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Ein Stück weit abgerutscht sind die Chefs der Automobilhersteller. Dieter Zetsche etwa bekam 640.000 Euro bei Daimler.

Topmanager

Was die deutschen Konzernbosse 2018 verdienten

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Die Unternehmenserträge stagnierten 2018, die Topmanager verdienten trotzdem ein bisschen mehr als ohnehin schon. Einer steht einsam an der Spitze.

Das Jahr 2018 war ein gutes Jahr – zumindest aus Sicht der Chefs der 30 größten deutschen Konzerne. Denn obgleich die Unternehmenserträge im Schnitt stagnierten (minus 0,1 Prozent), verdienten die Topmanager wieder ein bisschen mehr als im Jahr zuvor: Die Bezüge stiegen von durchschnittlich 7,3 Millionen Euro im Jahr 2017 um 3,6 Prozent auf einen Durchschnitt von nun 7,5 Millionen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung HKP hervor.

Darüber und darunter gibt es aber wie immer erhebliche Ausschläge – wobei sich die Aufmerksamkeit wie üblich vor allem auf das Darüber richtet. Einsam an der Spitze der Top-Verdiener steht nach Auswertung der Dax-30-Geschäftsberichte Stefan F. Heidenreich, der inzwischen abgetretene Vorstandsvorsitzende des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf. Mit einer Gesamtvergütung von 23,45 Millionen Euro für das vergangene Jahr hat Heidenreich sogar SAP-Chef Bill McDermott übertrumpft, dessen Bezüge für das Geschäftsjahr 2017 zu einem Aufschrei geführt hatten, weil er mit 21,15 Millionen Euro alles hierzulande im Dax bislang dagewesene in den Schatten gestellt hatte. Doch anders als bei McDermott taugt Heidenreichs Bezahlung nicht unbedingt für eine moralingesäuerte Debatte über die Höhe der Vorstandsgehälter. Denn der Grund für die enorme Summe ist weder ein allzu üppiges Grundgehalt, noch ein dicker Bonus für das vergangene Jahr. Beide Posten fallen mit 1,25 und 1,19 Millionen Euro im Vergleich zu denen einiger seiner CEO-Kollegen eher schmal aus. Ins Gewicht fällt dagegen eine langfristige Bonuszahlung von 21 Millionen Euro, die Heidenreich, der Ende 2018 aus dem Vorstand ausgeschieden ist, für die sieben Jahre erhielt, die er den Konzern mit den Marken 8x4, Nivea, Tesa, Labello, Eucerin und vielen anderen als Chef geführt hat.

In die Berechnungen hat HKP nach Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) alle Vergütungselemente einbezogen – einschließlich Altersversorgung und Nebenleistungen wie zum Beispiel Umzugskosten, Dienstwagen, Kranken- und Unfallversicherungen. Ausgewertet hat HKP die bislang vorliegenden Vergütungsberichte von 28 der insgesamt 30 Dax-Unternehmen. Die Berichte des Zahlungsdienstleisters Wirecard und des Industriegasekonzerns Linde lagen noch nicht vor.

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Auf der so entstandenen Liste der Topverdiener steht hinter Heidenreich Allianz-Chef Oliver Bäte mit einer Gesamtvergütung von 10,33 Millionen Euro. Diese unterteilt sich in ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro und einen Bonus von 1,6 Millionen (beide plus 17 Prozent). Den Löwenanteil macht auch hier eine besonders hohe Langfristvergütung von 6,69 Millionen Euro (2017: 1,8) aus, die sich aus einer Auszahlung für drei Geschäftsjahre ergibt. Knapp 700.000 Euro flossen in Bätes betriebliche Altersvorsorge und 17.000 wurden für Nebenleistungen gebucht. Von Platz drei an, den der Vorjahres-Topverdiener Bill McDermott von SAP belegt, wird es dann einstellig – im Millionenbereich. Zum Vergleich: 2017 wurde die Zehn-Millionen-Marke noch von fünf Vorstandschefs geknackt.

Ein Stück weit abgerutscht in der Top-Verdiener-Liste sind die Chefs der Automobilhersteller. Die Vorstandsvorsitzenden von Daimler und BMW ordnen sich mit ihren Bezügen in Höhe von 8,26 Millionen Euro und 5,80 Millionen Euro auf Rang sechs beziehungsweise 17 ein. Wobei vor allem die Jahresboni stark gelitten haben. Dieter Zetsche, dem Daimler 2017 noch fast zwei Millionen Euro gezahlt hatte, musste nun mit 640.000 Euro (minus 68 Prozent) vorliebnehmen. Harald Krügers Bonus wurde von 2,8 Millionen auf 700.000 Euro gestutzt (minus 75 Prozent). Die mehrjährige variable Vergütung blieb dagegen mit Werten von 5,4 und 2,8 Millionen Euro weiterhin sehr hoch. Der vom Diesel-Skandal geschüttelte Autobauer Volkswagen ist aufgrund des Wechsels an der Unternehmensspitze nicht im Vergleich der ganzjährig tätigen Unternehmenschefs enthalten. Herbert Diess, der erst seit April im Chefsessel in Wolfsburg sitzt, würde aber mit seinen Bezügen in Höhe von 8,49 Millionen Euro bereits Daimler-Chef Zetsche von Platz sechs verdrängen.

Auch wenn das Bild zum Teil durch kumulierende Auszahlungen variabler Bezüge mehrerer Jahre verfälscht wird, so konstatiert HKP-Partner Michael Kramarsch: „Wir sehen jetzt seit fünf Jahren ein stetiges Wachstum bei den mehrjährigen variablen Vergütungen und der Altersversorgung, die zusammen circa 60 Prozent der gesamten Vergütung ausmachen.“ Das bedeute, dass die Unternehmen dem Ruf gefolgt seien, die Bezahlung ihrer Top-Manager an den langfristigen Unternehmenserfolg zu binden.

„Rückschritt in die Transparenzsteinzeit“

Das führe aber auch dazu, dass die Höhe der Langfristvergütung, die sich an der Geschäftsentwicklung der letzten vier Jahre ausrichtet, für Beobachter manchmal schwer auszuhalten sei, wenn das Unternehmen im letzten Jahr wenig erfolgreich war. Zudem müsse man sich fragen, „ob Menschen in diesem Vergütungsniveau“ noch Altersversorgungszusagen bräuchten, die die Firmen als Risiko in ihre Bücher nehmen müssten. In den vergangenen Jahren seien die Versorgungszusagen jährlich um zwölf Prozent gewachsen.

Das Problem mit der langfristigen Vergütung wird in Zukunft aber ein anderes sein. Denn die Transparenzvorschriften für genau diese Vergütungselemente fallen weg. Laut Kramarsch werden damit ab dem nächsten Jahr Millionenbeträge bei den Vorstandsbezügen nicht mehr sichtbar sein.

Derzeit folgen nahezu alle Unternehmen den seit 2013/14 geltenden DCGK-Empfehlungen und nutzen für den Vergütungsausweis sogenannte Mustertabellen mit den spezifischen Darstellungen für gewährte und zugeflossene Vergütung. Aufgelistet wird also neben Grundgehalt und Jahresbonus auch die mehrjährige variable Vergütung, und zwar in der Höhe, in der sie wirklich geflossen ist. Ausgewiesen werden auch Nebenleistungen und Altersvorsorgebezüge.

„Mit Blick auf die aktuellen Vorschläge zur Neufassung des DCGK und des Aktiengesetzes wird es diese international führende, hochtransparente Sicht auf die Vorstandsvergütungen nicht mehr geben“, erläutert HKP-Partnerin Regine Siepmann. Die Mustertabellen zum Ausweis der Vorstandsvergütungen würden abgeschafft. An deren Stelle treten alte Transparenzvorschriften, die sich am Handelsgesetzbuch (HGB) orientieren.

Das bedeutet, dass ab dem kommenden Jahr bei den langfristigen Vergütungen nur noch das aufgeführt wird, was dem Manager bei Erfüllung der Unternehmensziele versprochen wird. Nicht mehr aber der Betrag, den er am Ende – abhängig vom Grad seines Erfolgs – tatsächlich erhält. Ebenso herausfallen werden Nebenleistungen und betriebliche Altersvorsorge.

Laut HKP droht Deutschland damit „der Rückschritt in die Transparenzsteinzeit“, da nahezu alle Vergütungspakete über zehn Millionen Euro erst aufgrund der Zuflusstabellen sichtbar seien. Kramarschs Urteil fällt hart aus: „Der Gesetzgeber hat offenbar nicht verstanden, wie wichtig Transparenz ist. Denn der größte Vergütungsunsinn passiert im Dunklen und nicht im Hellen.“

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