Immobilienkredite

Deutsche Bank zahlt wegen Anlegertäuschung Milliarden

  • vonStephan Kaufmann
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Wegen fragwürdiger Geschäfte mit amerikanischen Immobilien-Papieren muss die Deutsche Bank für einen Vergleich mehr als sieben Milliarden Dollar zahlen.

Die Deutsche Bank kommt mit einem großen blauen Auge davon. Wegen fragwürdiger Geschäfte mit amerikanischen Immobilien-Papieren muss Deutschlands größtes Geldhaus mehr als sieben Milliarden Dollar zahlen, teilte das US-Justizministerium mit. Ursprünglich hatte es mit einer Strafe von 14 Milliarden Dollar gedroht. Dies hatte Sorgen um die Stabilität der Bank genährt.

Die US-Justizbehörden hatten der Deutschen Bank vorgeworfen, in den Jahren vor der Finanz- und Immobilienkrise amerikanische Anleger getäuscht zu haben. Wie viele andere Banken bündelte die Deutsche Bank unsichere Hypothekenkredite zu komplexen Wertpapieren, die sie dann an Anleger verkaufte.

Als die Immobilienkrise ausbrach und viele Hypothekenschuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, verloren diese Papiere drastisch an Wert. Während die Deutsche Bank die Papiere als sichere Anlage verkaufte, wettete sie intern bereits auf einen Niedergang des Immobilienmarktes, so ein Untersuchungsbericht des US-Senats.

Der nun erzielte Vergleich ist für die Bank teuer, schafft aber Sicherheit. Spekulationen, die Buße könnte sich auf bis zu 14 Milliarden Dollar belaufen, hatte an den Aktienmärkten im im September für Panik gesorgt. Die Aktie der Deutschen Bank stürzte immer tiefer ab. Gerüchte kamen auf, das Geldhaus müsse den deutschen Staat um Hilfe bitten.

In dem Vergleich zahlt die Deutsche Bank nun insgesamt 7,2 Milliarden Dollar (rund 6,9 Milliarden Euro). Zunächst muss sie nur eine Zivilbuße von 3,1 Milliarden Dollar leisten. Darüber hinaus stellt sie 4,1 Milliarden Dollar bereit, mit denen in den nächsten fünf Jahren Erleichterungen für amerikanische Verbraucher finanziert werden. Hierbei handelt es sich laut Deutscher Bank voraussichtlich um veränderte Darlehensbedingungen sowie andere Hilfen für Wohnungseigentümer und Kreditnehmer.

Insgesamt hat die Deutsche Bank seit dem Jahr 2008 mehr als neun Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten aufwenden müssen, errechnet die Finanzagentur Bloomberg. Ende September hatte das Geldhaus für alle anstehenden Rechtsstreitigkeiten zusammen rund sechs Milliarden Euro zurückgestellt. Etwa zwei Milliarden davon sollen für den Hypotheken-Fall reserviert sein. Das reicht nicht.

Für das letzte Quartal des laufenden Jahres erwarten die Frankfurter daher, dass allein die Drei-Milliarden-Dollar-Zivilbuße das Vorsteuerergebnis um 1,2 Milliarden Dollar senken wird. Eine Kapitalerhöhung scheint nicht nötig zu sein.

„Ob die Erleichterungen für US-Verbraucher über vier Milliarden Dollar finanzielle Auswirkungen haben, hängt von den endgültigen Bedingungen des Vergleichs ab“, teilte die Deutsche Bank am Freitag mit. Derzeit erwarte sie daraus keinen wesentlichen Einfluss auf das diesjährige Ergebnis.

Wegen ähnlicher Vergehen wurden bereits viele amerikanische und europäische Banken angeklagt, die meisten retteten sich durch Milliardensummen vor dem Prozess. So zahlte die Bank of America mit 17 Milliarden Dollar weit mehr als die Deutsche Bank. Am Donnerstag einigte sich die Schweizer Credit Suisse mit den US-Behörden auf eine Zahlung von rund 5,3 Milliarden Dollar. Die zweitgrößte Bank der Schweiz nach der UBS zahlt ein Bußgeld von knapp 2,5 Milliarden Dollar an die Staatskasse und Entschädigungen von 2,8 Milliarden Dollar an die Verbraucher.

Nach dem Bekanntwerden des Vergleichs der Deutschen Bank mit der US-Regierung legten die Aktien des Instituts am Freitagmorgen um bis zu fünf Prozent zu. Im Handelsverlauf gaben die Titel die Gewinne aber wieder ab.

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