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Arbeitsmarkt

Deutschland schafft

  • VonStefan Sauer
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Die Beschäftigung ist 2017 hierzulande so stark gewachsen wie seit zehn Jahren nicht. Doch nicht alles läuft rund auf dem Arbeitsmarkt. Die Analyse.

Der deutsche Arbeitsmarkt eilt von Rekord zu Rekord. Im Jahresdurchschnitt 2017 stieg die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber 2016 um 638 000 auf 44,3 Millionen und damit auf ein Rekordhoch. Den vom Statistischen Bundesamt am Dienstag veröffentlichten Daten zufolge handelt es sich um den kräftigsten Zuwachs seit 2007 und den insgesamt zwölften in Folge seit 2005. Damals waren 39,3 Millionen Erwerbstätige in Deutschland registriert, während die Zahl der Arbeitslosen nach Zählweise der internationalen Arbeitsorganisation ILO bei 4,5 Millionen lag. 2017 waren laut ILO nur mehr knapp 1,7 Millionen Menschen in Deutschland auf der Suche nach einem Job, während die Erwerbstätigkeit gegenüber 2005 um fünf Millionen höher lag.

Anders als vielfach vermutet signalisieren diese Zahlen nicht etwa einen massiven Zuwachs an Minijobs, Solo- und Scheinselbstständigen oder anderen nicht sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Im Gegenteil: Die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse sank zwischen 2005 und 2016 von fast sechs auf 5,4 Millionen. 2017 gingen die Minijobs Schätzungen der Wiesbadener Statistiker zufolge abermals auf rund 5,35 Millionen zurück. Zugleich verschwanden die allermeisten der einst verbreiteten Ein-Euro-Jobs: Einst waren es fast eine halbe Million gewesen, im vergangenen Jahr wurden weniger als 100 000 gezählt.

Nicht zuletzt sank auch die Zahl der Selbstständigen, von mehr als 4,4 Millionen 2005 auf zuletzt 4,3 Millionen 2017. Ein solches Minus in wirtschaftlich guten Zeiten ist durchaus normal. Der Rückgang kommt zustande, weil viele Kleinstunternehmen aus der Not geboren und bei erster Gelegenheit zugunsten einer festen Anstellung wieder aufgegeben werden.

Entsprechend stark zugelegt hat die reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, von gut 26 Millionen 2005 auf deutlich über 32 Millionen im vergangenen Jahr. Die Zahlen für 2017 liegen zwar noch nicht vollständig vor, für die ersten neun Monaten gibt die Bundesagentur für Arbeit aber bereits ein Plus von 760 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen gegenüber dem Vorjahreszeitraum an.

Wesentlichen Anteil an dem anhaltenden Beschäftigungszuwachs haben Frauen: Waren 2005 erst 64 Prozent der 20- bis 64-Jährigen berufstätig, so sind es mittlerweile drei Viertel. Auch bleiben ältere Arbeitnehmer heute länger im Job als vor zehn Jahren: Die Erwerbsquote der 60- bis 65-Jährigen stieg zwischen 2006 und 2016 von 29,6 auf 55,7 Prozent, ihre Zahl nahm von 1,3 auf fast drei Millionen zu. Schließlich trugen Zuwanderer vornehmlich aus ost- und südosteuropäischen EU-Staaten zum Beschäftigungszuwachs bei.

Frei von Problemen ist der deutsche Arbeitsmarkt aber keineswegs: Die Löhne und Gehälter am unteren und oberen Ende der Einkommensskala entfernen sich immer weiter voneinander, Geringverdiener haben heute real nicht mehr in der Tasche als vor 25 Jahren. Die Langzeitarbeitslosigkeit geht nur sehr langsam zurück und dies vor allem, weil sie aufgrund ihres fortschreitenden Alters aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.

Auch das Thema Fachkräftmangel und Zuwanderung ist keineswegs gelöst. Die kommende Bundesregierung hat jedenfalls keinen Grund, in der Arbeitsmarktpolitik die Hände in den Schoß zu legen.

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