+
Die deutsche Autoindustrie produziert mehr Fahrzeuge im Ausland als im Inland. In Schanghai beispielsweise wird an einer Produktionslinie von SAIC Volkswage gebaut.

Globale Emissionen

Deutschland – dein CO2

  • schließen

Wer Klimaschutz ablehnt, weil Deutschland allein die Katastrophe nicht aufhalten kann, hat vergessen wie international die Wirtschaft agiert. Die Analyse.

Gegen schärfere Maßnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen hierzulande wird oft eingewandt, diese Maßnahmen seien nicht zielführend, weil Deutschland alleine den Klimawandel nicht aufhalten könne. „Wir werden den Planeten nicht retten, in dem wir einen Morgenthau-Plan für Deutschland umsetzen“, mit diesen Worten warnte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner neulich vor einer Deindustrialisierung in Deutschland in Folge höherer Kosten für CO2-Emissionen. Diese Argumentation hat einige Schwächen.

Zunächst ist es zutreffend, dass Deutschland alleine den Anstieg der CO2-Konzentration in der Weltatmosphäre nicht stoppen kann, schließlich sind die größten Emittenten von Klimagasen die USA und China. Als Argument für eine fortgesetzte Belastung der Umwelt taugt dieser Fakt allerdings nicht, da der Satz „Wir schaffen das nicht allein“ für jedes Land der Erde gilt. „Wir verschmutzen weiter das Ökosystem, weil die anderen das auch tun“ – nach dieser Logik ist die Umwelt bald ruiniert. Irgendwer muss halt mal anfangen mit dem verstärkten Klimaschutz.

Vor allem aber tut das Argument „Deutschland allein kann den Klimawandel nicht aufhalten“ so, als hätte die hiesige Wirtschaft mit den CO2-Emissionen des Auslands nichts zu tun. Das ist nicht korrekt.

Zum einen ist Deutschland einer der größten Auslandsinvestoren weltweit. Unternehmen haben Produktionsstätten rund um den Globus errichtet, zum Beispiel in Osteuropa, China und den USA. Die deutsche Autoindustrie produziert mehr Fahrzeuge im Ausland als im Inland. Die Produktion jenseits der deutschen Grenzen füllt nicht nur die Kassen der multinationalen Konzerne, sondern trägt auch zum CO2-Ausstoß des Auslands bei. Als einen der wesentlichen Gründe für Investitionen im Ausland nennen deutsche Industrieunternehmen die hohen Kosten für Energie in Deutschland, und das bedeutet: Sie investieren global, um ihren Energieverbrauch nicht senken zu müssen. Zu den ausländischen Direktinvestitionen der Unternehmen kommen auch noch Abermilliarden, die in hiesige USA-, China-, oder Schwellenländer-Investmentfonds angelegt sind und die vom – schmutzigen – Wirtschaftswachstum dort profitieren wollen.

Die deutschen Unternehmen investieren und produzieren nicht nur im Ausland – sie beziehen von dort auch große Teile ihrer Zulieferungen und haben globale Wertschöpfungsketten geknüpft, um ihre Kosten zu senken. Zudem werden massenhaft Konsumgüter nach Deutschland eingeführt. Mit einer Importquote von 41 Prozent seiner Wirtschaftsleistung ist Deutschland abhängig von Einfuhren aus aller Welt, die unter anderem deswegen so preiswert sind, weil die Umweltauflagen häufig schwach sind.

Und schließlich ist Deutschland mit einer Exportquote von 47 Prozent seiner Wirtschaftsleistung abhängig davon, dass die Konjunktur in Amerika und Asien rund läuft. Vereinfacht gesagt: Chinas schmutzige Industrie muss erstmal Güter produzieren und im Ausland absetzen, um die Dollars zu verdienen, mit denen China dann deutsche Autos importiert, die dort die Atmosphäre belasten. Davon hängt die hiesige Konjunktur ab: Die 30 Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex machen nur noch 21 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland, den Rest in aller Welt, auch in den Schwellenländern, deren CO2-Emissionen sich seit 1996 verdoppelt haben.

Die globalen CO2-Emissionen im Energiesektor stagnierten im Jahr 2019. Das ist eine gute Nachricht. Für ein Aufatmen ist es aber noch zu früh. Die Analyse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare