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Deutsche Bank krempelt Vorstand um

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Gleich zum Amtsantritt muss Anhu Jain eine Niederlage verkraften.
Gleich zum Amtsantritt muss Anhu Jain eine Niederlage verkraften. © dapd

Es sollte ein Coup werden: Der neue Deutsche-Bank-Chef Jain plante, Ackermanns wichtigsten Risikovorstand durch einen eigenen Mann zu ersetzen. Doch der Wunschkandidat scheitert an der Bafin.

Von Bernd Salzmann

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat am Freitag einem radikalen Umbau an der Konzernspitze zugestimmt. Das künftige Führungs-Duo des Instituts muss allerdings eine schmerzliche Niederlage verkraften: Der Wunschkandidat von Anshu Jain und Jürgen Fitschen für den Posten des Risikovor-stands erhielt nicht den Segen der Finanzaufsicht Bafin. Nun wird Stuart Lewis statt Bill Broeksmit in den Vorstand rücken.

Besonders Anshu Jain dürfte die Entscheidung der Bafin wehtun: Broeksmit war sein Mann. Er ist der Risikochef in Jains Londoner Reich, dem Corporate and Investment Banking. Damit zählt Broeksmit, der wie Jain früher bei der US-Investmentbank Merrill Lynch gearbeitet hat, zu den engsten Vertrauten des Ackermann-Nachfolgers.

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Heikel ist die Personalie auch, weil Broeksmit den Ackermann-Vertrauten Hugo Bänziger ersetzen sollte, der einen hervorragenden Ruf als Risikoexperte genießt. In der Branche diente diese Entscheidung häufig als Beleg dafür, dass nun die Investmentbanker aus London die Deutsche Bank übernehmen ? mit allen Folgen für das Geschäftsgebaren des weltweit wichtigen Geldhauses. Jains Mitstreiter freilich hatten immer wieder versucht, diesen Eindruck zu zerstreuen, nachdem das Personaltableau von Jain und Fitschen vorzeitig durch eine Indiskretion publik geworden war. Ein Richtungswechsel sei nicht zu befürchten, hieß es, die Trennung von Bänziger sei „eine persönlich geprägte Entscheidung“ gewesen.

Bänziger wurden immer schon Ambitionen nachgesagt, Ackermann auf den Chefposten nachfolgen zu wollen. Seit fest stand, dass Jain und Fitschen Ende Mai das Ruder beim deutschen Branchenprimus übernehmen werden, soll er sich auch außerhalb nach neuen Aufgaben umgesehen haben. Unter anderem wurde dem Schweizer nachgesagt, es ziehe ihn zurück in seine Heimat zur UBS.

Warum genau die Bafin Jains Favoriten Broeksmit als neuen Risikovorstand abgelehnt hat, wurde am Freitag nicht bekannt. Weder die Finanzaufsicht selbst noch die Deutsche Bank wollten sich dazu äußern. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verwahrte sich gegen Spekulationen, Einfluss auf die Behörde ausgeübt zu haben.

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Grundsätzlich ist die Finanzaufsicht dafür da, für ein „funktionsfähiges, stabiles und integres deutsches Finanzsystem“ zu sorgen. Dafür hat die Bafin weitreichende Kompetenzen. Laut Kreditwesengesetz (KWG) spricht sie bei jeder Vorstandspersonalie von Banken und Versicherern mit. Sie muss die Eignung und Zuverlässigkeit der Kandidaten prüfen. An einem dieser Kriterien muss der US-Amerikaner gescheitert sein, der angeblich in London „Dr. No“ genannt wird, weil er nicht für jedes riskante Geschäft zu haben sei.

Der neue Risikovorstand Stuart Lewis hat gegenüber Broeksmit zumindest einen Vorteil: Als Stellvertreter von Bänziger kennt der Schotte bereits den gesamten Konzern aus dem Effeff, nicht nur das Corporate und Investment Banking.

Neben Lewis rücken Stephan Leithner (Personal, Recht, Kontinentaleuropa ohne Deutschland) und Henry Ritchotte (Technologie, Steuerung Betriebsprozesse) in den Vorstand, wie die Deutsche Bank gestern nach der Aufsichtsratssitzung mitteilte. Das Austauschprogramm kostet außer Bänziger auch Hermann-Josef Lamberti den Job.

Aus dem erweiterten Vorstand, dem Group Executive Committee (GEC), müssen Kevin Parker und Pierre de Weck gehen. Sie werden an der Spitze des Geschäftsfelds Asset & Wealth Management von Michele Faissola ersetzt. Neben Faissola und den drei neuen Vorstandsmitgliedern rücken neun neue Manager in das GEC, das zum 1. Juni um sechs auf 18 Mitglieder erweitert wird: Gunit Chadha und Alan Cloete teilen sich die Rolle als Asien-Chefs, Colin Grassie führt das Geschäft in Großbritannien. Colin Fan rückt als Co-Chef im Investmentbanking mit Robert Rankin zusammen. Rankin ist künftig auch für Unternehmensfinanzierung zuständig.

Die Bank gab überdies bekannt, dass der Aufsichtsrat der Hauptversammlung Paul Achleitner (Allianz), Peter Löscher (Siemens) und Klaus Trützschler (Franz Haniel) zur Wahl in das Kontrollgremium vorschlägt. Achleitner soll danach zum Aufsichtsratschef gewählt werden.

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