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Aufsichtsratschef Paul Achleitner bekam den Zorn der Anteilseigner zu spüren.

Hauptversammlung

Klatsche für Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Achleitner

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Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank richtet sich der Zorn der Aktionäre vor allem gegen Paul Achleitner, den obersten Kontrolleur - und gegen überhöhte Boni.

Christian Sewing versuchte es als „Vorstandsvorsitzender der Herzen“. Mit viel Pathos bemühte sich der Chef der Deutschen Bank am Donnerstag auf der Hauptversammlung (HV) seines Instituts, die Aktionäre emotional zu berühren. Die Deutsche Bank sei „eine besondere Institution, für die es sich lohnt zu kämpfen“, sagte Sewing in seiner Rede vor gut 4000 Anteilseignern in der Frankfurter Festhalle. „Ich möchte den Stolz zurückbringen, für dieses Institut zu arbeiten“, erklärte der 49-Jährige. Die Bank müsse die Menschen wieder mehr in den Vordergrund stellen, enger mit der realen Wirtschaft verbunden sein, Integrität und Teamarbeit der Mitarbeiter fördern. Die Deutsche Bank habe beim Aufbau der Bundesrepublik eine wichtige Rolle gespielt. „Dieses Erbe ist für uns eine Verpflichtung“, so Sewing, der das Geldhaus seit April 2018 führt.

Bei den Aktionären kam die Rede zwar offenbar gut an. Doch einlullen ließen sich die Anwesenden nicht. Bekamen sie doch gerade am Donnerstag wieder schmerzlich den Wertverlust ihres Investments vor Augen geführt: Die Aktie der Deutschen Bank sackte zeitweise auf ein neues Allzeittief von 6,35 Euro. Binnen eines Jahres hat das Papier mehr als 40 Prozent verloren. „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Der Aktienwert liegt unter dem einer Zigarettenpackung“, sagte Aktionärsvertreter Karl-Walter Freitag auf der HV. Die Deutsche Bank hat 2018 zwar erstmals seit 2014 wieder einen kleinen Gewinn gemacht, doch die Betonung liegt auf „klein“. Die Bank leidet unter wegbrechenden Erträgen, zu hohen Kosten – und einer miserablen öffentlichen Reputation.

Deutsche-Bank-Aktionäre erhalten Minidividende

Die Aktionäre erhalten für das Geschäftsjahr 2018 eine Minidividende von elf Cent je Aktie. Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sagte dazu: „Die Bonizahlungen der Deutschen Bank liegen mit 1,9 Milliarden Euro zwar etwas unter früheren Jahren. Aber dass wir Aktionäre mit gerade einmal 12 Prozent dieser Summe abgespeist werden, ist nicht positiv.“ Die hohen Gehälter und Boni, die die Deutsche Bank weiterhin zahlt, sorgten am Donnerstag wieder bei vielen Aktionären für Kritik.

Doch der Zorn der Anteilseigner über die andauernde Krise von Deutschlands größtem Geldhaus richtete sich weniger gegen Vorstandschef Sewing als gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Seit 2012 steht der Österreicher dem Aufsichtsrat vor, hat seitdem mehrere Vorstandschefs verschlissen, Strategieschwenks mitgestaltet, das Geldhaus von einer tiefen Krise in die nächste begleitet – aber eben nicht herausgeholt. „Herr Achleitner, ich bin es leid, wie die Bank unter Ihrer Führung ruiniert wird“, sagte Aktionärsvertreter Freitag. Zahlreiche weitere Redner attackierten Achleitner und forderten die Anwesenden auf, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten – sprich: ihm das Vertrauen zu entziehen. Sie ernteten dafür stets lauten Applaus im Saal.

Auch einige Großinvestoren der Deutschen Bank – dazu zählen die Herrscherfamilie des Emirats Katar, der US-Fonds Cerberus, der US-Vermögensverwalter Blackrock und der chinesische Konzern HNA – verlieren offenbar langsam die Geduld mit Achleitner, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2022 läuft. Die großen internationalen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis – auf deren Meinung große institutionelle Investoren oft hören – hatten geraten, sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat nicht zu entlasten.

Achleitner verteidigte sich am Donnerstag und machte deutlich, dass er im Amt bleiben will. „Habe ich mir das 2012 so vorstellt? Nein! Aber bei allen Herausforderungen, Rückschlägen und auch menschlichen Enttäuschungen, die ich in den letzten sieben Jahren erleben musste, so habe ich auch so viele tolle Menschen kennengelernt, innerhalb der Bank, aber auch Investoren und Kunden, dass ich nicht vorhabe und es mir nicht vorstellen kann, diese im Stich zu lassen“, sagte er – und erntete dafür ironisches Gelächter im Saal. „Habe ich Fehler gemacht in den letzten sieben Jahren? Ja, natürlich. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich nicht. An einem Denkmal liegt mir nichts, aber an der Deutschen Bank“, fuhr Achleitner ungerührt fort.

Klatsche für den Aufsichtsratschef

Nach langer Debatte ließen die Aktionäre den Aufsichtsratschef am Abend noch einmal davonkommen, verpassten ihm aber einen klare Klatsche: Nur 71,63 Prozent des vertretenen Grundkapitals stimmen für seine Entlastung, ein deutlicher Einbruch nach 84,40 Prozent im vergangenen Jahr. Vorstandschef Sewing schaffte mit lediglich 75,23 Prozent Zustimmung ebenfalls nur ein sehr schwaches Ergebnis. Üblich sind Quoten über als 90 Prozent.

Eine Nichtentlastung hätte keine rechtlichen Auswirkungen gehabt, sie ist eher ein symbolischer Akt der Aktionäre. Allerdings wäre sie ein noch deutlicheres Misstrauensvotum gewesen. Die Aktionäre des Chemiekonzerns Bayer verweigerten dem Vorstand vor wenigen Wochen die Entlastung – was es zuvor bei einem Dax-Unternehmen noch nie gegeben hatte. Auch die Nichtentlastung eines Aufsichtsrats ist sehr unüblich.

Trotz der heftiger Attacken auf Achleitner: Die Hauptversammlung ging am Donnerstag nicht turbulenter zu als in den Jahren zuvor. Ganz im Gegenteil: Es gab in den vergangenen Jahren schon deutlich wildere Aktionärstreffen der Bank – mit aggressiveren Rednern, deutlich mehr Zwischenrufen und Protestaktionen im Saal.

Demonstranten vor der Hauptversammlung

Vor der Festhalle hatten sich zwar auch am Donnerstagmorgen mehrere Dutzend Demonstranten versammelt, die etwa forderten, dass die Deutsche Bank keine Rüstungsunternehmen sowie schmutzige Energieträger fördern solle. Von Trommeln begleitet, riefen Protestanten „Wer macht diese Wirtschaft krank? Die Deutsche Bank, die Deutsche Bank“. Vor einigen Jahren war aber auch dort noch deutlich mehr los.

Auf der Hauptversammlung vor einem Jahr hatte Bankchef Sewing in Aussicht gestellt, dass seine Bank künftig etwas „langweiliger“ werden würde. In den vergangenen zwölf Monaten war davon wenig zu spüren: Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten die Bank wegen Geldwäschevorwürfen, frühere Geschäfte mit dem Firmenimperium von US-Präsident Donald Trump holten die Bank wiederholt ein, die Fusionsverhandlungen mit der Commerzbank hielten die Finanzbranche in Atem. „Wenn das langweilig ist“, sagte DWS-Vertreter Nieding, „dann möchte ich nicht wissen, was es heißt, wenn es mal aufregend wird in der Bank.“

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