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Die EZB will den digitalen Euro schaffen.
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Die EZB will den digitalen Euro schaffen.

EZB will digitalen Euro schaffen

Der Euro wird digital

  • vonHannes Koch
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Die Europäische Zentralbank arbeitet an einer neuen Form des Bezahlens. Was das für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Banken bedeuten könnte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt darüber nach, den digitalen Euro einzuführen. Das wäre quasi Bargeld, das man nicht anfassen kann. Vielleicht haben in fünf Jahren alle ein zusätzliches Konto bei ihrer Bank. Die FR erklärt, was es mit dem digitalen Euro auf sich hat.

Warum macht die EZB das?

Die anerkanntesten Zahlungsmittel sind die Währungen, die Staaten ausgeben. In Europa übernimmt diese Aufgabe die EZB. Sie kontrolliert den Euro – das einzige gesetzliche Zahlungsmittel der Eurostaaten. Aber das staatliche Währungsmonopol ist nicht unangefochten. Seit einigen Jahren arbeitet Facebook an Privatgeld, das der Internetkonzern „Diem“ nennt. Daneben existieren Bitcoin und hunderte weitere digitale Projekte, die geldähnliche Zahlungs-, Vermögensaufbewahrungs- und Spekulationsmittel anbieten. Außerdem erprobt die chinesische Nationalbank eine Digitalwährung. Geschätzt 65 Zentralbanken weltweit setzen sich mit dem Thema auseinander.

Welche Nachteile sieht die EZB?

Die Werte von Bitcoin und ähnlichen Einheiten schwanken oft extrem. Das kommt unter anderem daher, dass die umlaufende Geldmenge und der Wert der Privatwährungen nicht mit staatlicher Geld- und Zinspolitik kontrolliert werden. Trotzdem könnten sie künftig den Euro untergraben, weil mehr Menschen digitale Zahlungsmittel nutzen. Auch die chinesische Digitalwährung hat das Potenzial die Position des Euro im internationalen Finanzverkehr zu schwächen. Wenn die EZB dagegen selbst eine digitale Variante herausgäbe, würde sie ihren Einfluss sichern. „Die Zentralbank will die staatliche Souveränität über das Geld bewahren“, sagt Katarina Adam von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. Einen weiteren Grund nennt Jonas Groß von der Frankfurt School, einer privaten Wirtschaftshochschule: „Weil die Bedeutung von Bargeld abnimmt, möchte die Zentralbank eine digitale Ersatzform etablieren.“ Damit versuche sie, ihren „Marktanteil bei den Zahlungsmitteln als auch die Funktionsfähigkeit ihrer Geldpolitik zu sichern.“

Was ist ein digitaler Euro?

Der digitale Euro wäre eine zusätzliche Form von Bargeld für das Internet, so relativ wertstabil und gesetzlich abgesichert wie das konventionelle Bargeld. Es handelt sich um Zentralbankgeld, das nur die Zentralbank schöpft. Das ist der wesentliche Unterschied zum sogenannten Giralgeld auf den Bankkonten, das die Privatbanken durch ihre Kreditvergabe entstehen lassen. Der digitale Euro kommt direkt von der Zentralbank.

Wozu soll man digitale Euro verwenden können?

Zum Bezahlen im Internet. Die Überweisungen sollen in manchen Fällen billiger und schneller vonstatten gehen als konventionelle Buchungen. Denn technisch können Zahlungen in digitalen Euro dezentral, auf direktem Weg zwischen Absender:in und Empfänger:in stattfinden – ohne Umwege über andere Banken, Zahlungsdienstleister oder Abrechnungsfirmen.

Wie funktionieren digitale Zahlungsmittel?

Bargeld kann man heute noch in die Hand nehmen. Das Girokonto bei der Bank wird jetzt zwar auch schon per Computer geführt, ebenso wie die Überweisungen zu anderen Konten digital abgewickelt werden. Die Buchungen sind dabei aber auf den Zentralrechnern der Institute gespeichert, die die Zahlungen garantieren. Das ist ein Unterschied zu den neuen, digitalen Zahlungsmitteln. Deren Buchungsvorgänge werden nicht nur in wenigen Rechenzentren dokumentiert, sondern dezentral auf Millionen Computern weltweit. „Distributed Ledger“ („verteilte Register“) heißt deshalb die zugrundeliegende Technologie. Eine Variante ist die Blockchain-Technik, die unter anderem beim Bitcoin zum Einsatz kommt. Das gleichzeitige Ablegen in vielen Speichern gilt als neuer Weg, die Buchungen relativ fälschungssicher zu machen.

Haben dann alle ein zusätzliches Konto bei der Bank?

Ja. Auf dieses könnte man vom Girokonto maximal 3000 Euro überweisen. Das Limit, über das noch nicht entschieden ist, soll verhindern, dass den Geschäftsbanken zu viele Mittel entzogen werden. Denn „für jeden Betrag Giralgeld, der beispielsweise von einem Giro- auf ein Digital-Euro-Konto überwiesen wird, muss das betreffende Institut dieselbe Summe bei der Zentralbank hinterlegen“, erklärt Groß.

Wozu braucht man die Institute dann noch?

„Wird digitales Zentralbankgeld für alle eingeführt, sind Banken beispielsweise für die Abwicklung von Zahlungen mit diesem digitalen Geld nicht nötig“, sagt Markus Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Weil die Buchungen auf sehr vielen dezentralen Computern gespeichert sind, braucht man die Bank als vermittelnde Institution eigentlich nicht mehr. Digitale Währungen stellen deshalb einen Angriff auf das Geschäftsmodell der Institute dar. Neben dem digitalen Euro wird es allerdings auch weiterhin elektronisch transferierbare Bankeinlagen geben. Andere Aufgaben können die Institute damit auch künftig erfüllen, etwa „Kredite vergeben und die Kreditwürdigkeit von Gläubigern prüfen“, so Demary.

Wird damit die Anonymität des Bezahlens abgeschafft?

Hat man heute Bargeld per Bankautomat oder Ladenkasse vom eigenen Konto abgehoben, lässt sich der weitere Weg der Scheine und Münzen nicht mehr verfolgen. Mit dieser Anonymität des Bezahlens fühlen sich in Deutschland viele Leute wohl, denn sie wollen privaten und staatlichen Überwachern möglichst wenig Informationen geben. Auch beim digitalem Geld ist Anonymität technisch grundsätzlich möglich, allerdings schwierig zu realisieren und damit teuer. In der Realität wird eher die sogenannte Pseudonymisierung anzutreffen sein – eine Verschlüsselung auf der Oberfläche, die es Fachleuten trotzdem ermöglicht, Absender:in und Empfänger:in von Zahlungen zu dechiffrieren. Die EZB erwägt, anonymisierte Zahlvorgänge für kleine Beträge von bis vielleicht 20 Euro zu gestatten.

Ein weiterer Schritt zur Beseitigung des Bargeldes?

Das Bargeld würde durch den digitalen Euro „nicht ersetzt, sondern ergänzt“, sagt die EZB. Sie werde „auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Euro-Banknoten und -Münzen überall im Euroraum zur Verfügung stehen.“ Wieviele Jahrzehnte diese Aussage noch gültig sein wird, muss man allerdings sehen.

Wie geht es weiter?

„Mitte 2021 werden wir darüber entscheiden, ob wir ein Projekt starten, mit dem wir uns auf die eventuelle zukünftige Ausgabe eines digitalen Euro vorbereiten“, heißt es bei der Zentralbank.

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