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Deutsche-Bank-Chef Sewing: „Die radikalste Transformation seit zwei Jahrzehnten hat ihren Preis.

Jahresbilanz

Deutsche Bank macht erneut Milliardenverlust

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Konzernchef Sewing gibt sich dennoch kämpferisch. Der Umbau wird das Institut aber auch im Jubiläumsjahr beschäftigen.

Betont gut gelaunt trat Christian Sewing am Donnerstagmorgen ans Rednerpult. „Obwohl wir nach einem kleinen Gewinn im Vorjahr nun einen hohen Verlust gemacht haben, erleben Sie mich heute hier sehr zuversichtlich“, sagte der Chef der Deutschen Bank in Frankfurt. „Warum? Weil wir auf einem guten Weg sind.“ Sprach’s und präsentierte den anwesenden Journalisten ein Minus nach Steuern von 5,3 Milliarden Euro für 2019 – und damit das fünfte Verlustjahr in Folge. Allein im vierten Quartal betrug der Fehlbetrag rund 1,5 Milliarden Euro.

Das Geschäftsjahr 2018 war ursprünglich das erste mit einem Überschuss seit 2014. Die Bank erklärte es aber auf Basis einer Neuberechnung wegen der Neuaufstellung der Geschäftsbereiche nachträglich zu einem weiteren Jahr mit Miesen.

Verantwortlich für die tiefroten Zahlen ist die, so Sewing, „radikalste Transformation der Deutschen Bank seit zwei Jahrzehnten“. Das Geldinstitut hatte im vergangenen Sommer eine umfassende Neuaufstellung beschlossen. Das Ziel: profitabler und kundenorientierter werden. Das Investmentbanking, das dem Geldhaus in der Vergangenheit zwar hohe Gewinne aber auch milliardenschwere Strafen und einen damit einhergehenden Reputationsverlust eingebrockt hat, soll verkleinert und Kern des neu ausgerichteten Instituts soll die Unternehmensbank werden, die sich auf das Geschäft mit Mittelständlern, Familienunternehmen und multinationalen Konzernen konzentriert. Und natürlich wird massiv an der Kostenschraube gedreht. Das alles habe „seinen Preis“, sagte der Konzernchef am Donnerstag. Deshalb solle der hohe Jahresverlust niemanden überraschen – zumal bereits 70 Prozent der bis 2022 erwarteten Gesamtkosten für den Umbau verbucht seien. Der Verlust sei „vollständig auf die umbaubedingten Maßnahmen zurückzuführen“.

Maßnahmen - darunter ist neben dem Verkauf von Sparten zuallererst der massive Abbau von Arbeitsplätzen zu verstehen. Die Zahl der Beschäftigten, umgerechnet in Vollzeitstellen im Konzern, sank im Laufe des vergangenen Jahres um mehr als 4100 auf 87 597. Und es sollen noch deutlich mehr Kolleginnen und Kollegen gehen: Bis Ende 2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen auf weltweit 74 000 sinken. Wo diese Stellen wegfallen und wie stark Deutschland davon betroffen sein wird, wollte Sewing nicht bekanntgeben.

Beim Umbau sieht der Deutsche-Bank-Chef sein Unternehmen im Plan. Das machte Sewing vor allem an der Entwicklung der sogenannten Kernbank fest, die die Geschäftsbereiche umfasst, die das Institut fortführen will, also Unternehmensbank, Privatkundenbank, Investmentbank und die Vermögensverwaltung. Sie erzielte 2019 einen Gewinn vor Steuern von 543 Millionen Euro. Bereinigt unter anderem um Umbaukosten und Wertberichtigungen waren es 2,8 Milliarden Euro, ein Anstieg um sieben Prozent zum Vorjahr. „Wir sind auf einem guten Weg, unsere Strategie greift“, sagte Sewing gut gelaunt.

Insgesamt gingen die Erträge im vergangenen Jahr aber um 8,5 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück, während die Kosten vor allem wegen der Milliardenaufwendungen für den Konzernumbau um knapp sieben Prozent auf 25,1 Milliarden Euro kletterten. Bereinigt um die Sondereffekte lagen die Kosten bei 21,5 Milliarden Euro. „Damit haben wir das zweite Jahr in Folge unser selbst gestecktes Ziel erreicht“, so Sewing. Bis 2022 sollen die Kosten auf 17 Milliarden Euro sinken.

Bankenexperte Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch kann die gute Laune des Deutschen-Bank-Chefs nicht nachvollziehen. „Es ist zwar sein Job, eine positive Stimmung zu verbreiten. Ich halte es aber für sehr bedenklich, dass die Deutsche Bank trotz der sehr guten konjunkturellen Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren einen Verlust von insgesamt rund 15 Milliarden Euro eingefahren hat“, sagte Hein der Frankfurter Rundschau. „Was passiert denn, wenn die Konjunktur kippt und die Risikokosten steigen?“

Dass die Deutsche Bank auch in diesem Jahr wieder Boni in bislang ungenannter Höhe ausschütten will, findet Hein „absurd“. „Wie kann man das bei einem Verlust in dieser Höhe rechtfertigen?“, fragt der Analyst.

Deutsche-Bank-Chef Sewing wollte am Donnerstag dazu keine Zahlen nennen. Er verwies lediglich auf das schon häufig ins Feld geführte Argument, dass sich ohne nennenswerte Bonuszahlungen kein gut qualifiziertes Personal rekrutieren ließe. Insgesamt werde aber der Bonustopf für alle Mitarbeiter kleiner. Der Bank-Vorstand, soviel ist zumindest bekannt, erhält für 2019 voraussichtlich Boni in Höhe von 13 Millionen Euro, etwa halb so viel wie im Jahr zuvor. Die Topmanager verzichten auf die sogenannte individuelle erfolgsabhängige Vergütung. „Wir hielten es für richtig, unseren Beitrag zu leisten“, sagte Sewing. Da alle Ziele erreicht worden seien, hätte der Vorstand auch die gesamte variable Vergütung in Anspruch nehmen können.

Im neuen Jahr, in dem die Deutsche Bank ihr 150-jähriges Bestehen feiert, will das Geldhaus seine Kosten weiter senken und seine Marktposition ausbauen. Das größte deutsche Kreditinstitut will dabei auch seine Kunden bei der Transformation hin zu einer CO2-ärmeren Wirtschaft aktiv unterstützen und ebenso vor der eigenen Türe kehren: „Wir sitzen an einer Überarbeitung unserer Öl- und Gaspolicy“, sagte Sewing.

Das Frankfurter Geldhaus strebt in diesem Jahr einen Gewinn an – zumindest vor Steuern. Allerdings werde auch das Jahr 2020 von den Umstrukturierungen betroffen sein. Man sei aber „zuversichtlich“ diesen mit vorhandenen Mitteln stemmen und nun wieder wachsen zu können. „Wir greifen an – und das nachhaltig“, schloss der Deutsche-Bank-Chef.

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