+
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.

Quartalsergebnisse

Deutsche Bank sucht Lösungen

  • schließen

Nach dem Fusionsflirt hält wieder die bittere Realität Einzug.

Der Vergleich ist nicht ganz fair, das sei sofort gesagt. Zulässig ist er dennoch - einerseits, weil die Deutsche Bank sich jahrelang an den US-Banken maß, andererseits, um das Quartalsergebnis von Deutschlands größter Bank ins Verhältnis zu setzen. Die größte US-Bank JP Morgan machte im ersten Quartal einen Gewinn von 9,2 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro), die Citigroup verdiente 4,7 Milliarden, Goldman Sachs und Morgan Stanley jeweils 2,3 Milliarden.

Und die Deutsche Bank? 201 Millionen Euro standen unter dem Strich, teilte das Frankfurter Kredithaus am Freitag mit. Das sieht im Vergleich mehr als mickrig aus. Europäische Konkurrenten haben ihre Quartalsergebnisse noch nicht präsentiert, sie werden die Deutsche Bank aber voraussichtlich ebenfalls deutlich übertrumpfen.

Nicht wirklich fair ist das Heranziehen der Zahlen der US-Giganten aber aus mehreren Gründen: Der US-Markt ist im Vergleich zum deutschen und auch zum europäischen riesig - die amerikanischen Banken haben daher andere Verdienstmöglichkeiten. Zudem muss man die Frage stellen, ob so hohe Gewinne wie in den Vereinigten Staaten unbedingt nötig sind - denn im Regelfall heißt das auch, dass die Preise für Bankprodukte einfach höher sind, der Verbraucher also mehr zahlt – oder die Banken möglicherweise mehr ins Risiko gehen.

Erträge bröckeln

Außerdem hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr angekündigt, sich wieder auf ihre Wurzeln zu besinnen: Weg vom ertragreichen, aber volatilen und oft risikobeladenen Investmentbanking, hin zu stabileren, aber weniger ertragreichen Geschäftsfeldern wie dem Privat- und Firmenkundengeschäft. Das kam auch in der deutschen Öffentlichkeit gut an.

Die Deutsche Bank befindet sich nun mitten im Umbauprozess. Was große Risiken birgt, wie das Quartalsergebnis zeigt. Denn dem Geldhaus brechen die Erträge weg, sie sanken in allen Geschäftsfeldern - von knapp sieben Milliarden Euro vor einem Jahr auf nun 6,4 Milliarden Euro. Was zum einen am schwierigen Marktumfeld lag, zum anderen aber auch daran, dass die Bank Personal abbaut, überall spart und einfach stark mit sich selbst beschäftigt ist.

Die Einsparungen führten zwar dazu, dass der Quartalsgewinn um 67 Prozent über dem - sehr schwachen - Ergebnis vom Jahresanfang 2018 lag. Wegen der niedrigeren Erträge stieg die Aufwands-Ertrags-Relation aber im Quartalsvergleich leicht auf 93,2 Prozent - das heißt, die Bank muss mehr als 93 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Das ist ein sehr schlechter Wert. Der Aktienkurs der Deutschen Bank gab am Freitag deutlich nach.

Es gibt aber auch Lichtblicke. So vertrauten Kunden der Bank im ersten Quartal wieder deutlich mehr Geld an, das verwaltete Vermögen in der Privat- und Firmenkundenbank und in der Vermögensverwaltung stieg. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erklärte auch, er stehe einem Zusammenschluss der Fondstochter DWS mit einem Konkurrenten offen gegenüber. Es gibt Gerüchte, denen zufolge die DWS mit dem Fondsanbieter Amundi oder der Fondssparte der UBS verschmelzen könnte.

Nach der Absage einer Fusion mit der Commerzbank prüft der Konzern weiter „alle Alternativen … um langfristig die Profitabilität und die Renditen für unsere Aktionäre zu steigern“, so Sewing. Der „Bild“ sagte er: „Ich erwarte über die nächsten Jahre in Europa noch eine Bankenkonsolidierung. Und dabei möchte ich nicht nur zusehen, sondern auch Akteur sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare