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Blick auf die rohstoffreichen Abbauberge bei einer Kalium-Anlage im Salzsee von Uyuni: An dem See darf ein deutsches Unternehmen nun Lithium gewinnen.

E-Mobilität

Deutschland auf Lithium-Jagd

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Für den Bau von Elektroautos werden viele Rohstoffe benötigt. China hat sich den Zugriff gesichert. Jetzt zieht Deutschland nach.

Lithium nennt man das „weiße Gold“. Das Alkalimetall gilt als einer der Schlüsselrohstoffe des 21. Jahrhunderts. Es wird gebraucht für Akkus von Smartphones und Laptops, für Stromspeicher von Solarsystemen – und zukünftig in großen Mengen für Batterien von Elektroautos. Ohne Zugriff auf den wertvollen Rohstoff kann die E-Auto-Offensive, die die deutschen Autokonzerne planen, kaum richtig ins Rollen kommen – und hier hat ein baden-württembergisches Unternehmen nun einen Coup gelandet. Die Firma „ACI Systems Alemania“ (Acisa) aus Zimmern ob Rottweil erhält direkten Zugriff auf Lithium-Vorkommen in Südamerika – in Bolivien.

Das schwäbische Unternehmen plant die Gewinnung von bis zu 50.000 Tonnen Lithiumhydroxid jährlich im Salzsee Salar de Uyuni, der im „Lithiumdreieck“ zwischen Argentinien, Bolivien und Chile liegt und in dem die weltweit größten Vorkommen des Rohstoffs vermutet werden. Nach Expertenschätzungen lassen sich mit dieser Menge jährlich bis zu eine Million E-Autos mit Batterien ausstatten. Acisa bildet dazu ein Joint Venture mit den bolivianischen Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB). 

Das Geschäft gilt als industriepolitischer Meilenstein: Zur Vertragsunterzeichnung am Mittwoch in Berlin waren aus Bolivien der Außen- und der Energieminister angereist. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte: „Deutschland soll ein führender Standort für die Batteriezellfertigung werden.“ Daher sei ein verlässlicher und wettbewerbsfähiger Rohstoffbezug aus umweltgerechter Gewinnung und -weiterverarbeitung nötig. Der Preis des Metalls war wegen der steigenden Nachfrage in den vergangenen Jahren zeitweise stark angestiegen - auf über 13.000 US-Dollar pro Tonne. 

Geplant sind in Uyuni mehrere große Lithiumanlagen, darunter in einem weiteren Schritt auch eine Fabrik zur Produktion von Batteriezellen für den südamerikanischen Markt. Es sollen 1,2 Milliarden US-Dollar (gut eine Milliarde Euro) investiert werden. 

„Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht-heimische Rohstoffe“, sagte Acisa-Chef Wolfgang Schmutz gegenüber dpa. Dies sei insbesondere für die hiesige Autoindustrie wichtig. Bolivien hat sich nach einem langen Auswahlprozess für das deutsche Unternehmen als Kooperationspartner entschieden. Sieben weitere Konsortien hatten sich beworben. Acisa befand sich dabei in direkter Konkurrenz zu Firmen aus China, das Land ist in der E-Mobilität führend.

Umweltschäden und soziale Probleme

Die Lithium-Gewinnung ist bisher oft mit großen Umweltschäden und sozialen Problemen verbunden. NGOs verweisen unter anderem auf sinkende Grundwasserspiegel durch das Abpumpen der lithiumhaltigen Salzlake, was etwa in Chile bereits zur Austrocknung von Flussläufen und Feuchtgebieten geführt habe. 

Acisa indes betont, die Lithiumgewinnung werde in dem neuen Projekt „umweltverträglich“ erfolgen. Geplant sei unter anderem, die Anlagen mit erneuerbaren Energien zu betreiben und eine dezentrale Energieversorgung dafür aufzubauen. Damit werde „erstmals eine ‚grüne‘ Batterieproduktion ermöglicht“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, das sich auf Fotovoltaik- und Batteriesysteme sowie die Gewinnung von Rohstoffen dafür spezialisiert hat. 

Wie wichtig das Lithium-Geschäft für Bolivien ist, macht ein Ausspruch von Präsident Evo Morales klar: „Lithium ist das neue Erdgas.“ Der linksgerichtete Morales, der seit 2006 im Amt ist, hat dank der Erdgasmilliarden Sozialprogramme auflegen können, die seine Macht stabilisierten. Das Lithium-Geld kommt zupass, um diese Strategie weiterzuführen.

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