Mobilfunk

Deutschland im Tabellenkeller

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Die Bundesrepublik ist das Land der Funklöcher. Wenn sich das ändern soll, muss die Regierung die Samthandschuhe ablegen.

Nur knapp zwei Drittel aller Haushalte können hierzulande das schnelle mobile Internet der vierten Generation (LTE) nutzen. Im internationalen Vergleich spielt Deutschland damit in einer Liga mit Albanien und Kolumbien. Großbritannien ist mit einer Abdeckung von 77 Prozent weit weg. Ganz zu schweigen von den Niederlanden (89 Prozent), Japan (95 Prozent) oder Südkorea (97 Prozent). Dabei hat das Weltwirtschaftsforum die Bundesrepublik erst gerade zum Innovationsweltmeister gekürt. Wie passt das zusammen?

Zunächst: Wer sich die Liste der LTE-Weltliga genauer anschaut, stellt schnell fest, dass Italien und Frankreich nur unwesentlich besser sind als Deutschland. Die drei Länder haben eine ähnliche Bevölkerungsverteilung. Das ist ein wichtiger Faktor für die Abdeckung mit Mobilfunktechnik. Denn: Je mehr Nutzer auf eine Antenne kommen, umso rentabler wird die Sendeanlage für den Mobilfunknetzbetreiber. 

Deshalb liegen Länder wie die Niederlande und Japan vorne. Die Besonderheit von Südkorea: Ein Großteil der Einwohner lebt in wenigen Ballungsgebieten. Das macht es einfach, eine prozentual hohe Abdeckung zu erhalten. Denn 97 oder 98 Prozent Abdeckung können dort bedeuten, dass es die schnellen Mobilfunkverbindungen nur für 70 Prozent der Fläche des Landes gibt. 

Marktforscher sehen Japan und Südkorea vorne

Gleichwohl: Wer den Titel Innovationsweltmeister verteidigen will, darf das nicht als Ausrede nehmen. Deshalb hat sich die Bundesregierung vorgenommen, das Land zum Leitmarkt für die neue 5G-Technik zu machen. Das wollen andere auch. Marktforscher sehen Japan und wieder die Südkoreaner vorne. Letztere haben schon bei den Olympischen Winterspielen 2018 die neue Funktechnik getestet. Japan will für die Sommerspiele 2020 eine Infrastruktur aufgebaut haben. Deshalb haben die jeweiligen Regierungen den Ausbau ganz oben auf ihre Prioritätenliste gesetzt. Entsprechend fließen üppige Subventionen an heimische Konzerne. In Südkorea ist das Samsung.

Schwarz-Rot will hierzulande einen anderen Weg gehen. 5G soll nicht mit staatlicher Unterstützung, sondern weitgehend durch marktwirtschaftliche Mechanismen von den Mobilfunknetzbetreibern auf eigene Kosten und eigenes Risiko eingeführt werden. Deshalb auch die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen im nächsten Jahr. Damit wird nämlich ein wettbewerblicher Preis für die Lizenz zum Senden ermittelt. Nebenbei will der Staat noch ein paar Milliarden Euro kassieren. Aber Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will auch, dass möglichst schnell und möglichst flächendeckend 5G für die Nutzer bereitgestellt wird. Das sind zu viele Ziele auf einmal.

Deshalb gehen andere Länder andere Wege. Etwa, indem die Frequenzen gegen geringe Gebühren zugeteilt werden. Dadurch haben die Netzbetreiber mehr Geld für Investitionen zur Verfügung. Das wäre auch ein Modell für Deutschland – zumal ohnehin klar ist, dass sich die drei Betreiber (Telefónica, Vodafone, Deutsche Telekom) die Frequenzen einigermaßen paritätisch aufteilen werden. Doch damit ist noch nicht gewährleistet, dass zumindest große Teile ländlicher Regionen mit 5G erschlossen werden. Das geht nur mit gezielten staatlichen Subventionen. Hinzukommen muss eine strenge Überprüfung der Ausbauverpflichtungen – mit harten Strafen bei Verstößen. 

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