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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will die Kontrolleure seiner Bank vom Sinn einer Fusion überzeugen, heißt es.

Deutsche Bank und Commerzbank

Unruhe in den Bankentürmen

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Viele Blicke richten sich derzeit auf Commerzbank und Deutsche Bank.

Wir wissen nichts, wir haben keine Ahnung, wir hängen total in der Luft“, sagt eine Beschäftigte der Commerzbank. Seit Sonntag wird offiziell über die Fusion des Kreditinstituts mit der Deutschen Bank verhandelt. Am Donnerstag tagten die Aufsichtsräte der beiden Unternehmen. Details über mögliche Beschlüsse wurden zunächst nicht bekannt.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wolle die Kontrolleure seines Geldhauses vom Sinn einer Fusion mit dem kleineren Konkurrenten überzeugen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Was insbesondere bei den Vertretern der Arbeitnehmerseite schwer werden dürfte: Sie befürchten nach einer Fusion den Abbau von 30 000 bis 50 000 Arbeitsplätzen und haben bereits Widerstand angekündigt.

Sewings Argumente für einen Zusammenschluss dürften sein: Die neue Bank würde etwa im Privatkunden- und Unternehmenskundengeschäft erheblich an Stärke auf dem umkämpften deutschen Markt gewinnen und könnte Kostensynergien – eben auch durch Stellenabbau – heben. Hinzu kommt, dass die Refinanzierungskosten der neuen Bank sinken könnten, auch, da der deutsche Staat an dem neuen Institut beteiligt wäre. Denn der hält derzeit noch gut 15 Prozent an der Commerzbank.

Verschmelzung wäre komplex und langwierig

Indes zeichnet sich immer klarer ab, dass eine Verschmelzung ein äußerst komplexes und langwieriges Unterfangen wäre. So soll Sewing damit rechnen, dass ein Deal nicht vor 2020 unter Dach und Fach gebracht werden kann. Auch weil die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat und schon mahnt. Ignazio Angeloni, Mitglied des EZB-Gremiums, sagte, die beiden Institute müssten sich auf eine rigide Überprüfung gefasst machen. Die Aufseher wollten sich anschauen, ob es überhaupt einen realistischen Businessplan für eine „Deutsche Commerzbank“ gebe. Womöglich komme man da zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen in puncto Kapital und Liquidität als die Bankmanager, so der Italiener.

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Die Aufsicht hat in der Vergangenheit großen Wert auf robuste Finanzen gelegt. So musste sich 2016 die italienische Banco Popolare SC erst einmal eine Milliarde Euro frisches Kapital besorgen, bevor sie mit der Banca Popolare di Milano zusammengehen durfte. Das legt nahe, dass auch die Deutsche Bank zunächst eine Kapitalerhöhung stemmen oder etwa Anteile an ihrer Fondstochter DWS verkaufen müsste. Allein dies könnte sich Monate hinziehen. Zudem besteht die Frage: Wer will dem Institut noch Kapital geben? Abgesehen von der schlechten Ertragslage ist die Deutsche Bank immer noch in fragwürdige Geschäfte verwickelt – unter anderem in einen gigantischen Geldwäscheskandal bei der Danske Bank.

Bei der Commerzbank geht es auch um ein Kuriosum, das stutzig macht. Sie ist ein Schnäppchen. Ihr Börsenwert beträgt nur rund neun Milliarden Euro, obwohl sie über eigenes Kapital in Höhe von 23 Milliarden Euro verfügt. Man kann sich also die Bank für neun Milliarden kaufen und erhält 23 Milliarden. Da stellt sich die Frage, warum dies noch kein Konkurrent gemacht hat. Eine naheliegende Erklärung wäre, dass es beim Geschäftsmodell hapert oder Angst vor bislang unbekannten Risiken vorherrscht.

Sewing scheint das nicht zu schrecken oder vielleicht hat er es genau auf die 14 Milliarden Buchgewinn abgesehen. Die könnten – sofern die Aufsicht diese Art der Bilanzierung akzeptiert, was allerdings fraglich ist – auch eine Kapitalerhöhung unnötig machen.

Wie in Branchenkreisen zu hören ist, kommunizieren jedenfalls Manager beider Banken mehr oder weniger ständig miteinander. Parallel arbeiten in beiden Häusern Arbeitsgruppen, die an neuen Konzepten für ihre jeweilige Bank weiterarbeiten, falls der Zusammenschluss misslingt.

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