Verlust

Deutscher Bank brechen die Erträge weg

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Einige positive Nachrichten können nicht kaschieren, wie ernst es um das Geldhaus steht.

Zunächst einmal die guten Nachrichten: Die Deutsche Bank rechnet damit, dass sie dieses Jahr wieder einen Gewinn machen wird. Wohlgemerkt: zum ersten Mal seit 2014. Das vergangene Jahr schloss Deutschlands größtes Geldhaus noch mit einem Minus von 735 Millionen Euro ab, im Jahr zuvor hatte sogar ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro zu Buche gestanden. „Wir spüren eine neue Disziplin in unserer Bank, die sich auch in Zahlen niederschlägt“, schrieb Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Mittwoch in einem Brief an die Mitarbeiter.

Unter dem Strich verdiente die Bank im dritten Quartal 229  Millionen Euro, in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt 750 Millionen Euro. Das erscheint im Vergleich zu den US-Konkurrenten, an denen sich die Deutsche Bank früher gerne gemessen hat, zwar geradezu lächerlich. So verdiente JP Morgan alleine im dritten Quartal 8,4 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro) und die Bank of America 7,2  Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro). Allerdings hatten die Analysten der Deutschen Bank sogar einen noch niedrigeren Gewinn prophezeit, sie prognostizierten durchschnittlich nur 153 Millionen Euro. Von daher kann man schon fast von einer positiven Überraschung sprechen, wenn auch einer denkbar kleinen. Denn das Quartalsergebnis lag immer noch 65 Prozent unter dem des Vorjahresquartals.

Zusätzlich gute Nachrichten gab es von der Kostenseite. Der Deutschen Bank waren die Ausgaben in den vergangenen Jahren aus dem Ruder gelaufen. Nun sank die bereinigte – also um Sondereffekte reduzierte – Kostenbasis immerhin um ein Prozent verglichen zum Vorjahresquartal und das, obwohl die Bank die Rückstellungen für potenzielle Bonuszahlungen an die Mitarbeiter nun über das ganze Jahr verteilt und nicht mehr alleine im Schlussquartal verbucht. 

Auch beim Stellenabbau kommt die Deutsche Bank voran. Für die Mitarbeiter ist das zwar keine gute Nachricht, wohl aber für das Kredithaus, das deutlich schrumpfen will. 2800 Vollzeitstellen hat es in diesem Jahr bereits abgebaut und beschäftigt nun noch gut 94 700 Mitarbeiter. Ende 2006 waren es noch knapp 100 000 gewesen; Ende 2019 sollen es deutlich unter 90 000 sein.

Nun allerdings die negativen Nachrichten, die sich am Mittwoch auch im Aktienkurs widerspiegelten. Er sank nach Verkündung der Quartalszahlen um bis zu 4,7 Prozent auf nur noch knapp 8,90 Euro. Die Erträge der Bank sinken und zwar in allen Geschäftsbereichen. Sei es in der Unternehmens- und Investmentbank, im Privatkundengeschäft oder im Asset Management – überall sind die Zahlen rückläufig. Das verheißt nichts Gutes für die Zukunft. Die Bank scheint großflächig Geschäft zu verlieren. Die Aufwand-Ertrags-Relation ist daher trotz sinkender Kosten schlecht. Die Bank musste im dritten Quartal mehr als 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu erwirtschaften, ein Jahr zuvor waren es noch – auch nicht gerade glänzende – 83,5 Cent gewesen.

Selbst als stabile Ertragsquellen eingestufte Bereiche wie das Global Transaction Banking – zu dem etwa Dienstleistungen rund um den Zahlungsverkehr von Unternehmen gehören – wiesen im Jahresvergleich gesunkene Erträge aus, was auch den Vorstand „überrascht hat“, wie Finanzchef James von Moltke am Mittwoch eingestand. Die Priorität des Vorstands sei es nun, Stabilität und Ruhe in die Bank zu bringen und dadurch auch Geschäftsfelder wie das Global Transaction Banking zu stützen, das sehr sensibel auf öffentliche Aufmerksamkeit reagiere. Gemeint ist damit wohl, dass die Bank endlich aus den Negativschlagzeilen kommen möchte, die ihr die zahlreichen Skandale der vergangenen Jahre eingebracht und die sicherlich auch zahlreiche Kunden verprellt haben.

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