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Der legendäre TEE Rheingold war zwischen 1957 und 1987 als Luxuszug zwischen Holland, Deutschland und der Schweiz unterwegs. Als Nostalgie-Touristik-Zug steht er hier im Kölner Hauptbahnhof zur Abfahrt bereit.
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Der legendäre TEE Rheingold war zwischen 1957 und 1987 als Luxuszug zwischen Holland, Deutschland und der Schweiz unterwegs. Als Nostalgie-Touristik-Zug steht er hier im Kölner Hauptbahnhof zur Abfahrt bereit.

Fernverkehr

Der TEE kommt zurück

  • vonMatthias Pieren
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Mehrere Länder wollen den Trans-Europ-Express wiederbeleben und dafür eine eigene Betreibergesellschaft gründen. Davon profitiert auch Frankfurt als Knotenpunkt.

Die Zukunftspläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sehen ein neues europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz im grenzüberschreitenden Zugverkehr vor. Mit dem Neustart der legendären TEE-Züge (Trans-Europ-Express) will Scheuer in der Ende des Jahres auslaufenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft zumindest in der Verkehrs- und Klimapolitik ein Ausrufezeichen setzen. Am morgigen Dienstag werden nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur die Deutsche Bahn und andere europäische Bahngesellschaften eine Absichtserklärung „TEE 2.0“ unterzeichnen.

Der deutsche Verkehrsminister hatte seinen europäischen Amtskollegen bereits im September die Wiederbelebung der 1987 nach drei Jahrzehnten erfolgreichen Betriebs eingestellten TEE-Züge auf einer Tagung in Berlin schmackhaft gemacht.

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau wird die Bedeutung Frankfurts als europäischer Knotenbahnhof vom kommenden Jahr an mit dem Konzept TEE 2.0 nochmals aufgewertet. Aktuell fahren täglich 50 internationale Züge über die Mainmetropole.

Scheuers Konzeptpapier sieht mit den Hochgeschwindigkeitszügen von Amsterdam über Köln, Frankfurt, Basel, Mailand nach Rom (TEE 3/4) sowie dem TEE 5/6 von Berlin über Erfurt, Frankfurt, Straßburg, Lyon nach Barcelona (und zurück) gleich zwei neue Linien vor, die am Main einen Zwischenstopp einlegen.

Nach dem der FR vorliegenden Papier gehen in der ersten Phase mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 zudem ein TEE 1/2 (Paris, Brüssel, Köln, Berlin, Warschau) sowie der TEE 7/8 (Amsterdam, Brüssel, Paris, Lyon, Barcelona) an den Start.

Diese vier Zugpaare seien „kurzfristig umsetzbar“. In einer zweiten Stufe könnten ab 2025 weitere vier Zugpaare auf die Schiene gebracht werden, wenn wichtige in Bau befindliche Hochgeschwindigkeitslinien fertiggestellt sind.

Mit „Goethe“ nach Paris

Die ersten TEE-Züge starteten 1957 noch in einer anderen Eisenbahn-Epoche. Bahnkunden sprachen damals von ihrer Reisezeit und nicht von der reinen Fahrtzeit. Die Fernzüge, mit denen man von Frankfurt in die europäischen Metropolen fuhr, trugen klangvolle Namen.

Von Frankfurt aus verkehrte der TEE „Goethe“ nach Paris, mit dem „Helvetia“ kam man im Erste-Klasse–Luxus nach Zürich. Die Züge mit den Namen „Rembrandt“ und „Van Beethoven“ brachten Reisende vom Main nach Amsterdam, der „Donau-Kurier“ fuhr nach Wien und der TEE „Saphir“ nach Brüssel.

Alle Städte sind auch heute noch – trotz Konkurrenz des Flugzeugs – direkt und ohne Umsteigen auf der Schiene zu erreichen. Freilich ist man heute auch mit dem Zug viel schneller am Ziel. Die Fahrtzeit wurde im Laufe der Jahrzehnte deutlich verkürzt. Seit dem Wegfall der Namenspaten unterscheiden sich die heutigen ICE lediglich durch ihre Zugnummern. (map)

Die Corona-Pandemie hat den internationalen Zugverkehr in den vergangenen Monaten ausgebremst. Viele grenzüberschreitende Schnellzug-Verbindungen sind aktuell ausgesetzt. Doch Verkehrsminister Scheuer sieht vor dem Hintergrund der Klimadebatte Chancen für einen neuen Schub im europäischen Zugverkehr der Zukunft. „Der TEE 2.0 ist damit ein Symbol für den Zusammenhalt und das weitere Zusammenwachsen in Europa“, sagte Scheuer bereits im September beim Treffen mit seinen Amtskollegen.

Die Bahnunternehmen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich wollen zudem ab 2021 auch neue grenzüberschreitende Nachtzugverbindungen in Europa anbieten – und das, nachdem die DB vor einigen Jahren komplett aus dem Nachtzugverkehr ausgestiegen ist.

Doch nicht nur hinter vorgehaltener Hand wird in Berlin Kritik an der Deutschen Bahn geäußert. Gerade der Ausbau der deutschen Hochgeschwindigkeitsprojekte hat deutliche Verspätungen eingefahren. So ist das viergleisige Projekt der Rhein-Magistrale zwischen Basel und Karlsruhe ins Stocken geraten.

„Die kurzfristig umsetzbaren TEE-Linien der ersten Phase im Jahr 2021 werden langfristig durch die Infrastrukturmaßnahmen ,Hannover – Bielefeld– Hamm‘ sowie ,Karlsruhe – Basel‘ und ,Mannheim – Erfurt inklusive des Fernbahntunnels in Frankfurt‘ zusätzlich beschleunigt“, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium.

Noch sind die TEE-Vertragsdetails nicht unterschriftsreif. Am Dienstag soll medienwirksam zumindest eine Absichtserklärung unterzeichnet werden. Wie es in Branchenkreisen heißt, soll die federführende DB mit den Eisenbahngesellschaften Frankreichs (SNCF), Hollands (NS), Österreichs (ÖBB) und der Schweiz (SBB) eine eigene Betreibergesellschaft gründen.

Das Strategiepapier TEE 2.0 sieht auch eine weitere Ausbaustufe ab 2025 vor: Mit der Inbetriebnahme der festen Fehmarnbelt-Querung (Tunnelprojekt für Straße und Schienenverkehr) zwischen Deutschland (Puttgarden) und Dänemark (Rødbyhavn) kann Skandinavien in das TEE-Verkehrsprojekt eingebunden werden.

Dann werden TEE-Hochgeschwindigkeitszüge auch zwischen Stockholm, Kopenhagen, Berlin und München sowie zwischen Stockholm, Kopenhagen, Hamburg, Brüssel und Paris auf die Schiene geschickt.

Als neuer TEE-Ost-West-Korridor über Süddeutschland ist die Relation Paris, Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart, München, Wien und Budapest in Planung. Realisiert werden kann diese, wenn die in Bau befindlichen deutschen Projekte Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart–Ulm fertiggestellt sind.

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