GASTWIRTSCHAFT

Deutschland vor der Pleite?

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Gut, dass unsere Bundesregierung kein Unternehmen führt. Das würde nicht gut ausgehen.

Wäre das Bundeskabinett die Geschäftsführung eines Wirtschaftsunternehmens, dann wäre die Pleite vermutlich nicht mehr fern. Ein Unternehmen lebt davon, Wertschöpfung zu generieren. Will sagen, es bedient den Markt (seine Kunden) mit Produkten und Dienstleistungen, die genau dieser Markt nachfragt. Damit das sinnhaft und gut gelingt, sind alle Beteiligten in ihrem Denken und Handeln darauf ausgerichtet. Sie haben den Markt, und damit die Kunden, stets im Blick.

Zurück zur Politik und den aktuellen Diskussionen, Entscheidungen und Vorgängen. Wertschöpfung? Kundenorientierung? Eher nicht. Stattdessen dominieren Postengeschacher, Statusspiele und persönliche Befindlichkeiten, zumindest in der Presse.

Schon die Koalitionsverhandlungen hatten den Anstrich einer reinen Mein-Förmchen-dein-Förmchen-Diskussion und zogen sich endlos hin. Als Fusion zweier Unternehmen wäre der Zusammenschluss sicher nicht zustandegekommen. Was dann wohl auch besser ist. Oder denken wir an die Causa Maaßen. Untragbare Entgleisungen eines Managers führen im echten Leben zur Entlassung. Und das Arbeitszeugnis fällt auch nicht besonders gut aus.

Im Kabinett aber geht es bei dieser Frage nur um den Gesichtsverlust der verhandelnden Koalitionspartner, also wird der Chef des Verfassungsschutzes befördert. Ach ne, doch nicht. Er bekommt einen Frühstücksposten im Innenministerium. Das ist Realsatire.

Es ließen sich noch unzählige Beispiele anführen, die alle auf dasselbe hinauslaufen: Das Kabinett beschäftigt sich am liebsten mit sich selbst, statt Wertschöpfung für die Bevölkerung zu betreiben. Das geschieht ja leider auch in vielen Unternehmen genauso. Strukturen, die lange bestehen, führende Köpfe, die an ihren Stühlen kleben und eine Belegschaft, die desillusioniert und resigniert noch nicht mal mehr aufschreit.

Geht das so weiter, dann erleidet die amtierende deutsche Regierung irgendwann das Schicksal solcher Unternehmen. Sie verliert zuerst den Blick für den Markt, dann die Kunden, dann die Ideen und steht am Ende vor der Pleite. Eine strukturelle Veränderung kann das aufhalten. Bedeutet im Klartext, dass es Zeit ist für eine Wende in der Führung. Jetzt.

Die Autorin ist Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Unkompliziert!“.

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