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Immense Kosten durch die klimabedingte Flut: Die Aufräumarbeiten im rheinland-pfälzischen Altenahr sind in vollem Gange.
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Immense Kosten durch die klimabedingte Flut: Die Aufräumarbeiten im rheinland-pfälzischen Altenahr sind in vollem Gange.

Schadenbilanzen

Klimawandel: Es wird deutlich teurer

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Fachleute kalkulieren die Schadensbilanzen des Klimawandels neu. Das Ergebnis: Die Folgen von Extremwetter-Ereignissen beeinträchtigen das Wachstum stärker als angenommen – wie stark, hängt von der Anpassungsfähigkeit des Menschen ab.

Es liegt noch viel Arbeit vor uns“, sagte Kanzlerin Merkel (CDU) bei ihrem letzten Besuch in den von der Mega-Flut im Juli besonders betroffenen Orten in Nordrhein-Westfalen. Der Wiederaufbau werde lange dauern, sagte sie, das werde mit jedem Tag klarer. Auch die nächste Bundesregierung werde daher solche Besuche ansetzen müssen. Bei den Überschwemmungen waren mehr als 180 Menschen umgekommen, und es entstand ein Sachschaden in zweistelliger Milliardenhöhe – mehr als bei früheren Flutereignissen in Deutschland. Bundestag und Bundesrat wollen nun in dieser Woche einen Fluthilfefonds verabschieden, der mit 30 Milliarden Euro ausgestattet ist.

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW, aber auch die Verwüstungen, die Hurrikan „Ida“ vorige Woche in den US-Metropolen New Orleans und New York verursacht hat, sind Illustrationen zu einer neuen Untersuchung über die Schäden, die der Weltwirtschaft durch einen ungebremsten Klimawandel drohen. Die Kosten könnten danach etwa sechsmal höher sein als bisher angenommen.

Forscher renommierter europäischer und US-amerikanischer Universitäten haben für die Studie die Folgen des Klimawandels für das künftige Wachstum modelliert. Die Abschätzung ergab, dass die weltweite Wirtschaftsleistung (BIP) in diesem Jahrhundert gegenüber einer Entwicklung ohne Erderwärmung um im Mittel etwa 37 Prozent sinken könnte. Das wäre mehr als das Doppelte des BIP-Rückgangs während der Weltwirtschaftskrise 1929. Die meisten bisherigen Schätzungen gingen hingegen nur von BIP-Einbußen im einstelligen Bereich bis 2100 aus. Beteiligt an der Studie waren Ökonomen unter anderem von der ETH Zürich, dem Imperial College London und der Universität Cambridge, erschienen ist sie in der Zeitschrift „Environmental Research Letters“.

Es werden nur kurzfristige Schäden gesehen

In bisherigen Untersuchungen zu den ökonomischen Folgen der Klimakrise wurde nach Angaben der Ökonomen davon ausgegangen, dass die Folgen von Extremwetter-Ereignissen wie Hitzewellen und Überschwemmungen das Wirtschaftswachstum nicht dauerhaft beeinträchtigen. „Die meisten Modelle konzentrieren sich nur auf kurzfristige Schäden“, so die Autoren. Diese würden das BIP laut der Studie bis 2100 um sechs Prozent geringer ausfallen lassen. Inzwischen gebe es jedoch „immer mehr Belege dafür, dass Extreme wie Dürren, Brände, Hitzewellen und Stürme und ihre Auswirkungen auf Gesundheit, Ersparnisse und Arbeitsproduktivität langfristige wirtschaftliche Schäden verursachen“. Die Experten räumen jedoch ein, dass die Berechnung noch mit „erheblicher Unsicherheit“ behaftet seien, unter anderem deswegen, weil unklar sei, inwieweit sich die Gesellschaften an die Klimafolgen anpassen könnten.

Folgen hat die neue Berechnung auch für die ungedeckten Schadenskosten, die durch die Treibhausgas-Emissionen ausgelöst werden. Pro Tonne belaufen sich diese, so die Studienautoren, „sozialen Kosten des CO2“ auf mehr als 3000 Dollar (rund 2530 Euro). Bisherige Schätzungen liegen deutlich darunter. Das Umweltbundesamt zum Beispiel setzt die CO2-Kosten mit 195 Euro pro Tonne an. Eine von den bekannten Ökonomen Nicholas Stern und Joseph Stiglitz geleitete Kommission errechnete für die UN auf 130 bis 160 Dollar (110 bis 135 Euro) ansteigende Werte, die im Jahr 2050 erhoben werden müssten, um die Schäden gegenzufinanzieren. Im EU-Emissionshandel, der für Kraftwerke, Industrie und für den innereuropäischen Flugverkehr gilt, liegt der Preis derzeit bei gut 60 Euro. Der in Deutschland im Januar eingeführte CO2-Preis für Sprit und Heizenergie beträgt 25 Euro. Zur Einordnung: Eine Tonne CO2 entsteht zum Beispiel bei 6000 Kilometern Fahrleistung in einer Benziner-Limousine.

Weltweite CO2-Emissionen

Studien-Autor Chris Brierley vom University College London kommentiert: „Wir wissen noch nicht genau, wie stark sich der Klimawandel auf das langfristige Wirtschaftswachstum auswirken wird – aber es ist unwahrscheinlich, dass er gleich null ist, wie die meisten Wirtschaftsmodelle angenommen haben.“ Die globale Erwärmung mache Extremereignisse wie die Überschwemmungen in Europa sehr viel wahrscheinlicher. „Wenn wir nicht mehr davon ausgehen, dass sich die Volkswirtschaften innerhalb von Monaten von solchen Ereignissen erholen, sehen die Kosten der Erwärmung viel höher aus als gewöhnlich angegeben.“

Sein Kollege James Rising von der Universität von Delaware (USA) und der London School of Economics and Political Science ergänzt: „Je mehr wir über die Risiken des Klimawandels wissen, desto dringender wird das Handeln. Jedes Jahr haben wir mehr Naturkatastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel, und die Situation wird sich weiter verschärfen, bis wir weltweit Netto-Null-Emissionen erreichen können.“

Wie stark die Schäden durch mehr klimabedingte Wetterkatastrophen angestiegen sind, hat in der vorigen Woche die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) dargelegt. Laut ihrem Report hat sich die Zahl dieser Ereignisse in den letzten 50 Jahren global fast verfünffacht – von „nur“ rund 770 Katastrophen in den 1970er Jahren auf mehr als 3165 im vorletzten Jahrzehnt. Die Schäden stiegen dabei von 175,4 Milliarden Dollar pro Jahrzehnt auf 1,38 Billionen. Positiv war zum Glück die Entwicklung in der Opferbilanz. Die Zahl der Opfer sank von jährlich über 50 000 auf rund 18 000 Menschen, unter anderem durch bessere Frühwarnsysteme und Maßnahmen zur Klimaanpassung.

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