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Die Deutsche Bank hat drei Milliarden Euro für Strafen, Bußgelder und sonstige juristische Kosten beiseitegelegt.
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Die Deutsche Bank hat drei Milliarden Euro für Strafen, Bußgelder und sonstige juristische Kosten beiseitegelegt.

Bilanz

Deutsche Bank sieht kein Licht

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Prozesse verhageln dem Geldhaus die Bilanz, der Vorstand wird umgebaut. Dabei läuft es derzeit im Geschäft nicht schlecht. Die wichtige Sparte Investmentbank profitiert von der Belebung des Anleihehandels. Auch im Privatkundengeschäft zieht der Vorsteuergewinn deutlich an.

Viel Hoffnung auf eine rasche Trendwende haben selbst Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank, nicht mehr. „Beim Blick voraus ist kurzfristig weiterhin mit Gegenwind zu rechnen“, betonen sie.

Dieser Pessimismus beim einst stolzen Marktführer in Deutschland bezieht sich nicht allein auf das sich eintrübende wirtschaftliche Umfeld. Es sind weiterhin die zahlreichen Prozesse, die das Unternehmen teuer zu stehen kommen. Dadurch rutschte der Finanzkonzern im dritten Quartal erneut in die Verlustzone. Drei Milliarden Euro hat das Institut inzwischen in der Bilanz für mögliche Strafen und Bußgelder und sonstige juristische Kosten beiseitegelegt – allein im dritten Quartal noch einmal 894 Millionen Euro. Dies führte in dem Zeitraum von Juli bis September zu einem Fehlbetrag von 92 Millionen Euro. Zwölf Monate zuvor hatte Deutschlands Marktführer noch einen Minigewinn von 51 Millionen Euro erzielt.

Dabei läuft es derzeit im eigentlichen Geschäft nicht schlecht. Die wichtige Sparte Investmentbank profitierte von der Belebung des Anleihehandels. Auch im Privatkundengeschäft zog der Vorsteuergewinn deutlich an. In der Vermögensverwaltung erhöhte die Bank ihren Überschuss. Doch all dies wurde durch die vielen juristischen Auseinandersetzungen und Ermittlungen überlagert.

Die Liste, mit der es die Rechtsabteilung der Bank zu tun hat, ist lang. Weltweit sprachen Händler jahrelang die Höhe wichtiger Zinssätze wie des Libor und des Euribor ab, die als Referenz für milliardenschwere Geschäfte dienen. Dafür verhängte die Europäische Union eine Strafe von 725 Millionen Euro. Doch in den USA und Großbritannien ist die Sache noch nicht ausgestanden.

Fast eine Milliarde Euro hat die Deutsche Bank an die Kirch-Erben gezahlt und damit Mitverantwortung für die Pleite des Medienunternehmens übernommen. Doch die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt weiter wegen des Verdachts auf Prozessbetrug, unter anderem gegen Co-Chef Fitschen. Die US-Behörden, bekannt für ihre Neigung zu extrem hohen Geldstrafen, nehmen das Institut wegen umstrittener Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise ins Visier und prüfen mögliche Verstöße gegen Sanktionen durch Geschäfte mit sogenannten Schurkenstaaten. Auch wird dem Unternehmen vorgeworfen, an der Manipulation weiterer Finanzkennziffern wie Devisenkursen oder den Preisen von Gold oder Silber beteiligt zu sein.

Auch um mit diesen Belastungen besser fertig zu werden, baut der Konzern seinen Vorstand um. Der Aufsichtsrat beschloss, die Machtzentrale um zwei neu geschaffene Posten zu erweitern und Führungskräfte mit anderen Aufgaben zu betrauen. Das neu geschaffene Vorstandsressort Recht übernimmt Christian Sewing (44), der bisher die Konzernrevision leitete. Neu dazu kommt der Investmentbanker Marcus Schenk, den die Deutsche Bank vom Konkurrenten Goldman Sachs abwarb. Der 48-Jährige, sieben Jahre lang Finanzchef beim Energiekonzern Eon, übernimmt diese Aufgabe nun bei der Deutschen Bank und wird im Mai 2015 nach der Hauptversammlung Stefan Krause (51) ablösen. Dieser bleibt aber im Vorstand und übernimmt neue Aufgaben – er soll sich um die Umsetzung der Strategie und die langfristige Entwicklung des Geldhauses kümmern.

Verschuldung ist zu hoch

Den Stresstest der Europäischen Zentralbank hat die Deutsche Bank ohne Probleme bestanden. Selbst ohne die Kapitalerhöhung vom Frühjahr hätte sie die Mindestanforderungen der Aufseher erfüllt. Sie könnte demnach selbst eine schwere Wirtschaftskrise überstehen, ohne Hilfe von außen in Anspruch nehmen zu müssen.

Probleme bereitet allerdings die Verschuldung. Die Verschuldungsquote liegt mit 3,2 Prozent knapp über der Mindestanforderung von 3,0 Prozent. Doch die Aufseher erwägen derzeit, die Norm auf vier Prozent zu erhöhen. Daher will die Deutsche Bank ihre Bilanzsumme verkleinern, damit sie die Quote auch künftig erreicht.

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