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Deutsche Bank im Kreuzverhör

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Stephan Leithner, Rechtsvorstand der Deutschen Bank.
Stephan Leithner, Rechtsvorstand der Deutschen Bank. © REUTERS

Weil der Deutsche-Bank-Chef Jain sich vor einer Aussage im Finanzausschuss des Bundestags drückt, schickt die Bank einen Anwalt in die Manege. Der gibt nicht viel preis.

Von Grit Beecken

Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages hat sich in die Aufklärung des Zinsskandals eingeschaltet und am Mittwoch Banker und Aufseher gefragt, warum die jahrelange Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor keinem aufgefallen ist.

Der wichtigste Informant war Stephan Leithner, Rechtsvorstand der Deutschen Bank. Eigentlich sollte Bankchef Anshu Jain aussagen. Er sagte aber ab – zum großen Ärger der Abgeordneten. „Wer in einer solchen Situation die öffentliche Verantwortung ablehnt, diskreditiert sich selbst. Das lässt Rückschlüsse auf die Arbeitsweise im Investmentbanking zu“, sagte Lothar Binding (SPD).

Tatsächlich war Jain während der Manipulation Chef des Investmentbankings und somit nach Ansicht seiner Kritiker streng genommen verantwortlich. Doch davon will die Deutsche Bank nichts wissen. „Wir haben Einzelpersonen, bei denen wir Fehlverhalten festgestellt haben,“ sagte Leithner:„Wir haben keine Involvierung des Managements.“ Die Worte stehen streng in der Kommunikationslinie der Bank. Details, wer im Hause wann von den Manipulationsvorwürfen erfahren hatte, wollte Leithner unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Versagten interne Kontrollen?

Auch die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin musste den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Warum hat es so lange gedauert, bis die Aufseher aktiv geworden sind und bei der Deutschen Bank eine Sonderprüfung starteten? Sie sahen dafür anscheinend keinen Grund. Exekutivdirektor Raimund Röseler sagte, er reagiere nicht auf jedes Marktgerücht: „Wir haben nicht die Rolle einer Staatsanwaltschaft.“ Die Bafin habe schon 2008 den Eindruck gehabt, der Libor funktioniere nicht richtig, sie habe aber nicht an kriminelle Energie gedacht.

Nur einer sprach Tacheles, und das war ausgerechnet Hugo Bänziger, der frühere Risikochef der Deutschen Bank. Er deutete an, dass die internen Kontrollmechanismen des Instituts möglicherweise versagten: „Wir haben in der Krise festgestellt, dass nicht alle Kontrollen so gut waren wie wir uns das vorgestellt hatten“, erklärte Bänzinger. Dieses Detail könnte pikant werden. So wurde die Schweizer Bank UBS in dieser Woche zu einer hohen Geldstrafe verdonnert, weil ihre internen Risikokontrollen nicht ausreichten, den Betrug eines Händlers aufzudecken. (mit Reuters)

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