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Die beiden großen deutschen Banken sind besonders stressanfällig.
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Die beiden großen deutschen Banken sind besonders stressanfällig.

Stresstest

Deutsche Banken sind die Verlierer

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Nach dem Stresstest herrscht Erleichterung in Deutschland, obwohl die beiden führenden Frankfurter Privatbanken zum schwächsten Zehntel in Europa gehören.

Durchatmen im europäischen Finanzsektor: Der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) hat den meisten Instituten genügend Widerstandskraft bescheinigt, eine schwere Wirtschaftskrise ohne Hilfe von außen zu überstehen. Einzig bei den italienischen Geldhäusern zeigte die Prüfung akuten Handlungsbedarf an. Die Traditionsbank Monte dei Paschi aus der toskanischen Stadt Siena legte allerdings gerade noch rechtzeitig vor Veröffentlichung der erwartet kritischen Resultate einen milliardenschweren Rettungsplan vor. Und so hoffen die gebeutelten Banker, dass die Börsianer sie an diesem Montag milde behandeln.

Auch in Deutschland herrscht Erleichterung, obwohl die beiden führenden Frankfurter Privatbanken laut dem Test zum schwächsten Zehntel in Europa gehören. Die Commerzbank bildet das Schlusslicht im Ranking der hiesigen Geldhäuser. Sie kommt im Stress-Szenario auf eine harte Kernkapitalquote von 7,4 Prozent. Damit rangiert sie deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 9,2 Prozent und erreicht unter 51 Großbanken nur Platz 44. Die Kernkapitalquote zeigt an, wie viele Mittel als Absicherung die Aktionäre als Eigentümer und andere private Geldgeber in Relation zum Geschäftsvolumen (Bilanzsumme) bereitgestellt haben. Die Deutsche Bank kommt unter den Stressbedingungen auf 7,8 Prozent und liegt somit zwei Plätze vor der Commerzbank.

Wie viel Eigenkapital die Finanzkonzerne mindestens ausweisen müssen, legte die Aufsicht diesmal nicht fest. Als Minimum gilt allgemein ein Wert von gut sieben Prozent. Beide Frankfurter Großbanken haben also keinen Spielraum mehr, wenn wie in der Prüfung unterstellt die Wirtschaft über drei Jahre einbricht.

Die dünne Eigenkapitaldecke gilt gerade für die Deutsche Bank mittelfristig als größte Hypothek. Für private Investoren ist es angesichts der schwachen Aktienkursentwicklung wenig attraktiv, den Kreditinstituten Kapital zu geben. Aus ihren Gewinnen kann die Nummer eins in Deutschland die fehlenden Mittel aber auch nicht erwirtschaften. Dennoch beruhigte Vorstandschef John Cryan die Öffentlichkeit: „Wir sind 2016 mit einem besseren Ergebnis aus dem Test herausgekommen als 2014, obwohl der diesjährige Test anspruchsvoller war“. Auch Bundesbankchef Jens Weidmann wertete die Ergebnisse der europäischen Aufsicht als gutes Zeichen. „Der Stresstest zeigt, dass die deutschen Banken gerüstet sind, diesen ausgeprägten Schocks zu widerstehen.“

Gleichwohl läuft die Debatte, wie aussagekräftig die Resultate sind. So kritisierte etwa die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel die Kriterien der europäischen Aufseher als zu lasch. Sie bezeichnete den Stresstest als „zahnlosen Tiger“ und prophezeite, dass die Anleger an den Finanzmärkten weniger Nachsicht zeigen dürften. „Deren Druck könnte stärker ausfallen als der der Aufseher.“ Auch der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel zeigte sich enttäuscht von der EBA: „Auf diesen Stresstest, der eher einer Beruhigungspille gleicht und die Gesamtrisiken nicht erfasst, hätte verzichtet werden können.“

Zugleich meldeten sich Stimmen zu Wort, die ganz im Gegenteil eine zu harte Behandlung gerade der deutschen Banken bemängelten. Sie sind als Universalbanken aufgestellt, also anders als reine Investmentbanken oder andere Spezialhäuser auf mehreren Feldern aktiv. Damit können sie Risiken besser ausgleichen. Dies berücksichtige der Test aber nicht, betonte etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Zudem nahm die Aufsicht an, dass die Banken in einer Krise ihren Kunden deutlich höhere Zinsen gewähren müssten. Dieser Aufschlag durch die Angst vor Pleiten dürfte nach Ansicht von Experten im stabilen Deutschland aber geringer ausfallen als in Krisenländern. Die Platzierung der Deutschen Bank im Schlusszehntel erklärt sich auch dadurch, dass die Prüfer erstmals die Rechtsstreitigkeiten der Institute einbezogen. Ohne sie stünden gerade die Frankfurter deutlich besser dar. Die Deutsche Bank ziehe sich aber gerade aus den auch juristisch riskanten Geschäftsfeldern zurück, hieß es in Finanzkreisen.

Beim größten Sorgenkind, der italienischen Bank Monte dei Paschi, würde das Eigenkapital laut Test durch eine Krise komplett aufgezehrt. Ein am Freitagabend vorgelegter Rettungsplan sieht aber Abhilfe vor. Damit können die Toskaner faule Kredite an einen Bankenrettungsfonds abtreten. Den müssen andere italienische Institute auffüllen. Zudem soll Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro bekommen. An der Beschaffung der Mittel beteiligen sich mehrere führende ausländische Banken.

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