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Containerschiffe im Hamburger Hafen. Forscher vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostizieren für 2018 deutlichen mehr Investitionen der deutschen Wirtschaft.

Konjunktur

Deutsche Wirtschaft überwindet Investitionsschwäche

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Für 2018 prognostiziert eine Verbandsumfrage deutlichen mehr Investitionen der deutschen Wirtschaft. Die dürfte auch die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter steigen lassen.

Seit langem gilt die Investitionszurückhaltung als die große Schwäche des wirtschaftsstarken Deutschland. Doch nun zeichnet sich nicht nur eine Besserung ab. Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird sich die bereits angelegte Trendwende im kommenden  Jahr verstärken. Die Forscher berufen sich dabei auf die Ergebnisse ihrer traditionellen Umfrage bei 48 Wirtschaftsverbänden.

Dabei hatten die Branchenvertreter vor zwölf Monaten nicht geahnt, dass der Standort D diesen Makel würde mindern können. Trotz der hohen politischen Verunsicherungen zum Beispiel durch protektionistische Tendenzen seien die Investitionen 2017 in Schwung gekommen, meint IW-Experte Michael Grömling. Und er räumt ein, dass dies unerwartet kam. Doch nun festigt sich die Überzeugung, dass diese positive Überraschung kein vorübergehendes Phänomen ist. Denn diesmal kündigen die Branchen auch ein Plus  an. Bei 24 der 47 Verbände, die dazu eine Antwort gaben, sind die Unternehmen hinsichtlich ihrer Investitionstätigkeit zuversichtlich gestimmt.

Entsprechend ging die Zahl der Branchen, die mit gleichbleibenden Zukunftsausgaben rechnen, von 27 auf 21 zurück. Und nur zwei – der Bergbau und die Keramische Industrie – stellen sich auf ein Minus ein. Wichtig für die Einschätzung ist auch, dass vor allem die großen Wirtschaftszweige wie der Maschinen- und Anlagenbau, die Elektroindustrie, die Auto- und Chemieindustrie ihre abwartende Haltung aufgeben wollen. Selbst der Bankensektor, der eigentlich auf Sparkurs ist und Stellen abbaut, will mehr investieren. Hier ist wie in der ganzen Volkswirtschaft die Digitalisierung ein entscheidender Treiber. 

Generell geht die Wirtschaft mit hoher Zuversicht in das neue Jahr. Weit über zwei Drittel der Verbände erwarten für ihre Firmen eine höhere Produktion. Das deckt sich mit dem Befund der meisten Ökonomen, dass der Aufschwung spürbar an Breite gewinnt. Das ökonomische Umfeld hat sich in zurückliegenden zwölf Monaten noch einmal an aufgehellt. 26 der 48 Verbände sprechen von einer besseren Geschäftssituation als vor einem Jahr. Für 20 hat sich wenig geändert. Nur noch zwei bezeichnen die aktuelle Lage als schlechter. Dies hatten Ende 2016 noch neun Branchenorganisationen so gesehen.

Banken und Versicherungen wollen Stellen streichen

Schlechter läuft es derzeit nur für die Ernährungsindustrie und für die Volks- und Raiffeisenbanken. Bei denen dämpfen der hohe Konkurrenzdruck und steigende Kosten die Stimmung. Den anderen machen der Margendruck durch den ebenfalls intensiven Wettbewerb und die niedrigen Zinsen zu schaffen. Dagegen profitiert die Industrie größtenteils von der überraschend kräftig anziehenden Weltkonjunktur. 

Zudem nützt ihnen, dass auch die Binnenwirtschaft mit einem dynamischen Konsum und eben den sich erholenden Investitionen gut läuft. Nicht ganz so rosig sieht es bei den Dienstleistern auf. Zwar äußern sich die Sektoren Investment und Leasing sowie die Immobilienwirtschaft zufrieden. Die meisten anderen Dienstleister aber spürbaren keine größere Veränderung gegenüber Ende 2016. 

Für die Beschäftigung heißt all dies, dass die Nachfrage nach Arbeitnehmern hoch bleibt. In 19 Wirtschaftszweigen wollen die Firmen ihre Belegschaften erweitern. Weitere 19 wollen den Personalbestand halten. Nur noch neun – also ein Fünftel – kündigen einen Stellenabbau an, nach zwölf vor zwölf Monaten. Nicht nur weite Teile der Industrie suchen qualifizierte Leute.

Auch am Bau und im Handwerk wollen die Chefs einstellen. Allerdings finden sie laut IW oft nicht mehr die Personen, die sie brauchen. Arbeitsplätze streichen werden laut den eigenen Prognosen im Dienstleitungssektor die Banken und Versicherungen. Auch in der Industrie streichen einzelne Branchen Stellen, so die Holzverarbeitung, die Papierverarbeitung, die Druckindustrie und die Keramische Industrie. Die Verbandsumfrage bestätigt aber die fast einhellige Einschätzung der Institute, dass die deutsche Wirtschaft bislang allen politischen Unsicherheiten trotzt und der Aufschwung robuster und kräftiger wird. 

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