1. Startseite
  2. Wirtschaft

Deutsche Bank ohne Kronprinz

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Aufwärts in die Berge: Weber wechselt in die Schweiz.
Aufwärts in die Berge: Weber wechselt in die Schweiz. © dapd

Die Nachricht dürfte bei der Deutschen Bank eingeschlagen haben wie eine Bombe: Axel Weber, der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, wird Präsident des Verwaltungsrates der Schweizer Großbank UBS.

Von Antje Schüddemage

Im kommenden Jahr soll er laut UBS zunächst als Vizepräsident in den Verwaltungsrat gewählt werden und 2013 dann an die Spitze der Bank rücken. Die Nachfolge von Präsident Kaspar Villiger anzutreten und damit die Zukunft eines „dynamischen weltweit tätigen Finanzdienstleisters“ mitgestalten zu können, sei für ihn eine „attraktive Perspektive“, sagte Weber gestern.

Für den deutschen Branchenprimus ist die Personalie brisant, weil Weber als Top-Kandidat im Rennen um die Nachfolge von Josef Ackermann gehandelt wurde. Der Deutsche-Bank-Chef soll ihn selbst hinter den Kulissen als seinen „Kronprinzen“ ins Spiel gebracht haben. Zudem machen die Aktionäre zunehmend Druck, sie wollen endlich einen Kandidaten präsentiert bekommen – schließlich hatte Ackermann eigentlich schon 2010 abtreten wollen, seinen Vertrag aber noch einmal bis 2013 verlängert, weil kein geeigneter Nachfolger zur Verfügung stand.

Webers Profil schien zu passen

Ackermann sucht eine führungsstarke Persönlichkeit mit hervorragenden internationalen Verbindungen. Der Ex-Bundesbank-Chef ist weltweit auf höchster Ebene vernetzt, wird von Regierungschefs und Notenbankern als Gesprächspartner geschätzt. Keiner aus den eigenen Reihen der Deutschen Bank, ob Investmentbankchef Anshu Jain, Risikovorstand Hugo Bänziger oder Privatkundenchef Rainer Neske, die ebenfalls als mögliche Nachfolger gehandelt werden, brächte so ein Netzwerk mit. Zudem schätzt Ackermann Weber auch persönlich, seit die beiden im Herbst 2008 in nächtlichen Aktionen die Hypo Real Estate gerettet haben.

Freilich ist fraglich, ob Weber tatsächlich ein geeigneter Kandidat für den Chefposten der größten Deutschen Bank gewesen wäre. Zwar hat er sich als Professor der Ökonomie, Mitglied des Sachverständigenrates und Bundesbanker ein hohes Ansehen auf dem Gebiet der Geldtheorie und Geldpolitik erworben. Allerdings ist die Bundesbank nur dem Namen nach eine Bank, tatsächlich ist sie eine Behörde.

„Erfahrung bei der Leitung einer Geschäftsbank ist eine wichtige Voraussetzung für den Vorstandssprecher der Deutschen Bank“, sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Diese fehle Weber aber, insofern „scheint es mir kein Verlust zu sein“, dass er nun nicht mehr zur Verfügung stehe. Nach Ansicht von Hein wäre das Geldhaus sogar ein großes Risiko eingegangen, wenn es sich für Weber entschieden hätte.

Ob Ackermann und die Deutsche Bank Weber verpflichten wollten und nur zu lange gewartet haben oder seinen Namen schon längst von der Liste der Nachfolger gestrichen hatten, wird nicht mehr zu klären sein. Aus den Doppeltürmen im Frankfurter Bankenviertel hieß es heute: „Kein Kommentar“.

UBS ist stolz über Weber-Anwerbung

Bei der UBS jedenfalls hat man entschlossen zugegriffen. Stolz über seinen Coup präsentierte UBS-Chef Villiger die Entscheidung: Der Ex-Bundesbankchef sei „eine starke Persönlichkeit von internationalem Format“. Weber sei Experte im internationalen Finanz- und Bankwesen und eine führungsstarke Person. „Ich bin überzeugt, dass sein Erfahrungsschatz und seine Fähigkeiten für UBS äußerst wertvoll sein werden“, sagte der Bankchef.

Die letzte Entscheidung, ob Weber tatsächlich in Ackermanns beschauliches Heimatland umziehen wird, treffen nun die deutschen Währungshüter. Ihre Zustimmung ist nach dem zwischen Weber und der Bundesbank geschlossenen Vertrag nötig. Die Entscheidung fällt am 12. Juli.

Auch interessant

Kommentare