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Nur für wenige Stunden lag die Aktie der Deutschen Bank am vergangenen Montag im Plus, dann ging es schon wieder steil bergab.

Finanzindustrie

Die Deutsche Bank hat zu viel Vertrauen verspielt

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Die Umbaupläne von Deutschlands größten Geldhaus haben an der Börse nicht überzeugt. Die Analyse.

Die Euphorie war schnell verflogen: Nur für wenige Stunden lag die Aktie der Deutschen Bank am vergangenen Montag im Plus, dann ging es schon wieder steil bergab. Große Sprünge gab es seitdem nicht, das Papier notiert bei schwachen etwa 6,50 Euro. Die Begeisterung über den Konzernumbau, den das Frankfurter Geldhaus am Sonntag bekanntgegeben hat, ist nicht allzu groß. Dabei wirkt der schon ziemlich radikal.

Warum also reißt die angekündigte Rosskur die Anleger nicht von den Stühlen? Schließlich tut die Bank nun das, was sich viele Beobachter schon seit Jahren wünschen. Sie will ihr Investmentbanking stark verkleinern. Sie will ihre viel zu hohen Kosten reduzieren, unter anderem indem sie 18.000 Stellen abbaut. Sie will ihre internen Kontrollen verbessern, um neue Skandale zu vermeiden. Sie will sich stärker auf Bedürfnisse von Firmen- und Privatkunden konzentrieren und damit zu ihren Wurzeln zurückkehren. Hört sich das nicht alles gut an?

Deutsche Bank ist zu lange nur in Tippelschritten vorgegangen

Tut es. Es kommt nur reichlich spät. Die Bank ist zu lange nur in Tippelschritten vorgegangen, hat mal hier, mal da etwas Hand angelegt, aber den großen Wurf gescheut. Die Konkurrenten der Deutschen Bank dagegen haben ihre Umbauten schon vor Jahren in die Wege geleitet und sind dem Institut weit voraus. Dieser Vorsprung dürfte sich noch ausweiten, denn die Frankfurter werden auf Jahre hinaus mit ihrer Restrukturierung beschäftigt sein.

Zudem ist der Glaube an den Umsetzungswillen und die Umsetzungsfähigkeit von Deutschlands größtem Geldhaus stark erschüttert. In den vergangenen Jahren hat die Bank immer wieder neue Strategien vorgelegt, diese dann aber wieder verworfen und nicht oder nur teilweise umgesetzt. Dass das Geldhaus nun zwei Jahre lang keine Dividende zahlen wird, löst an den Märkten natürlich ebenfalls keine Begeisterung aus.

Diese Woche zeigte sich auch wieder, dass die Deutsche Bank eben die Deutsche Bank ist – die ihre Vergangenheit und ihre Unternehmenskultur nicht eben mal so abschütteln kann. Am Mittwoch wurde bekannt, dass das US-Justizministerium Ermittlungen gegen das deutsche Kreditinstitut im Zusammenhang mit dem gigantischen Finanzskandal rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB eingeleitet hat. Damit verfestigt sich in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass es kaum eine Verfehlung gibt, an der die Deutsche Bank nicht beteiligt ist.

Wenn es um ihre Top-Manager geht, sitzt das Geld bei der Deutschen Bank locker

Zudem wurde diese Woche öffentlich, dass die drei Vorstände, die den Konzern im Zuge des Umbaus verlassen werden, insgesamt etwa 26 Millionen Euro Abfindungen und Karenzentschädigungen erhalten werden. Auch wenn solche goldenen Handschläge bei Konzernen üblich sind, so demonstrieren sie doch erneut: Wenn es um ihre Top-Manager geht, sitzt das Geld bei der Deutschen Bank locker; die Selbstbedienungsmentalität scheint in dem Unternehmen tief verankert zu sein.

Vorschusslorbeeren für das Institut gibt es nicht mehr: Um die Öffentlichkeit von seiner Strategie zu überzeugen, muss es liefern. In Form von Umsetzung seiner Pläne und durch Wohlverhalten. „Dies ist ein echter Neustart für die Deutsche Bank - zum langfristigen Vorteil unserer Kunden, Mitarbeiter, Investoren und der Gesellschaft“, sagte Vorstandschef Christian Sewing am Sonntag. Kurz- und mittelfristig allerdings stehen allen Seiten unsichere Zeiten bevor.

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