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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Bahnchef Richard Lutz vor einem neuen ICE 4.

Sondersitzung des Aufsichtsrats

Deutsche Bahn beschließt Milliarden-Investition in neue Züge

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600 neue Arbeitsplätze sollen bei der Deutschen Bahn entstehen. Auch der Vorstand bekommt eine neue Struktur verpasst.

Die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, wechselt im Januar zur Deutschen Bahn. Wie der Konzern am Abend nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats mitteilte, bestellte das Gremium die 50-Jährige in den Vorstand. Sie soll dort den neugeschaffenen Vorstandsposten Güterverkehr sowie den Vorstandsvorsitz der DB Cargo AG übernehmen.

Nikutta arbeitete bereits von 2001 bis 2010 für die heutige DB Cargo. Die BVG verlässt sie nach neun Jahren. Unter ihrer Führung schaffte das Unternehmen die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Der Konzernvorstand der Bahn wächst damit von sechs auf sieben Mitglieder. Eine Gehaltserhöhung für den Vorstand wurde am Donnerstag nicht besprochen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte sich dagegen ausgesprochen, nachdem der Plan am Wochenende öffentlich geworden war. Zuletzt stellte Scheuer Bahnchef Richard Lutz ein Ultimatum bis zum 14. November. Bis dahin soll Lutz Konzepte für weitreichende Veränderungen vorstellen.

Deutsche Bahn: 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn gab am Abend zudem grünes Licht für einen stärkeren Ausbau der Fernverkehrsflotte. Dafür genehmigte das Gremium den Kauf von weiteren 30 Hochgeschwindigkeitszügen. Bislang sind für die kommenden Jahre bereits 137 ICE 4, 23 ECx und 17 KISS-Züge bestellt. Insgesamt sollen so 600 neue Arbeitsplätze entstehen.

Mit den neuen Zügen sollen, so die Vorgabe der DB an die Hersteller, ab Dezember 2022 mindestens 11.400 zusätzliche Sitzplätze neu in das Angebot des Fernverkehrs kommen. Auch acht Fahrradstellplätze je Zug sind vorgesehen. Die Entscheidung des DB-Aufsichtsrates ist ein weiterer großer Schritt in Richtung Umsetzung der Strategie „Starke Schiene“, nämlich im Fernverkehr die Verdopplung der Fahrgastzahlen.

Neben dieser Milliardeninvestition wird der DB-Fernverkehr 500 Millionen Euro in den Ausbau seiner ICE-Werke investieren und damit noch mehr Arbeitsplätze schaffen. Das DB-Werk in Frankfurt-Griesheim wird deutlich erweitert, um mehr Züge instand halten zu können. Für Cottbus laufen bereits Planungen für den Ausbau des dortigen Werks.

Deutsche Bahn: Verkauf von Arriva vorerst verschoben

Vorerst verschoben ist dagegen der geplante milliardenschwere Verkauf der Auslandsverkehrstochter  DB Arriva. Im Vorstand gibt es dazu noch Gesprächsbedarf. Eigentlich sollte der Verkauf des Bus- und Bahngeschäfts im Ausland Geld für die Eisenbahn in Deutschland bringen. Daraus wird nun erst mal nichts. Die zu erwartenden Verkaufserlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es am Donnerstag.

Die Bahn ist hoch verschuldet. Nachdem sich der geplante Verkauf von Arriva hingezogen hatte, entschied der Aufsichtsrat im September, zunächst über eine Anleihe bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld aufzunehmen.

Tobias Möllers mit dpa, afp

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