Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jürgen Fitschen (l), Co-Vorstand der Deutschen Bank und sein Kollege Anshu Jain müssen nun den herben Verlust erklären.
+
Jürgen Fitschen (l), Co-Vorstand der Deutschen Bank und sein Kollege Anshu Jain müssen nun den herben Verlust erklären.

Banken

Deutsche Bank überrascht mit Milliardenverlust

Dass die Deutsche Bank den vierten Quartal 2012 mit einem Minus abschließt, damit haben Experten gerechnet. Die Höhe ist allerdings überraschend - 2,15 Milliarden Euro Verlust.

Steuerrazzia, Kirch-Niederlage, Skandal um manipulierte Referenzzinsen und jetzt auch noch schlechte Zahlen: Die Negativserie für die Deutsche Bank reißt nicht ab. Die erste Bilanz der Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen fällt noch schlechter aus als erwartet. Der Dax-Konzern begründete dies am Donnerstag in Frankfurt mit Kosten für den Konzernumbau und hohen Rückstellungen für die diversen Rechtsstreitigkeiten. Operative Fortschritte wurden im Grunde komplett aufgezehrt.

Im vierten Quartal fiel unter dem Strich ein Verlust von knapp 2,2 Milliarden Euro an. Über das gesamte Jahr gesehen brach der Überschuss um 85 Prozent auf 611 Millionen Euro ein. Analysten hatten zwar mit roten Zahlen im vierten Quartal und einem Gewinnrückgang im Gesamtjahr gerechnet - allerdings nicht in dieser Höhe.

Die Bank bezifferte die Sonderbelastungen - Wertminderungen auf Firmenwerte sowie Aufwand für juristische Auseinandersetzungen - für das Schlussquartal auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Für Rechtsstreitigkeiten wandte das Institut im vergangenen Jahr demnach insgesamt 1,6 Milliarden Euro auf.

Viel Ärger für die Deutschbanker

Deutschlands größte Bank kämpft an vielen Fronten: Im Prozess um die Pleite des Kirch-Medienkonzerns dürfen sich Kirchs Erben nach einem Urteil des Oberlandesgericht München aus dem Dezember Hoffnung auf Schadenersatz in mindestens dreistelliger Millionenhöhe machen. Allerdings rechnen Beobachter damit, dass der Dauerstreit erneut beim Bundesgerichtshof landen wird. Im Skandal um Manipulationen des Referenzzinses Libor ist das letzte Wort zur Rolle der Deutschen Bank nicht gesprochen - noch läuft eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin. Konkurrenten wie die Schweizer UBS zahlten in dem Fall ein Milliardenbußgeld.

Jain und Fitschen, die im vergangenen Juni Josef Ackermann an der Konzernspitze abgelöst hatten, bewerteten die Risiken aus den Rechtsstreitigkeiten um eine Milliarde Euro höher als zuletzt. Damit erhöhte sich der Puffer für mögliche Strafzahlungen zum Jahresende auf 1,8 Milliarden Euro. Außerdem belastete der Abbau von Risiken das Ergebnis.

Das Führungsduo bekräftigte sein im September ausgegebenes Ziel, die Bank neu aufzustellen. „Gleichzeitig haben wir einen grundlegenden kulturellen Wandel in der Bank eingeleitet. Diese Aufgabe wird uns nicht nur die nächsten Monate, sondern über Jahre hinweg beschäftigen“, erklärten Jain/Fitschen in einer Mitteilung. „Dies ist die umfassendste Umgestaltung der Deutschen Bank in der jüngeren Zeit.“ Jain und Fitschen wollen die jährlichen Kosten bis 2015 um 4,5 Milliarden Euro zu drücken. Im Investmentbanking werden 2000 Stellen gestrichen. Das Management stimmte auf weitere Stellenstreichungen ein, ohne Zahlen zu nennen. Binnen Jahresfrist verringerte sich die Zahl der Vollzeitkräfte auf 98.219 (Vorjahr: 100.996), davon 46.308 (47.323) in Deutschland.

Auch das Thema Boni steht auf dem Prüfstand. Am Donnerstag teilte die Bank mit, die variable Vergütung für das Jahr 2012 habe sich auf einen Anteil von neun Prozent an den Erträgen verringert - „das niedrigste Niveau seit vielen Jahren“. Zudem müssen nach Informationen aus Betriebsratskreisen im laufenden Jahr 12 000 bis 15 000 außertarifliche Mitarbeiter in Deutschland auf Gehaltssteigerungen verzichten.

Mehr Eigenkapital

Ihre Eigenkapitaldecke hat die Deutsche Bank trotz des Milliardenverlusts im vierten Quartal kräftig aufgestockt. Die harte Kernkapitalquote nach den schärferen Basel-III-Kriterien habe Ende Dezember bei 8,0 Prozent gelegen, wie die Bank mitteilte. Selbst zugetraut hatte sich die Bank nur 7,2 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte die Quote noch bei weniger als sechs Prozent gelegen, wie das Institut nachträglich einräumte. Der Sprung entspricht einer Kapitalerhöhung von mindestens acht Milliarden Euro, ohne dass die Bank ihre Aktionäre zur Kasse bitten musste. „Das ist der branchenweit schnellste organische Kapitalaufbau“, sagte Co-Chef Anshu Jain in einer Telefonkonferenz. Damit konnte es sich die Bank sogar leisten, die Dividende für 2012 bei 75 Cent stabil zu halten.

Damit ist die Bank aber noch nicht am Ziel: Bis Ende März haben sich die Vorstandschefs Jain und Jürgen Fitschen nun 8,5 Prozent Kernkapitalquote vorgenommen. Bis 2015 soll das Polster aus Aktienkapital und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent steigen. Nach den Vorgaben der Aufseher muss die Bank, die als eines der weltweit wichtigsten Kreditinstitute eingestuft wird, voraussichtlich 9,5 Prozent erreichen. Sie hat dafür aber bis 2019 Zeit. Nach den geltenden Übergangsvorschriften kam die Deutsche Bank Ende 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von 12,5 Prozent. Die Fortschritte sind Ergebnis eines deutlichen Risikoabbaus in der Bilanz. Die Bilanzrisiken (RWA), die mit Eigenkapital abgesichert werden müssen, sanken allein im vierten Quartal auf 334 von 366 Milliarden Euro. Damit machte die Bank die Tatsache wett, dass ihr hartes Kernkapital durch die Verluste seit September um 0,8 auf 38,5 Milliarden schrumpfte.

Vor allem in der internen „Bad Bank“ (NCU), in die überwiegend Altlasten aus der Investmentbank im Volumen von rund 120 Milliarden Euro eingebracht wurden, geht der Risikoabbau voran. Sie ist bis zum Jahresende 2012 auf 95 Milliarden Euro geschrumpft, bis Ende 2013 sollen es weniger als 80 Milliarden Euro sein. Konzernweit sollen die RWA bis Ende März um mehr als 100 Milliarden unter dem Niveau von Mitte 2012 liegen. Bisher hatte die Zielmarke bei 90 Milliarden Euro gelegen. (dpa/rtr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare