+
In der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank bemüht man sich, die Rechtsrisiken für das Geldhaus zu reduzieren.

Deutsche Bank

Schön ist anders

  • schließen

Die Liste der Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank ist weiterhin lang.

Wer wissen möchte, aus welchen Richtungen der Deutschen Bank noch Ärger mit der Justiz und den Aufsichtsbehörden droht, der braucht nach wie vor viel Zeit. Die benötigt man nämlich, um sich die elf DIN-A-4-Seiten im Geschäftsbericht des Instituts für das Jahr 2018 durchzulesen, auf denen das Institut seine noch laufenden Rechtsstreitigkeiten auflistet.

Klar ist: Die Bank hat viele ihrer zahlreichen justiziablen Skandale abgearbeitet, das zeigt das am Freitag veröffentlichte Dokument. Ende 2015 etwa hatte das Frankfurter Geldhaus noch 5,5 Milliarden Euro für drohende Strafen, Entschädigungszahlungen oder Vergleiche wegen dubioser Geschäfte zurückgestellt, Ende 2016 waren es sogar 7,6 Milliarden Euro.

Dagegen sehen die 1,2 Milliarden Euro, die die Bank Ende 2018 als Rückstellungen für Risiken aus Zivilprozessen und Prozessen mit Regulierungsbehörden ausweist, geradezu mickrig aus. Gut 1,0 Milliarden Euro musste das Institut 2018 für die Beilegung von Streitigkeiten ausgeben – ein Jahr zuvor waren es noch 5,2 Milliarden Euro gewesen. Allerdings warnte das Institut in seinem Geschäftsbericht bereits, dass die Aufwendungen für Rechtsrisiken 2019 wieder „signifikant über dem Niveau von 2018“ liegen dürften.

Die Bank macht also klare Fortschritte bei der Aufarbeitung ihrer unrühmlichen Geschichte. Der enorme Reputationsschaden bleibt jedoch, genau wie nicht unerhebliche finanzielle Risiken.

Viele Augen richteten sich am Donnerstag auch wieder auf die Veröffentlichung der Vergütung von Vorständen und Mitarbeitern der Deutschen Bank. Insgesamt erhielten die Mitarbeiter Boni in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, nach 2,3 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Davon gingen 1,0 Milliarden Euro an die Investmentbanker. Die Deutsche Bank hatte 2018 nach drei Verlustjahren erstmals wieder einen Gewinn ausgewiesen. Ein Teil der Reduktion des Bonustopfes geht auf sinkende Mitarbeiterzahlen bei der Bank zurück. Im Jahr 2011 hatte das Institut noch 3,6 Milliarden Euro Boni verteilt.

643 Mitarbeiter im Konzern, zu dem auch die Postbank gehört, verdienten 2018 mehr als eine Million Euro, nach 705 im Jahr 2017. Zum Vergleich: Bei der Commerzbank, mit der die Deutsche Bank derzeit Fusionsgespräche führt, erhielten 2017 (Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor) nur zwölf Personen mehr als eine Million Euro, was ein weiteres Indiz für die vollkommen unterschiedlichen Unternehmenskulturen bei den beiden Instituten ist. Die Commerzbank hat allerdings auch nur knapp 50 000 statt wie die Deutsche Bank mehr als 90 000 Mitarbeiter.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erhielt für 2018 eine Gesamtvergütung von sieben Millionen Euro, nach 2,9 Millionen Euro im Vorjahr. Die Erhöhung geht zum einen darauf zurück, dass Sewing im April 2018 den Chefposten übernahm, zum anderen erhielten die Vorstände erstmals seit drei Jahren wieder eine variable Vergütung. Das höchste Salär im Vorstand bekam der Leiter der Unternehmens- und Investmentbank, Garth Ritchie, mit 8,6 Millionen Euro. Die Gesamtvergütung des Vorstands lag 2018 bei 55,7 Millionen Euro nach 29,8 Millionen Euro 2017.

Der Brite John Cryan, der im Frühjahr 2018 unfreiwillig den Chefposten bei der Bank räumen musste, erhielt eine Abfindung von 8,7 Millionen Euro, die schrittweise über die nächsten Jahre hinweg ausgezahlt wird. Zusätzlich bekam er 2,2 Millionen Euro als Entschädigung dafür, dass er vorerst nicht für Wettbewerber arbeiten darf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare