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Die Bahn will auch daran arbeiten, ihre Bauarbeiten besser zu koordinieren, um den Kunden Ärger zu ersparen.

Deutsche Bahn

Vielfahrer sind genervt

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Die Deutsche Bahn plant 2019 mit bis zu 800 Baustellen gleichzeitig.

Vielfahrer auf den hiesigen Schienenstrecken müssen sich auf einiges gefasst machen. Die Deutsche Bahn (DB) plant in diesem Jahr Sanierungsarbeiten für Trassen und Bahnhöfe, die insgesamt 10,7 Milliarden Euro verschlingen sollen. Die Rekordsumme wird zu großen Teilen vom Steuerzahler aufgebracht. „DB sagt dem Stau auf der Schiene den Kampf an.“ So hat der Staatskonzern die entsprechende Pressemitteilung überschrieben. Allerdings könnte der Kampf gegen den Stau erst einmal Staus und Verspätungen verursachen. Denn es soll in den nächsten Monaten bis zu 800 Baustellen gleichzeitig geben.

Hannover und die Gleise, die zu der niedersächsischen Hauptstadt führen, werden ein Hotspot sein. So wird die Strecke Hannover-Göttingen von Juni an für ein halbes Jahr zwecks Runderneuerung komplett gesperrt. Gleise, Weichen, Schotter, Oberleitungsmasten und die Strom- und Sicherungstechnik werden erneuert. Die Schnellfahrstrecke wurde 1991 ihrer Bestimmung übergeben. Sie zählt zu den am stärksten befahrenen Trassen im Land. Die Sanierungsarbeiten haben Auswirkungen auf das gesamte Netz. Es wird über Nebenstrecken umgeleitet. Weil deren Kapazitäten begrenzt sind, können weniger Züge rollen. Fahrtzeiten etwa von Frankfurt nach Berlin oder von Hamburg nach München werden sich um 30 bis 45 Minuten verlängern.

Das ist nur ein Projekt. Insgesamt werden laut DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla in diesem Jahr rund 1500 Kilometer Gleise, über 300 Brücken und rund 650 Bahnhöfe saniert. Unter anderem auch auf den Strecken Frankfurt-Fulda-Weimar, Hannover-Berlin, Düsseldorf-Essen oder Nürnberg-Augsburg soll gebaut werden. Fernzüge können dort für jeweils mehrere Monate nur mit deutlich verminderter Geschwindigkeit fahren.

Die Sanierungsarbeiten sind zum großen Teil schon vor Jahren geplant worden. Gleichwohl steht die Bahn stark unter Druck. Verspätungen und Zugausfälle haben 2018 drastisch zugenommen. Jeder vierte Fernzug kam zu spät. Die Bahn macht dafür vor allem Naturgewalten wie Schnee, Regen, Trockenheit und Stürme verantwortlich. Allerdings gibt es große Defizite beim Staatsunternehmen selbst. ICE-Züge etwa sind deshalb bei extremem Wetter anfällig, weil sie vielfach die Instandhaltung mit Mängeln verlassen, was wiederum an Personalmangel liegt.

Der Vielfahrer ist genervt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auch. Er hat Bahnchef Richard Lutz mehrfach und demonstrativ ins Ministerium zitiert. Scheuer will bis zum Sommer erste Verbesserungen sehen. Für die Bahnmanager dürfte es in den nächsten Monaten wichtig werden zu beweisen, dass sie die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste in Grenzen halten können. Pofalla, Ex-Kanzleramtsminister, ist da guter Dinge: „Wir bekommen das Fahren und Bauen immer besser in den Griff“, sagt er.

Mit den Sanierungsarbeiten in diesem Jahr ist es noch längst nicht getan. So soll die gesamte Strecke Hannover-Würzburg bis Ende 2023 saniert werden. Allein für diese Arbeiten werden 640 Millionen Euro veranschlagt. Insgesamt schiebt die Bahn für ihr 33.000 Kilometer langes Netz einen Sanierungsstau von 54 Milliarden Euro vor sich her.

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