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Die Kunst der Form: Spezialisierung statt Bauchladenmentalität.
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Die Kunst der Form: Spezialisierung statt Bauchladenmentalität.

Design

Design zum Dumpingpreis

Weil der Markt in Berlin übersättigt ist, sinken die Preise für Design-Artikel. Eine stärkere Professionalisierung der Branche soll Abhilfe schaffen.

Von Jutta Maier

Sabine Boder (Name von der Redaktion geändert) gestaltet in ihrem Büro in Prenzlauer Berg Flyer, Bücher und Visitenkarten, außerdem macht sie Filme. Leben kann die Freiberuflerin davon nicht. Deswegen ist sie nebenher als Dozentin an einer Hochschule tätig. Damit ihre Einkünfte etwas vorhersehbarer werden, wie die 47-Jährige sagt, arbeitet sie noch für ein Sozialprojekt in einer Holzwerkstatt. Trotzdem kann sich Sabine Boder kaum an Zeiten erinnern, in denen sie keine Geldsorgen hatte. Sie und ihr Mann, der eine Festanstellung hat, müssen schließlich auch ihre Kinder finanzieren.

Sabine Boder ist mit dieser Situation nicht allein. Das Internationale Designzentrum Berlin (IDZ) mit Sitz im Tempelhofer Flughafen hat sich auf die Professionalisierung von Freiberuflern spezialisiert. Gut die Hälfte aller Designer in der Region Berlin-Brandenburg ist freiberuflich tätig. Ein Blick auf den Veranstaltungskalender zeigt, wo die Probleme in der „City of Design“ liegen: „Arm, aber glücklich ist auch (k)eine Strategie!“ lautete der Titel eines Vortrags, „Design als Business! Unternehmerische Potenziale durch betriebswirtschaftliches Wissen erkennen und aktiv gestalten“ hieß ein Workshop.

„Der Berliner Markt für Grafik- und Kommunikationsdesigner ist völlig übersättigt“, bestätigt Esther Schaefer vom IDZ. Die breite Masse der Designer verdiene unterdurchschnittlich, ein Teil lebe prekär. Das belegen auch die Zahlen der jüngsten Erhebung des IDZ, die sich auf Daten des Kultur- und Kreativwirtschaftsindex stützt. Von den befragten Designern in Berlin und Brandenburg (der Großteil sind Klein- und Kleinstbetriebe mit maximal zwei Personen) gaben rund 30 Prozent an, von ihrem Einkommen gerade so den Lebensunterhalt bestreiten zu können. 26 Prozent erwirtschafteten nicht genug, um ihre Existenz zu sichern. Und vier Prozent erzielten so gut wie gar kein Einkommen.

Große Berührungsängste

„In Berlin wollen immer mehr Designer ein Stück vom Kuchen abhaben“, sagt Schaefer. Viele glaubten, ihre Leistungen zu niedrigen Preisen anbieten zu müssen – eine verbindliche Honorarordnung gibt es nicht. Das führt mitunter zu Dumpingpreisen. Aus Schaefers Sicht müsste das nicht so sein: „Viele Designer verkaufen sich schlecht und jammern, dass man in Berlin nicht viel nehmen kann. Dabei lassen sich Kunden auch beraten oder erziehen.“ Erschwerend komme hinzu, dass viele Designer ihre Kunden nur im Bekanntenkreis und auch nicht über Berlin hinaus akquirierten. Ein Großteil sei zudem nicht bereit, den Traum vom Arbeiten innerhalb der Kulturszene aufzugeben. „Die Berührungsängste sind groß, wenn es darum geht, andere Branchen anzusprechen.“ Dabei könne es durchaus lukrativ sein, beispielsweise die Homepage eines mittelständischen Baubetriebs zu gestalten.

Ein Grund für die Designerschwemme in Berlin ist die Vielzahl an staatlichen und privaten Design-Hochschulen in Berlin und Umland: die Universität der Künste, die Kunsthochschule Berlin Weißensee oder die Fachhochschule in Potsdam mit dem Studiengang Kommunikationsdesign; hinzu kommen zwei Modehochschulen. Außerdem steht Berlin mit seinem kreativen Milieu bei Designern hoch im Kurs. Viele Absolventen wollen die Stadt nach dem Studium nicht verlassen, etwa, um in einer etablierten Agentur in einem anderen Bundesland erste Erfahrungen zu sammeln. „Damit vergibt man sich echte Chancen“, sagt Esther Schaefer.

Das IDZ vermittelt den Teilnehmern betriebswirtschaftliche Kenntnisse, hilft dabei, sich mit anderen Designern zu vernetzen und mehr Selbstbewusstsein für die eigene Arbeit zu entwickeln. Wichtig sei, sich darauf zu konzentrieren, was man wirklich gut kann, sagt Schaefer: „Wir raten zu Spezialisierung statt Bauchladenmentalität“.

Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage

Rund 1100 Designer hat das IDZ in den vergangenen beiden Jahren weitergebildet. Die überwiegende Zahl der Teilnehmer war zwischen 31 und 50 Jahren alt, mehr als 60 Prozent davon Frauen. Das IDZ vermutet, dass der Bedarf nach Professionalisierung erst im Laufe der Berufserfahrung wächst, nach dem Studium herrsche noch die „Try-and-Error-Mentalität“. So ging es auch Sabine Boder: Sie merkte im Laufe der Jahre, dass sie lernen muss sich besser zu vermarkten und machte zahlreiche Coachings. Die Designerin überlegt nun, über eine Personalvermittlungsagentur an neue Jobs zu kommen. Ihre Bewerbungen bei Agenturen waren bislang nicht von Erfolg gekrönt – mitunter bekam sie gar keine Reaktion, berichtet sie.

Anke Krey ist Personalberaterin bei Designerdock, einer 1996 in Berlin gegründeten Vermittlungsagentur für die Kommunikations- und Kreativbranche. Krey spricht von einer großen Diskrepanz von Angebot und Nachfrage in Berlin. So kämen viele Grafikdesigner mit reinen Print-Mappen von den Hochschulen, ohne auf die digitale Realität in den Agenturen eingestellt zu sein. Gerade die schnell wachsenden Internet-Start-ups hätten einen hohen Bedarf an Digital-Designern und noch mehr an Programmierern. „Designer, die vielseitig aufgestellt sind und sowohl online als auch offline gestalten können, sind klar im Vorteil“, sagt Krey. Bewerber aus dem Ausland, auf die Berlin eine große Anziehungskraft habe, seien in dieser Hinsicht häufig fitter.

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