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Der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt.
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Der Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt.

Quartalszahlen

Deutsche Bank kämpft gegen Niedergang

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Die Deutsche Bank schrumpft an der Börse weiter. Der Umbau des Geldinstituts belastet das Ergebnis im zweiten Quartal.

Die Deutsche Bank hat den Fall in die Verlustzone gerade noch abgewehrt. Konzernchef John Cryan hebt dennoch die Stärke des Konzerns hervor. Der Kursverfall an den Börsen zeigt, dass die Anleger  den Worten nicht trauen.

Wie steht es aktuell um die Deutsche Bank? Im zweiten Quartal sank der   Gewinn nach Steuern auf 20 Millionen Euro. Das entspricht einer minimalen Eigenkapitalrendite von 0,1 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte die größte deutsche Bank noch 818 Millionen Euro verdient. In den ersten drei Monaten 2016 betrug der Überschuss 236 Millionen. Die Erträge, also die Einnahmen, sanken zwischen April und Juni  um ein Fünftel auf 7,4 Milliarden Euro. Der ohnehin stark geschrumpfte Aktienkurs gab nach Bekanntgabe der aktuellen Geschäftszahlen noch einmal deutlich nach.

Wie erklärt sich die Talfahrt? Die schlechten Ergebnisse kommen nicht als Überraschung. Die Analysten hatten damit gerechnet. Bankchef Cryan führt als Begründung das schwierige Marktumfeld, die Unsicherheit nach dem Votum der Briten für den EU-Ausstieg und die extrem geringen Zinsen an. Dazu kommen die Belastungen durch die laufende Neuausrichtung. Dazu sagte Cryan: „Der anhaltende Umbau der Bank schlägt sich in unseren  Ergebnissen nieder. Wir sind aber zufrieden mit unseren Fortschritten.“

Wie baut der Vorstand die Bank um? Das Management trennt sich bewusst von riskanten Geschäftsfeldern oder lässt sie schrumpfen. Dies trifft beispielsweise die Unternehmensfinanzierung und die Vermögensverwaltung. Ein Schwerpunkt ist die Kostensenkung, zu der auch der Abbau von Arbeitsplätzen gehört. In Deutschland etwa schließt der Konzern  188 Filialen und streicht knapp 3000 Stellen. Weitere 1000 Arbeitsplätze will der Vorstand einsparen – darüber laufen noch die Verhandlungen.  Weltweit sollen dem Sparkurs 9000 Jobs zum Opfer fallen.

Was ist mit der Postbank? Auch von ihr wollte sich die Führung trennen, allerdings die alte Führung. Seit seinem Amtsantritt verfolgt der heutige Chef Cryan das Projekt eher halbherzig. Bei den heutigen Aktienkursen würde   ein Börsengang kaum die erhoffte Summe einbringen. Auch bei einem Verkauf an einen Investor müsste die Deutsche Bank Abstriche hinnehmen. Einerseits braucht sie die Milliarden, um das dünne Kapitalpolster zu füllen. Andererseits arbeitet die Postbank profitabel und könnte durch ihr Geschäftsvolumen helfen, Kosten pro Kunden im Privatverbrauchergeschäft zu drücken. Einen Zeitdruck gebe es nicht, stellte Finanzchef Marcus Schenk klar. „Einige glauben, dass wir die Postbank 2017 verkaufen müssen - das ist nicht der Fall“, betonte Schenck in einer Telefonkonferenz.

Kann Cryan mit seinem Konzept die Bank wirklich aus der Talsohle herausführen? Die Reaktion der Aktionäre belegt die tief sitzenden Zweifel an der Strategie Cryans. Er selber räumte ein: „ Sollte das derzeit schwache wirtschaftliche Umfeld anhalten, müssen wir bei Geschwindigkeit und  Intensität unseres Umbaus noch ehrgeiziger werden.“ Eine schwere Hypothek ist die dünne Kapitaldecke. Die Kernkapitalquote, der Puffer für Krisenzeiten, erhöhte sich zwar leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent. Damit bleibt sie unter den Sicherheitsniveaus, die die Aufsicht verlangt und die Bank selbst anstrebt.   Unklar ist, wie die Deutsche Bank die Kapitallücke füllen kann. Die Gewinne reichen dafür nicht. Eine nochmalige Kapitalerhöhung hat Cryan ausgeschlossen. Und: Die Erträge sackten auch in den Bereichen ab, die Cryan als Zukunftsfelder benannt hat. Im Wertpapierhandel, in der Unternehmensfinanzierung und der Fusionsberatung sieht er Potential – bisher geben die Zahlen das nicht her.

Wie stark belasten die vielen Rechtsstreitigkeiten? Im zurückliegenden Quartal schlugen sie kaum zu Buche. Sie belasteten das Ergebnis mit 120 Millionen Euro. Das ist ein Zehntel der Kosten, die ein Jahr zuvor anfielen. Die Auseinandersetzungen sind aber noch nicht abgeschlossen.  Laut Finanzchef Schenk strebt das Unternehmen aber an, die wichtigsten Verfahren mit Klägern und Aufsehern in diesem Jahr zu beenden. Dazu zählt er die Klage in den USA im Zusammenhang mit Immobilien-Spekulationen und Geldwäsche-Vorwürfe in Russland. Für all diese Fälle hat das Institut 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt.

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