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Die Zahl der Filialen soll massiv reduziert, die Digitalisierung vorangetrieben werden.
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Die Zahl der Filialen soll massiv reduziert, die Digitalisierung vorangetrieben werden.

Commerzbank

Schrumpfend in die Zukunft

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Der neue Vorstandschef der Commerzbank legt die Details seines Umbauprogramms vor. Es sind mehrere bittere Pillen dabei.

Manfred Knof sparte nicht an Seitenhieben gegen seine Vorgänger. Die Commerzbank brauche eine tiefgreifende Restrukturierung und Transformation, sagte der neue Bankchef am Donnerstag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Dieser Befund sei nicht neu. „Neu ist aber, dass wir die Veränderungen jetzt umsetzen – und zwar mit klarer Frist.“ Die Bank müsse ihr Potenzial entfalten – und das gelinge nur, „wenn aus Plänen und Ankündigungen auch Taten und Ergebnisse werden.“

Knofs Analyse scheint also klar, auch wenn er es nicht wörtlich so sagte: Schuld an der Misere der Commerzbank haben die vorherigen Vorstandsteams, die in seinen Augen viel angekündigt, aber wenig umgesetzt haben.

Tatsächlich ist es so, dass es in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Umbauprogramme in der Bank gab, die sich in weiten Teilen gar nicht so anders anhörten als die nun von Knof vorgelegte „Strategie 2024“: Ambitionierte Rendite- und Ertragsziele, Kostensenkungen, Stellenabbau, Fokus auf Digitalisierung - alles schon da gewesen. Knof will nun aber auch umsetzen.

Eigentlich wirkte es ja zwischenzeitlich so, als sei die Commerzbank nach den Problemen in der Finanzkrise aus dem Gröbsten heraus. Seit 2013 schrieb das Institut – das zu mehr als 15 Prozent dem Staat gehört – wieder Gewinne, nicht unbedingt hohe, aber immerhin schwarze Zahlen.

Manfred Knof führt die Commerzbank seit dem 1. Januar.

Nun der Rückschlag: Die hohe Risikovorsorge – bedingt durch die Corona-Pandemie, aber auch hohe Abschreibungen etwa auf Kredite an den insolventen Konzern Wirecard – sowie hohe Restrukturierungskosten für das neue Umbauprogramm der Bank führten zu einem Verlust von 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2020.

Strategie der Bank

Jobabbau: Brutto will die Bank 10 000, netto (also nach Neueinstellungen) 7500 Vollzeitstellen abbauen. Davon sollen 3500 Jobs im Privatkundensegment, 1000 im Firmenkundengeschäft und 2200 in der Zentrale, also vor allem in Back-office-Bereichen, wegfallen. In Deutschland wird jede dritte Stelle wegfallen. Aufgebaut werden Stellen vor allem in Polen und Bulgarien. 2024 will die Bank 32 000 Vollzeitstellen haben.

Filialen: Die Zahl der Filialen soll von derzeit 790 auf 450 reduziert werden. Die Digitalisierung der Bank wird massiv vorangetrieben.

Finanzkennziffern: Für 2024 strebt die gelbe Bank ein operatives Ergebnis von rund 2,7 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von rund sieben Prozent an. Davon war sie in den vergangenen Jahren weit entfernt. Zum Vergleich: Im Jahr 2010, als die Bank den seit 2007 bis heute größten Gewinn geschrieben hat, lag das operative Ergebnis bei 1,4 Milliarden Euro und die Eigenkapitalrendite bei 4,7 Prozent. Die Kosten sollen bis 2024 um rund 20 Prozent auf dann 5,3 Milliarden Euro sinken.

Dividende: Erst für das Jahr 2023 sind wieder Ausschüttungen an
die Aktionär:innen geplant. Zudem sollen ihnen 2023 und 2024 über Dividenden und Aktienrückkaufprogramme bis zu drei Milliarden Euro zurückgegeben werden. nl

Bereits vergangene Woche hatte das viertgrößte deutsche Geldhaus die finanziellen Eckdaten für das Geschäftsjahr 2020 vorgelegt, vor zwei Wochen schon die Eckpunkte der neuen „Strategie 2024“, die die Wende zum Guten bringen soll.

Am Donnerstag gab es dazu weitere Details. Was in der Öffentlichkeit wohl vor allem hängen bleibt: Das Institut mit elf Millionen Kund:innen baut jede dritte Stelle in Deutschland ab. „Selbstverständlich werden wir den Stellenabbau anständig und fair umsetzen“, betonte Knof. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll möglichst verzichtet werden.

Zudem gab es auch Hiobsbotschaften für die Kund:innen der Bank. Denn die Zeit der kostenlosen Girokonten und der Neukundenprämien, mit denen die Commerzbank lange lockte, dürfte vorbei sein, auch in der hauseigenen Online-Bank Comdirect. Knof erklärte mehrfach, man arbeite an neuen Preismodellen für die Konten – und ließ keinen Zweifel daran, dass es teurer werden wird.

Die Commerzbank erhebt bereits sogenannte „Verwahrentgelte“ – also Strafzinsen – auf Beträge über 100 000 Euro. Auch da könnte es noch teurer werden, oder Verschiebungen geben. Denn Knof erklärte offensiv, dass er keine Bank kenne, die es sich dauerhaft leisten könne, keine Verwahrentgelte zu erheben.

Die Commerzbank konnte in den vergangenen 13 Jahren nur zweimal eine Dividende zahlen.

Auch die Aktionär:innen der Bank müssen eine bittere Pille schlucken: Die Bank plant erst 2023 wieder Dividenden auszuschütten. Der Aktienkurs des M-Dax-Konzerns stürzte wohl auch daraufhin am Donnerstag ab. Zudem belasteten maue Prognosen für 2021 das Papier.

Die Anteilseigner:innen des Instituts sind leidgeprüft. Finanzkrise, Staatseinstieg, Übernahme der Dresdner Bank - die Aktie der Commerzbank hat sich von alldem nie erholt. Alleine 2015 und 2018 erhielten die Aktionär:innen in den vergangenen dreizehn Jahren eine Dividende von mickrigen 20 Cents je Aktie.

Die Commerzbank gilt nach einer Sanierung als Übernahmekandidatin. Knof betonte aber am Donnerstag wiederholt, dass er andere Pläne hat: „Die Commerzbank soll eigenständig bleiben. Das ist meine Mission.“

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