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Viel zu tun: Die Güterverkehrssparte  der Bahn wird in diesem Jahr wohl rund 300 Millionen Euro Verlust einbringen.

Güterverkehr

Deutsche Bahn: Sigrid Nikutta soll es richten

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Im Güterverkehr der Deutschen Bahn läuft wenig so, wie es soll. Die Sparte schreibt seit Jahren Miese. Eine neue Vorständin soll die Trendwende schaffen. Die Analyse.

Auf Sigrid Nikutta wartet eine schwere Aufgabe. Die 50-jährige Mutter von fünf Kindern soll die chronisch kranke Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn sanieren. Vergangene Woche gab das Unternehmen bekannt, dass die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe im Januar in den Vorstand der Bahn wechselt.

Damit verbunden ist die Hoffnung auf ein Konzept, mit dem das Cargogeschäft aus der Verlustzone finden kann. Daran mangelt es seit Jahren. Der Güterverkehr verschliss etliche Manager, ohne dass Erfolge sichtbar wurden. Im Gegenteil. Vermutlich wird die Bahntochter in diesem Jahr rund 300 Millionen Euro Verlust einbringen, nach 190 Millionen Euro Miesen im vergangenen Jahr. Auch deshalb forderte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kürzlich in einer Art Brandbrief an den Vorstand von diesem eine klare Sanierungsstrategie.

Doch woran liegt die Misere? Am Geschäftsfeld selbst nicht. Laut Statistischem Bundesamt hat der Marktanteil der Schiene im Güterverkehr im vergangenen Jahr mit 19,3 Prozent einen so hohen Wert wie lange nicht erreicht. „Gegenüber dem Tiefpunkt 1996 hat die Schiene ihre Verkehrsleistung fast verdoppelt“, sagt der Chef des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), Peter Westenberger. In dem Verband sind die Wettbewerber der Deutschen Bahn organisiert. Die privaten Konkurrenten knöpfen der Bahn immer mehr Marktanteile ab. 2018 entfiel schon mehr als die Hälfte der Verkehrsleistung auf die Rivalen des Staatskonzerns, die profitabel arbeiten.

Zwei Probleme eint beide Seiten. Es gibt einen Personalmangel in der Branche, vor allem Lokführer fehlen. Alle Bahnunternehmen leiden unter den Kapazitätsmängeln im Schienennetz. Ein drittes Problem kommt mit der schwächeren Auslastung der Wirtschaft hinzu. Wo weniger produziert wird, wird weniger transportiert. Das trifft die Deutsche Bahn besonders stark, weil Stahl- und Autounternehmen zu ihren wichtigsten Kunden gehören.

Das schwache Abschneiden der Deutschen Bahn im Wettbewerb muss folglich hausgemachte Gründe haben. Einer davon ist der Einzelverkehr, den DB Cargo anbietet. Dabei werden einzelne Waggons von Unternehmen abgeholt und zu kompletten Güterzügen zusammengestellt. „Dieses Geschäft ist wichtig, um den umwelt- und klimafreundlichen Güterverkehr auf der Schiene zu stärken,“ sagt Dirk Flege von der Allianz pro Schiene, „allerdings ist es seit Jahren betriebswirtschaftlich hoch defizitär.“

Claus Weselski, Chef der Lokführergewerkschaft, sieht „Missmanagement“ als Hauptursache der Krise. Es fehlt Personal, so dass manche Züge schlicht stehen gelassen werden. Die Bahn gibt „nicht ausreichende und unflexible Produktionskapazitäten“ zu. Intern wird auch eine Blockadehaltung des Betriebsrats gegen Umstrukturierungen als Problem genannt. Das sehen die Arbeitnehmervertreter naturgemäß anders. Das Ergebnis wäre dasselbe: Die fehlende Zuverlässigkeit vergrault Kunden.

Es gilt nun, einen Tanker mit fast 29 000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro umzusteuern und in die Modernisierung der Sparte zu investieren. Schließlich will Bahnchef Richard Lutz den Gütertransport im kommenden Jahrzehnt um 70 Prozent steigern. Auf die neue Vorständin Nikutta warten also jede Menge Herausforderungen.

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