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Deutsche Bank stockt auf

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Von: Rolf Obertreis

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Protest gegen Bonuszahlungen und fossiles Investment der Deutschen Bank im August 2021.
Protest gegen Bonuszahlungen und fossiles Investment der Deutschen Bank im August 2021. © AFP

Nach dem besten Jahresergebnis seit 2011 verteilt das Institut üppige Zulagen an Vorstand und ausgewählte Beschäftigte.

Obwohl seine Bezüge im vergangenen Jahr wegen des ersten Milliarden-Gewinns seit Jahren um rund 19 Prozent auf 8,812 Millionen Euro gestiegen sind, war Deutsche Bank-Chef Christian Sewing nicht der Bestverdiener im größten deutschen Geldhaus. Vier Beschäftigte erhielten mehr, an der Spitze liegt eine Bankerin oder ein Banker mit einem Salär zwischen zehn und elf Millionen Euro. Insgesamt erhalten 520 der knapp 83 000 Beschäftigten – rund 1700 weniger als im Jahr zu vor – einschließlich des Vorstandes jeweils mehr als eine Million Euro.

Diesem wurden insgesamt knapp 66,5 Millionen Euro zugestanden nach gut 47,3 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Der Vorstand hat zehn Mitglieder, die Summe verteilt sich aber auf elf Köpfe, weil es im Jahresverlauf einen personellen Wechsel gegeben hatte. 2020 hatte der Vorstand wegen der Corona-Pandemie auf ein Zwölftel seiner Bezüge und damit auf insgesamt auf 4,6 Millionen Euro verzichtet.

Bonuszahlungen liegen über dem tatsächlichen Gewinn

Generell gingen die Grundgehälter in der Bank im vergangenen Jahr von 7,5 auf 7,4 Milliarden Euro zurück. Dafür erhöhten sich die Boni wegen des Netto-Gewinns von 2,5 Milliarden Euro – des höchsten seit zehn Jahren – um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Nach Abzug von Zinszahlungen für Anleihen lag der Gewinn bei 1,9 Milliarden Euro. Die Bank führt diese Zahl zwar an, nennt sie aber nicht ausdrücklich. So gesehen liegen die Bonuszahlungen über dem tatsächlichen Gewinn. Die Aktionäre sollen zwar für 2021 wieder eine Dividende erhalten. Allerdings wird die Summe mit 700 Millionen Euro deutlich unter den Bonuszahlungen liegen.

Von den Vorstandsgehältern wurde im vergangenen Jahr freilich nur gut ein Drittel tatsächlich ausgezahlt oder stand den Managerinnen und Managern zu. Bei Sewing waren es nach Angaben der Bank knapp 3,6 Millionen Euro. Der Rest fließt ihm erst im Laufe der nächsten Jahre und abhängig von den Ergebnissen der Bank zu. Rund 20 Prozent der Bonuszahlungen für den Vorstand sind an die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen geknüpft. Neben den Bezügen erhalten die Vorstände auch Beiträge für ihre Altersvorsorge. Bei Sewing waren es laut Geschäftsbericht im vergangenen Jahr 773 500 Euro, bei den anderen Vorstandsmitgliedern war es zum Teil noch mehr. Insgesamt belief sich Sewings angesammeltes Vorsorgekapital Ende 2021 auf 6,5 Millionen Euro.

Die Einnahmen sollen trotz des Krieges gegen die Ukraine steigen

Am Donnerstag hatte der Vorstandschef die Ziele der Bank bis 2025 vorgestellt. Danach soll ungeachtet der hohen Unsicherheit durch den Krieg gegen die Ukraine die Netto-Rendite auf das Eigenkapital auf zehn Prozent steigen. Im vergangenen Jahr hatte sie bei 3,8 Prozent gelegen. Die Einnahmen sollen jährlich um 3,5 bis 4,5 Prozent steigen.

„Unsere Bank ist in einer guten Ausgangsposition, um ihre Kunden durch geopolitische und makroökonomische Veränderungen zu führen, einschließlich der aktuellen Unsicherheiten“, sagt Sewing. Das Kredit-Engagement in Russland liege bei brutto 1,4 Milliarden Euro und netto bei 600 Millionen Euro. Das entspricht, so die Bank, nur 0,3 Prozent des gesamten Kreditbuches. Im Blick auf die Ukraine seien es brutto 600 Millionen und netto 42 Millionen Euro. Die Risiken seien damit sehr begrenzt und würden weiter abgesichert.

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