ein defektes Produkt bei der Übergabe oder Lieferung ohne Mangel war. Empfohlen wird hier, Deutschland solle die Frist – wie Frankreich und Portugal –auf zwei Jahre verlängern.

Reduzierung von Elektroschrott in Deutschland: „Fachlich kompetente Reparateure“

Ein weiteres Thema beim Kampf gegen die Obsoleszenz sind verbesserte Reparaturmöglichkeiten. Konkret wird gefordert, die Vorschrift aus der EU-Ökodesign-Richtlinie, Ersatzteile länger verfügbar und lieferbar zu halten, auf alle Elektro- und Elektronikgeräte auszudehnen. Sie gilt bisher nur für spezielle Produktgruppen. Außerdem schlagen die Experten vor, dass alle EU-Mitgliedsstaaten ein unabhängiges Register für „fachlich kompetente Reparateure“ einrichten. Neben den Herstellerbetrieben sollen darin auch unabhängige Reparaturbetriebe oder qualifizierte Repair-Cafés aufgenommen werden. Dies solle dazu beitragen, dass sie dann auch die nötigen Ersatzteile und Reparatur- und Wartungsinformationen bekommen.

UBA-Präsident Dirk Messner fordert unterdessen bessere Möglichkeiten für das Recycling von Elektroschrott in Deutschland. „Es braucht ein verbrauchernahes Netz mit deutlich mehr Sammel- und Rücknahmestellen als heute“, sagte er „Rheinischen Post“. Man könne etwa die Rücknahmepflicht auf zusätzliche Geschäfte im Einzelhandel ausweiten, schlug er vor. Zudem sollten Händler verpflichtet werden, die Rückgabemöglichkeiten deutlich besser zu bewerben.

Im Jahr 2018 sind laut dem Bundesamt rund 853 000 Tonnen Elektro-Altgeräte gesammelt worden. Das entspreche einer Sammelquote von 43,1 Prozent. Damit verfehlt Deutschland die EU-Vorgaben knapp, die bei 45 Prozent liegen. Messner verwies darauf, dass die EU-Quote für 2019 allerdings schon bei 65 Prozent liege. Davon sei Deutschland „meilenweit entfernt“.

Doch nicht nur der Elektroschrott stellt ein massives Problem dar. Auch das Recycling der Kunststoffe scheitert bislang notorisch. Was entsorgt wird, kehrt zurück – zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

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