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Deutsche Banken im freien Fall

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Von: Markus Sievers

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Dunkle Aussichten: Die Kurse der Deutschen Bank steuern auf ein Rekordtief hin.
Dunkle Aussichten: Die Kurse der Deutschen Bank steuern auf ein Rekordtief hin. © dpa

Während die Commerzbank ihre Gewinnprognose kippt, fliegt die Deutsche Bank aus der ersten Börsenliga in Europa.

Deutschland kommt einer erneuten Bankenkrise gefährlich nah. Beiden verbliebenen Großbanken ist es in den Tagen nach dem Stresstest nicht gelungen, die Zweifel an ihrer Stabilität zu zerstreuen und den Absturz an den Börsen zu stoppen. Am Dienstag räumte die Commerzbank endgültig ein, dass sie in diesem Jahr ihre Gewinnziele verfehlen wird. Die Aktie büßte zeitweise neun Prozent ein und fiel auf das Rekordtief von 5,22 Euro. In den Sog geriet auch die Deutsche Bank, deren Kurs ebenfalls deutlich nachgab und sich nur knapp über dem historisch niedrigsten Niveau hielt. Bereits am Abend war bekannt geworden, dass die größte Bank des größten EU-Landes aus der ersten Börsenliga in Europa absteigt. Vom 8. August an gehören ihre Anteilsscheine nicht mehr zum Börsenindex Stoxx Europe 50, der die 50 größten Unternehmen Europas abbildet.

Sorgen bei Commerzbank

Den Anlass für die akuten Sorgen um die Zukunft der deutschen Finanzbranche lieferte die Commerzbank. Die Frankfurter hatten schon vergangene Woche erste Informationen über ihr zweites Quartal veröffentlicht, offenbar um die Anleger auf schlechte Nachrichten vorzubereiten. Nun lieferten sie den kompletten Zwischenbericht für das erste Halbjahr. Darin rücken sie klar von ihrer Prognose ab, 2016 erneut einen Milliardengewinn erwirtschaften zu können. „Das Niedrigzinsumfeld und die anhaltende Kundenzurückhaltung (…) werden die Erträge trotz Wachstum weiter belasten“, schreibt das Management. „Wir erwarten daher für das Gesamtjahr, dass das operative Ergebnis und das Konzernergebnis unter dem Vorjahr liegen werden.“

Der frühere Vorstandschef Martin Blessing hatte ursprünglich sogar in Aussicht gestellt, den Überschuss zu steigern. Sein Nachfolger Martin Zielke bemüht sich seit seinem Amtsantritt im Mai, die Erwartungen zu dämpfen. In den ersten sechs Monaten des Jahres brach der Gewinn um über 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein. Die Commerzbank leidet stärker noch als viele Konkurrenten unter den Niedrigzinsen. Das traditionelle Geschäftsmodell, mit der Zinsdifferenz von Krediten und Einlagen Geld zu verdienen, funktioniert so kaum noch. Im Hebst will Zielke daher eine neue Strategie verkünden. Die dreht sich nach den Worten von Finanzchef Stephan Engels um die Themen Kosten, Erträge und Digitalisierung. Vor allem der Mittelstandssparte drohen Kürzungen, da sie die niedrigen Zinsen am härtesten treffen.

Das Privatkundengeschäft entwickelt sich dagegen erstaunlich gut. Die Commerzbank dünnt ihr Filialnetz weniger aus als andere und konnte auch deswegen zahlreiche Kunden neu hinzugewinnen. In der Kritik bei Analysten stehen aber die hohen Kosten. Wie andere Institute auch belastet die Commerzbank ihre Kunden zunehmend mit Gebühren etwa für Kreditkarten, Aktiendepots oder Überweisungen per Papierbeleg. Von Firmen verlangt sie auch bereits Strafzinsen für geparktes Geld. Dies will sie bei Privatleuten aber trotz des enormen Drucks auf die Zinsen durch die Europäische Zentralbank bis auf weiteres vermeiden.

Deutsche Bank in der Talfahrt

Die Deutsche Bank bezahlt den Verfall ihres Aktienkurses mit dem Gang in die Zweitklassigkeit an der Börse. Wenig trösten dürfte die Frankfurter, dass auch die Schweizer Großbank denn Stoxx Europe 50 verlassen muss. Allein seitdem der Brite John Cryan vor gut einem Jahr den Chefposten bei der Deutschen Bank übernommen hat, verlor die Aktie über die Hälfte ihres Wertes. Im Vergleich zu ihrem Höchststand ist die Notierung  auf einen kümmerlichen Rest von etwas mehr als einem Zehntel zusammengeschmolzen. Die Deutsche Bank hatte kürzlich bekanntgegeben, dass sie im zweiten Quartal nur knapp einen Verlust verhindern konnte. Genau wie die Commerzbank landete sie beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht auf den hinteren Rängen. Beide Frankfurter Geldhäuser haben nur kleine Kapitalreserven angelegt, die bei einer Wirtschaftskrise Sicherheit bieten könnten. Vor allem bei der Deutschen Bank ist unklar, wie sie von der Aufsicht verlangten Kapitalpuffer aufbauen soll. Die niedrigen Gewinne und die geringen Aktienkurse erschweren das Bemühen, die nötigen Milliarden zusammen zu bekommen.

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