+
Dieter Zetsche ist Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.

VW, Daimler und BMW

Deutsche Autobosse als Bittsteller im Weißen Haus

  • schließen

Die Chefs von Daimler, Volkswagen und BMW führen an diesem Dienstag Gespräche im Weißen Haus. Sie versuchen, drohende Autozölle im letzten Moment zu verhindern.

Die Stimmung des Hausherrn ist unberechenbar. „Ich bin sehr enttäuscht über General Motors“, twitterte Donald Trump am vorigen Dienstag und drohte dem US-Autokonzern als Reaktion auf den angekündigten Abbau von 14 000 Stellen mit der Streichung aller staatlichen Subventionen. Einen Tag später glaubte er, den wirklich Schuldigen gefunden zu haben. Nun drohte er ausländischen Fahrzeugherstellern mit einem Importzoll von 25 Prozent: „Der Präsident hat in dieser Sache große Macht.“

Die Manager der drei großen deutschen Autokonzerne haben sich also auf ein großes Risiko eingelassen, als sie die ziemlich ungewöhnliche Einladung von US-Botschafter Richard Grenell zu direkten Gesprächen im Weißen Haus annahmen. Am heutigen Dienstag wollen Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Chef Herbert Diess und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter dort versuchen, die drohenden Autozölle in letzter Minute noch abzuwenden. Begegnungen mit US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer sind geplant. Ob auch Trump, wie mancherorts spekuliert wird, seinen Kopf durch die Tür streckt, ist unklar.

Doch nicht nur die äußeren Umstände sind höchst volatil. Auch politisch ist die Begegnung umstritten. Die Bundesregierung und die EU-Kommission sehen den Alleingang der Manager mit Skepsis und Missfallen. Sie fürchten, dass Trump die Wirtschaftsvertreter missbraucht, um die Europäische Union als eigentlichen Ansprechpartner in Handelsfragen zu spalten. Man müsse aufpassen, „dass man durch solche bilaterale Gespräche eine starke politische Position nicht untergräbt“, mahnte die CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die für den Vorsitz ihrer Partei kandidiert, die Automanager – und handelte sich prompt einen undiplomatischen Rüffel von US-Botschafter Grenell ein.

In dem seit Monaten schwelenden Konflikt um die europäischen Autoimporte steht die Uhr auf Fünf vor Zwölf. Weil die USA die Pkw-Importe aus Europa nur mit 2,5 Prozent besteuern, umgekehrt aber zehn Prozent fällig sind, sieht Trump die US-Hersteller seit langem schwer benachteiligt. Dass bei anderen Produkten – etwa bei Pick-ups, die bei der Einfuhr in die USA einem Zoll von 25 Prozent unterliegen, während sie in andere Richtung nur mit 14 Prozent belastet werden – die Relation umgekehrt ist, verschweigt er regelmäßig. Im Mai hatte er bei Wirtschaftsminister Wilbur Ross einen Prüfbericht in Auftrag gegeben, ob die Importe die Nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährdeten. Viele Beobachter in Washington rechnen mit einer Anhebung des Satzes auf 25 Prozent in unmittelbarer Zukunft.

Für die deutschen Autobauer, die schon von anderen US-Zöllen hart getroffen sind, hätte das schwere wirtschaftliche Folgen. Vor allem Fahrzeuge der Mercedes- und BMW-Premiumklassen sowie der VW-Edeltöchter Audi und Porsche, die in Deutschland gefertigt werden, würden sich auf dem US-Markt verteuern.

Die Manager wollen daher mit der Bedeutung ihrer Präsenz in den USA und geplanten Milliarden-Investitionen werben. Laut Verband der Automobilindustrie (VDA) beschäftigt die deutsche Branche in den USA rund 118 000 Leute. VW, Mercedes und BMW betreiben in Tennessee, Alabama und South Carolina große Fabriken und wollen expandieren. Solche guten Nachrichten kann Trump angesichts des Abbaus bei General Motors gut gebrauchen. Doch fürchten Beobachter, dass er den Zoll-Hebel nutzen möchte, um den Autohandel mit Quoten zu reglementieren.

Eine gute Nachricht immerhin hielt Trump am Montag für die deutschen Bittsteller bereit: Angeblich will China seine Autozölle wieder senken, die das Land als Reaktion auf Trumps Handelskrieg im April von 15 auf 40 Prozent heraufgesetzt hatte. Darunter litten auch die deutschen Konzerne schwer. Eine Bestätigung für die Kehrtwende aus Peking gab es allerdings noch nicht.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare